Hart am Wind
Die guten alten Zeiten

Ein Sommer ist lang genug für eine America’s-Cup-Kampagne“, sagte Ted Turner vor 30 Jahren. Der Cup war in jenen Tagen eine weniger aufwendige Veranstaltung, die nichtsdestotrotz den Respekt und die Aufmerksamkeit der gesamten Segelgemeinschaft auf sich zog.

Drei Jahre später beklagte Turner, dass Dennis Conner das Spiel vollkommen geändert hätte. „Er verbringt 300 Tage eines Jahres in einem Segelboot“, sagte er entrüstet, „und Conner ist ein erwachsener Mann.“ Turners Klage kam nicht von ungefähr, denn mit Conner hielt ein neuer Geist beim America’s Cup Einzug. Conner war der erste, der mit zwei Booten arbeitete und der hart trainierte – das verlangte seine Philosophie von ihm. Denn der Segler verzieh sich keine Niederlage. Er hatte die anderen Segler beobachtet: Zunächst als er mit Turner und dann 1974 mit Ted Hood auf dem Cup-Gewinner-Boot segelte. Und er wusste: Es gibt einen Weg um den Erfolg zu garantieren.

So machte Conner sich nichts aus den stimmungsvollen Abenden im Hafen von Newport, dem Bannister’s Wharf, im US-Staat Richmond. Das war der Lieblingstreff der Cup-Liebhaber zu der Zeit. Doch während für die anderen Segler ein America’s-Cup-Sommer auch immer Spaß bedeutete, konzentrierte Conner sich lieber darauf, Rennen zu gewinnen.

Um Missverständnisse zu vermeiden: Der America’s Cup war natürlich auch damals schon eine ernsthafte Veranstaltung. Ein Amerikaner sagte zu jener Zeit einmal, der Cup könne über Karrieren entscheiden. Eine Teilnahme am größten Segelevent der Welt war so wichtig wie ein guter Universitätsabschluss, um in den obersten Rängen des amerikanischen Business voran zu kommen.

Dennoch: Es waren die Tage der fröhlichen Amateure zu einer Zeit als die Budgets der Kampagnen noch keine Riesensummen verschlungen. Ältere Mitglieder der Crew legten ihre Karriere für einen Sommer auf Eis und ihr Lohn reichte gerade einmal für einen gelegentlichen Drink. Der bloße Gedanke daran, bezahlt zu werden, war befremdlich – Taschengeld war in Ordnung, aber darüber hinaus ging es nicht.

All das liegt nun neun Cups zurück und die rapiden Änderungen sind immer noch zuviel für viele Segler aus der Blütezeit der 12-Meter-Yachten – etwa für Bill Ficker, der den Cup 1970 verteidigte. Ficker, der in seinen frühen Jahren an dem ersten Flugzeug im All, dem Raketenflugzeug X-15, mitarbeitete, glaubt immer noch, dass der Aufwand und die Zeit für den „modernen“ America’s Cup pure Verschwendung sind. Erst im August sagte er in den heiligen Hallen des New Yorker Yacht Klubs: „Wenn sie der Flugzeugindustrie das Programm eines America’s-Cup-Bootes zeigen würden, dann würden die sie angucken, als seien sie ein Idiot.“

Der Aufwand, der heute betrieben wird, ist in der Tat enorm, wie ein Blick auf die Hafenanlagen von Valencia zeigt: Zwölf Syndicate arbeiten dort den ganzen Sommer über, einige sogar das ganze Jahr. Die Louis Vuittons Akte, die Regatten, die den America’s Cup zu einem neuen Publikum in Europa bringen, verschlingen ebenfalls eine Menge Zeit. Aber sie haben den Vorteil, dass sie den Teams die Möglichkeit geben, ihre Boote und Crews Gästen von Sponsoren zu präsentieren – den bdeutendsten Newcomern in der America’s-Cup-Szene.

Die großen Kampagnen brauchen heutzutage ungeheuere Finanzmittel und Sponsoring ist die neue Geldquelle. Conner, der zum ersten Mal seit drei Jahrzehnten beim Cup fehlt, würde das sicherlich bestätigen. Heutzutage werden die Segler wie andere Sportler bezahlt, nicht unbedingt wie Fußballer, aber die Gehälter einiger Skipper haben schon beträchtliche Ausmaße angenommen.

Man kann sicherlich die alten Zeiten wieder herbeisehnen. Aber eines gilt heute wie früher: Die Boote verkörpern Spitzentechnologie - der America’s Cup ist technologisch immer bis an die Grenzen gegangen und das wird er auch weiterhin tun.

Bob Fisher ist Segelexperte des britischen Guardian.

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