Heute beginnt die NBA-Saison ohne deutschen Neuling
Nur ein Vorspiel in der besten Basketball-Liga der Welt

Es hätte ein großer Tag für Quakenbrück und den deutschen Basketball werden können. Ein Tag, an dem Verband und Verein in die Annalen der weltbesten Basketballiga NBA hätten einziehen können. Doch Jan-Hendrik Jagla wurde in letzter Minute bei den Los Angeles Clippers aussortiert.

HB QUAKENBRÜCK´. Es brummte mächtig im Cafe Cassellius, dem Umschlagsplatz aller Hoffnungen und Wünsche in Sachen Basketball in Quakenbrück. Das Personal des Oma-Cafes am Marktplatz hatte wieder einmal ordentlich Zuckerwerk in Drachenform gebacken und viel Gulasch gekocht. Denn an diesem besonderen Tag war natürlich mehr los, als an einem üblichen Spieltag des Basketballteams Artland Dragons Quakenbrück. Alle wollten sie zusammen sein, Spieler wie Fans, wenn die finale Entscheidung vom großen Teich herüber schwappen würde. Direkt ins Cafe.

Die Nachricht kam per Telefon. Doch es war keine gute Botschaft. „Ich werde nicht in der NBA spielen", krächzte die enttäuschte Stimme von Jan-Hendrik Jagla aus dem Telefonhörer. In letzter Sekunde hatte sich der US-Klub Los Angeles Clippers gegen den jungen deutschen Nationalspieler, der noch letzte Saison bei den Dragons in der Bundesliga auflief, entschieden. Nur wenige Tage vor dem heutigen NBA-Start war Jagla aus dem Kader gestrichen worden. „Es fehlte letztlich nur ein Quäntchen Glück für das große Abenteuer“, sagt Jagla.

Doch nicht nur für Jagla war die Absage eine große Enttäuschung, sondern auch für den deutschen Basketball. Denn es scheint, als sei Jagla vorerst der letzte deutsche Spieler gewesen, der in der höchsten US-Liga vorspielen durfte. Trotz des starken Abschneidens der Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft sieht die Zukunft für deutsche Talente alles andere als gut aus.

Denn der Basketball befindet sich hierzulande in einer Krise: Deutsche dürfen kaum spielen und ein Nachwuchskonzept ist nicht zu erkennen. Arbeitslos war auch Jagla bevor er in Amerika sein Glück suchte. Für die Nationalmannschaft wie für Quakenbrück war der 2,11-Hüne als nicht mehr gut genug befunden worden. Oft saß Jagla auf dem flauschigen Sofa des Cafe Cassellius und ließ sich seine Seele mit Gulasch und Drachenkeksen trösten. Billig eingekaufte ausländische Stars waren ihm vorgezogen worden. Doch plötzlich hatten die L.A. Clippers ernsthaft Interesse gezeigt. Von der Arbeitslosigkeit in die NBA – als fünfter deutscher Spieler nach Detlef Schrempf, Uwe Blab, Chris Welp und Dirk Nowitzki. In einem Testspiel war er dann sogar gegen Nowitzki und die Dallas Mavericks aufgelaufen. „Es war eine großartige Erfahrung“, schwärmt Jagla.

Doch es reichte nicht für mehr. Dennoch mutet es bereits wie ein kleines Wunder an, dass er fast den Sprung in die NBA schaffte. Darauf verweist auch Bundestrainer Dirk Bauermann, wenn er sagt: „Es findet keine professionelle Talentförderung statt, sondern alles ist sehr beliebig. Zudem gibt es keine flächendeckenden Programme für junge Spieler.“ Längst sind intensive Betreuungen im Nachwuchsbereich wie sie Jagla bei Alba Berlin genoss nicht mehr vorhanden. Kontinuität, Loyalität, Identifikation hießen die Pfeiler, auf denen Alba Berlin sein Jugendkonzepte Ende der 90er Jahre aufbaute. Auf Initiative des damaligen Trainers Svetislav Pesic gründe-te der Club sogar eine Basketball-Akademie, zwecks Ausbildung von Talenten aus Europa. Doch das ambitionierte Projekt wurde weitestgehend eingestellt. Neue Konzepte sind nicht angedacht. Auch nicht bei anderen Clubs. Bauermann klagt: „Es wird höchste Zeit, dass der deutsche Basketball erkennt, dass er nicht nur von einem Dirk Nowitzki leben kann.“

Doch selbst ein gutes Förderprogramm würde momentan wohl nichts helfen. Nur noch einen deutschen Spieler müssen die Bundesligavereine in ihrem Kader haben. Spielzeiten für deutsche Nationalspieler sind somit bereits eine Ausnahme. Nationalspieler Robert Garrett wurde etwa nur als Lückenbüßer für verletzte ausländische Stars beim Deutschen Meister GHP Bamberg mit einem Kurzzeitvertrag bedacht. Die NBA findet für Jagla & Co. in Zukunft wohl nur im Fernsehen statt.

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