Hockey National
"Goldschmied" Paul Lissek feiert seinen 60.

Der Ex-Trainer der deutschen Hockey-Nationalmannschaft, Paul Lissek, feiert am heutigen Montag seinen 60. Geburtstag. Die Feier wird im kleinen Kreis mit der Familie bei einem Abendessen in Limburg stattfinden.

Bei der Hockey-EM in Manchester saß er bei fast jedem Spiel mit Zettel und Stift auf der Tribüne und analysierte die Spiele. Paul Lissek arbeitet und lebt Hockey, mit wachen Augen und scharfem Verstand. Immer noch - von Ruhestand keine Spur. "Es geht mir gut", sagt er und so wirkt er auch.

Als Angestellter der Nationalen Sport-Behörde Malaysias sollte er die neuen Entwicklungen bei der Hockey-EM auswerten, um die Trainer in dem fernöstlichen Land zu informieren und zu schulen. Lissek ist in seinem Element, zum Feiern bleibt da wenig Zeit. Am Montag wird der "Goldschmied" des Deutschen Hockey-Bundes 60 Jahre alt. "Es gibt nur ein Abendessen mit meinen Geschwistern und Eltern in Limburg", erzählt Lissek: "Anschließend fliege ich zurück nach Kuala Lumpur." Bis Jahresende steht er in Malaysia noch unter Vertrag, geht aber davon aus, dass er mindestens noch bis März gebraucht wird, wenn die Qualifikationsturniere für die Olympischen Spiele stattfinden.

Die Malayen wollen den Vertrag verlängern, Lissek selbst hat sich über seine Zukunft noch nicht entschieden. In Peking wäre er zu gerne als "Consultant" dabei, aber ob Malaysia überhaupt das Ticket löst, ist sehr fraglich.

Olympiasieger 1992 mit dem deutschen Team

Der Triumph bei den Olympischen Spielen 1992 in Barcelona mit den deutschen Herren war der größte Erfolg des Limburgers, der zwei Jahre vorher nach einem "Spieleraufstand" Klaus Kleiter als Bundestrainer abgelöst hatte. Alles hat Lissek mit dem Team gewonnen, er war auch dreimal Europameister (1991, 95, 99), nur zur Weltmeisterschaft hat es nicht gereicht. Das schaffte sein ehemaliger Co-Trainer Bernhard Peters erst 2002 und wieder 2006.

Dessen Weg in den Fußball sieht er mit großem Interesse: "Das hätte mich auch gereizt, ich hatte mal zu Ottmar Hitzfeld Kontakt aufgenommen, um bei Borussia Dortmund zu hospitieren", sagt Lissek: "Die Spielsysteme sind so ähnlich, ich bin überzeugt, dass wir auch im Fußball etwas bewegen können."

Unter "Hockey-Professor" Lissek wurden in seiner zehnjährigen Amtszeit die Grundlagen für das wissenschaftliche Arbeiten mit den Mannschaften des Deutschen Hockey-Bundes gelegt. Er führte unter anderem das für Ballsportarten vorbildliche Nachwuchssystem ein, intensivierte Laktattests, war Pionier bei Videostudien und Computer-unterstützten Spielanalysen während des Spiels. Der Hockeypädagoge Lissek bediente sich eines ganzen Arsenals und war damit Vorbild für eine ganze Trainergeneration.

"Ich durfte ja nicht weitermachen."

Nach den Olympischen Spielen 2000 allerdings musste er seinen Platz räumen. Rang fünf wurde ihm zum Verhängnis, insbesondere die völlig überflüssige Vorrundenniederlage gegen Großbritannien, als ein Unentschieden zum Weiterkommen genügt hätte. Es stimmte nicht mehr zwischen Team und Coach nach all den Jahren, die Spieler waren unzufrieden mit der Ansprache, sie kannten alle Motivationsreden, sie zweifelten an der Taktik. Das Ende war wohl unvermeidlich, auch wenn es scheint, als würde Lissek daran heute noch knabbern: "Ich durfte ja nicht weitermachen."

In Malaysia heuerte er danach an, als Nationaltrainer aber konnte er sich dauerhaft nach Anfangserfolgen nicht durchsetzen, man wollte dort einheimische Coaches. Jetzt ist er verantwortlich für die Trainerausbildung und Jugendförderprogramme und berät die Nationaltrainer.

Dauerhaft will Lissek das nicht machen: "Ich will in Zukunft mehr Freiheit genießen, ich kann mir vorstellen, als Freiberufler hier und da zu arbeiten. Es gibt Anfragen." Das ist wohl der Geburtstagswunsch des Hockey-Trainers Lissek. Er will auch mit 60 wieder mehr praktisch arbeiten: "Manchmal fehlt mir die Herausforderung eine Mannschaft auszubilden.'

© SID

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