Hobby Luxusschiff
Nostalgische Hightech-Beauty

Für manche Leute ist es das höchste Glück, eine edle Yacht zu besitzen. Für den Software-Milliardär Jim Clark ist das nicht genug. Kaum ist ein Boot fertig, baut er schon wieder an einem neuen Luxusschiff. Seine jüngste Schöpfung heißt Athena und ist ein traumhafter Mix aus Hightech-Yacht und Retro-Dampfer.

HB KALIFORNIEN. Der kalifornische Software-Milliardär Jim Clark lehnt zufrieden am Rad des Außensteuerstandes. Wie ein richtiger, historischer Dampfer hat die Athena eine so genannte Portugieserbrücke mit vorn um das Steuerhaus geführtem Balkon. Das kräftige Braun der teakvertäfelten Kommandobrücke steht glänzend im Lack. Im Unterschied zu seiner weiß und dunkelrot gekleideten 18-köpfigen Besatzung trägt Clark ein hellblaues Polohemd zur weißen Hose. Die Mannschaft hat das Hemd in den Shorts stecken. Er trägt es über dem Bund.

Clark ist ein ehemaliger Professor der Stanford University, erkannte als einer der Ersten die Bedeutung des Internets, gründete zuerst Silicon Graphics und dann 1994 in Mountain View (Kalifornien) die Browser-Firma Netscape Communications und verdiente beim Verkauf Ende der 90er Jahre ein Milliardenvermögen.

Mit zwei Fingern führt Clark seinen elfhundert Tonnen verdrängenden Dreimaster unter einer Wolke weißer Segel weit draußen durch den Golf von Saint- Tropez. Das Steuerrad ist etwa so groß wie bei der legendären Pamir, sein Schiff hat annähernd das Format eines Flying P-Liners. Doch transportiert es weder Baumwolle noch Salpeter oder Weizen. Die Athena segelt Clarks eigene maritime Welt spazieren. Die misst 77 Meter über Deck, ist 12 Meter breit und verteilt sich auf drei Etagen zum Brunchen, Lunchen, Dinieren, Zigarrerauchen und Faulenzen.

Das spätsommerliche Mittelmeer zeigt sich im diesig weichen Licht der Côte d?Azur von seiner angenehmen Seite. Es gibt Wind und ist nicht zu heiß. "Sind Sie schon mal mit allen Tüchern gesegelt?", erkundigt sich ein Begleiter. "Noch nicht", meint Clark und ordert via Walkie-Talkie die "Topsails". Entscheider fackeln nicht lange. Eine solch provozierende Frage an einen passionierten Segler wie Clark kennt eben nur eine Antwort: raus mit den Lappen. Denn ganz oben, über den Gaffelsegeln, ist noch Luft. 12 bis 14 Knoten, eine Reisegeschwindigkeit, von der Segler üblicher Boote allenfalls träumen, sind ja ganz schön. Doch wenn noch ein paar Knoten mehr gehen, werden 500 Quadratmeter Segel zusätzlich aus den drei Masten gerollt.

Nach einer Weile stiebt die Athena mit 2623 Quadratmetern Segelfläche und gut 16 Knoten durch das Mittelmeer. "Boy, sie läuft wie der Teufel", freut sich Clark mit leuchtenden Augen. Es ist der Moment, wo ansonsten klar denkende CEOs und nüchterne Strategen zu kleinen Jungs werden und es ungeachtet der Segelempfehlungen ihres Konstrukteurs rauschen lassen. Es sind jene wertvollen Stunden oder auch nur Minuten, für die sich Großsegler Clark jahrelang mit einer Menge Dollars, Telefonkonferenzen, Meetings und Flügen zur Baustelle verausgabt hat.

Eine kühne, eine unzeitgemäße Männer- und Seglerphantasie. Ein charmanter Anachronismus, aufgetakelt nach dem technischen Stand unserer Tage. Jetzt ist die Athena keine Vision, kein Projekt, keine Großbaustelle mehr. Jetzt lehnt Clark am Steuer auf der um zehn Grad geneigten Kommandobrücke. Das Hemd über der Hose, zwei Finger am Rad. Mister Netscape lächelt.

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