Hockey EM
DHB-Herren enttäuschen bei EM

Die deutschen Hockey-Herren haben bei der EM in Manchester den Sprung aufs Treppchen verpasst. Der Weltmeister unterlag im Spiel um Platz drei völlig überraschend Belgien mit 3:4 und verpasste die Olympia-Qualifikation.

Der Triumph der deutschen Hockey-Damen bei der Europameisterschaft in Manchester ist deutlich getrübt vom Versagen der Herren. Die Mannschaft von Bundestrainer Markus Weise verspielte mit dem schlechtesten EM-Ergebnis in der Geschichte die direkte Qualifikation für die Olympischen Spiele in Peking. Im "kleinen Finale" unterlag der hohe Favorit gegen Belgien durch ein Tor sieben Sekunden vor Schluss mit 3:4 (1:0) und muss nun versuchen, durch die Hintertür eines Qualifikationsturniers voraussichtlich im März in Japan doch noch nach Peking zu kommen.

Beim Deutschen Hockey-Bundes (DHB) war nach der Pleite das Glücksgefühl nach dem Überraschungscoup der Frauen vom Samstag schlagartig verflogen. Die Damen gewannen durch einen 2:0 (1:0)-Erfolg über Titelverteidiger und Weltmeister Niederlande erstmals den kontinentalen Titel. Janine Beermann (2., 40.) war zweimal erfolgreich, mindestens ebenso wichtig war allerdings die Leistung von Torfrau Yvonne Frank, die zahllose Chancen der Holländerinnen zunichte machte.

Herren-Trainer Weise: "Sind nicht als verschworenes Team aufgetreten"

Die Herren-Mannschaft verspielte am Sonntag wie bereits im Gruppenspiel gegen Belgien einen 2:0-Vorsprung. Philipp Witte (33.) und Matthias Witthaus (39.) hatten für eine allerdings zu diesem Zeitpunkt bereits schmeichelhafte Führung gesorgt. Alexandre de Saedeleer (41.), Charles Vandeweghe (44.) und Jerome Dekeyser (62.) brachten die kämpferisch stärkeren und selbstbewussteren Belgier in Führung. Niklas Meinert (65.) konnte mit einem Siebenmeter zwar noch ausgleichen, aber unmittelbar vor dem Spielende und einem Siebenmeterschießen entschied Thomas Briels nach einem Freischlag die Partie.

"Die Hälfte der Mannschaft hat ihre normale Leistung nicht gebracht", erklärte der tief enttäuschte Bundestrainer Weise. Erst im Herbst war der Mannheimer nach der mit Platz acht ebenfalls völlig verkorksten Damen-WM von den Frauen als Nachfolger von Bernhard Peters zu den Männern gewechselt. Und obwohl er noch 14 Weltmeister im Kader hatte, konnte das Fehlen der erfahrenen Björn Emmerling und Philipp Crone nicht ausgeglichen werden. "Wir haben keine neu gewachsene Führungsstruktur", sagte Weise, "und wir sind hier nicht als verschworenes Team aufgetreten."

Behrmann: "Teamspirit war unglaublich hoch"

Das aber war genau das Erfolgsgeheimnis seines Nachfolgers Michael Behrmann bei den Damen. Der Hamburger hatte in Manchester eine funktionierende Mannschaft, deren Harmonie der Hauptgrund für den überraschenden Erfolg war. "Der Teamspirit war unglaublich hoch", sagte der 40-Jährige. Besonders deutlich wurde dies bei den Torhüterinnen. Die im Halbfinale überragende Kristina Reynolds machte im Endspiel wieder für Frank Platz. "Es war vorher klar, dass wir das Turnier zusammen bestreiten. Ich habe damit kein Problem, wenn ich dem anderen Torwart vertrauen kann", sagte Frank.

"Samstag war ein sehr guter Tag für uns, heute ist es sehr enttäuschend", sagte DHB-Präsident Stephan Abel, "ich bin aber optimistisch, dass wir trotzdem noch die Qualifikation für die Spiele schaffen." Als Weltranglisten-Erster muss sich die deutsche Mannschaft bei einem von drei Qualifikationsturnieren als Sieger durchsetzen, trifft dort aber nur auf zweitklassige Konkurrenz wie Japan und Frankreich, weil sich insgesamt neun Teams über kontinentale Meisterschaften für Peking qualifizieren konnten.

"Wir müssen jetzt die ganze Planung für die Bundesligasaison und die Olympia-Vorbereitung umstellen", sagte DHB-Generalsekretärin Uschi Schmitz. Also muss Plan B aus der Schublade geholt werden. "Den wollte ich nie machen müssen", sagte Weise, "aber wir waren schlecht in Angriff und Abwehr, jetzt ist es passiert."

© SID

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