Hassan Moustafa
Deutsche stützen Skandal-Präsidenten

Welthandball-Chef Hassan Moustafa darf auf seine Wiederwahl hoffen - dank großzügiger Gaben an den DHB-Präsidenten Strombach. Wie eine merkwürdige Männerfreundschaft dem Skandal-Präsidenten sein Amt retten könnte.

KÖLN. Das Ambiente ist nobel. Nahe den Pyramiden gelegen, bietet das Fünf-Sterne-Hotel "JW Marriott" in Kairo den Teilnehmern des 32. Kongresses der Internationalen Handball-Föderation (IHF) ab nächstem Donnerstag eine luxuriöse Unterkunft: Große Zimmer, ein riesiger Pool, edle Restaurants, ein Golfplatz. Hassan Moustafa, Gastgeber und amtierender IHF-Präsident, hat vorgesorgt: Der "Pharao", wie der Ägypter wegen seines selbstherrlichen Stils genannt wird, will für fünf weitere Jahre wiedergewählt werden. Dank seiner Großzügigkeit finden auch finanzschwache Mitgliedsverbände wie Vanuatu und Ghana den Weg an den Nil - sie sollen dem Pharao dort ihre Stimme geben.

Ulrich Strombach, der Präsident des Deutschen Handballbundes (DHB), benötigt dafür vermutlich keine Denkanstöße mehr. Der 65-jährige Jurist scheint durch einige Angelegenheiten in fragwürdiger Weise mit dem skandalumwitterten IHF-Chef verbandelt zu sein. Dabei repräsentiert Strombach in Kairo den stärksten Verband der Welt: 840000 Mitglieder zählt der DHB in Deutschland, dem Mutterland der Sportart.

Wie Strombach in Ägypten auftritt, entscheidet die Wahl, denn die mächtigen Deutschen haben großen Einfluss auf die anderen Verbände. Die Gretchenfrage lautet: Wie hält es Strombach mit Moustafa? Wird er den freigiebigen IHF-Präsidenten, der den Welthandball seit 2000 regiert, unterstützen?

Es sieht danach aus: "Ich kann mit Moustafa leben, auch weil ich mir einbilde, mit den größten Einfluss auf ihn zu haben", brüstete sich Strombach im Januar bei der Weltmeisterschaft in Kroatien. Dass Moustafa eine abstruse Anti-Doping-Politik betreibt; dass der Ägypter für mehr als eine halbe Million Schweizer Franken Flugspesen kassiert hat, ohne dafür Belege vorzulegen; dass Moustafa, wie der Internationale Sportgerichtshof in Lausanne feststellte, im September 2007 am größten Schiedsrichterskandal der Handballgeschichte direkt beteiligt war, der sogar zur Wiederholung des olympischen Qualifikationsturniers führte - all das findet Strombach nicht stichhaltig genug. "Wenn es Belege gibt für Bestechung oder falsche Abrechnungen von Dienstreisen, ist das ein Vorwurf. Aber es muss konkret sein und darf sich nicht auf Allgemeinplätze beschränken", sagte er.

Auf den ersten Blick verwundert die Milde Strombachs, denn er hat mit Moustafa schon harte Kämpfe ausgetragen. Als der DHB 2002 beim IHF-Kongress in St. Petersburg die Bewerbung für die WM 2005 gegen Tunesien verlor, machte Strombach den Ägypter für "Stimmenkartelle" bei der Wahl verantwortlich. Moustafa sei für ihn "ein toter Mann", sagte Strombach. Die IHF habe unter der Ägide des Ägypters den Weg "in die Katastrophe angetreten".

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