Hart am Wind
Ohne Geduld kein Erfolg

Der America´s Cup ist eine wahnwitzige Veranstaltung. Es geht nicht um Tausende von Hummern, die wohl wieder ihr Leben lassen müssen. Es geht darum: Die Teams schaffen eine riesige und teure Logistik. Man erforscht den Wind, das Wasser, das Wetter. Man baut High-Tech-Boote. Letzten Endes trainiert man Teams, die im besten Fall wie Schweizer Uhrwerke funktionieren - genau und sicher. All das generiert Erfahrung und Wissen. Doch im schlimmsten Fall werden nach dem Cup die Teams ganz aufgelöst, im besten Fall nur ein paar Segler, Designer oder Wetterfrösche ausgetauscht. In jedem Fall hat jede Kampagne eine überschaubare Halbwertzeit.

Der Skipper vom "United Internet Team Germany" Jesper Bank hat andere Pläne: "Es kann nicht sein, dass Teams nach dem Cup auseinander brechen. Ich will, dass wir in Deutschland um das Team einen Talentepool kreieren. Segler, die jetzt noch nicht dabei sein sind, können so schon Erfahrung für den kommenden Cup sammeln." Man kann das, was der Däne so enthusiastisch beschreibt, "Nachhaltigkeit" nennen. Und genau das muss das Motto für diesen Cup sein. Niemand würde bestreiten, dass Deutschland keine Segelnation ist. Die Erfolge bei Olympischen Spielen gehören zur Tradition (Athen ausgenommen). Segeln ist hier zu Lande aber immer noch Amateursport. In Neuseeland haben die zwei gewonnenen Cups 80 Profisegler hervor gebracht (bei fünf Millionen Einwohnern). Deutschland hat nur drei Profis, die alle beim aktuellen Cup segeln. Doch Potenzial gibt es reichlich. Das muss für den kommenden Cup gesichert werden.

Auch das Engagement des Internet-Magnaten Ralf Dommermuth ist nur der Anfang für die Beteiligung finanzstarker Unternehmen am deutschen Segelsport. Die Medien-Aufmerksamkeit wird bis 2007 massiv zunehmen. ARD und ZDF werden 60 Stunden aus Valencia live berichten. Das AC-Management gibt rund 70 Millionen Euro für Kommunikation aus. Darüber mögen manche nun lächeln: Aber der Cup hat in Deutschland das Potenzial, nach dem Rücktritt von Michael Schumacher sich auf eine Stufe mit der Formel-1 zu wuchten. Für Segelromantiker und Cup-Puristen ist das nichts, aber es ist der Weg, den "Alinghi" wollte, als es verkündete, dem Cup ein "modernes Gesicht" zu verpassen. BMW oder SAP haben sich bereits mit riesigen Summen in anderen Teams engagiert. Dahinter steckt auch die Haltung, mit dem Sponsoring auch einen sofortigen sportlichen Erfolg einkaufen zu wollen. Diese Haltung muss sich ändern. Denn es geht um Aufbauarbeit. Und darin liegt die Chance für die erste deutsche Cup-Kampagne.

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