Hockey WM
Hellwacher Bubolz findet nicht in den Schlaf

In der Nacht nach dem Final-Einzug bei der Weltmeisterschaft in Mönchengladbach fand Ulrich Bubolz nur schwer in den Schlaf. Der Schlussmann der deutschen Auswahl durchlebte das Halbfinale gegen Spanien ein zweites Mal.

Für Ulrich Bubolz ist die gesamte Hockey-WM in Mönchengladbach eine traumhafte Erfahrung. In der Nacht nach dem größten Triumph seiner Laufbahn fand der Torhüter nur schwer in den Schlaf. "Ich habe jede Strafecke und jeden Siebenmeter mindestens einmal noch vor mir gesehen", erzählte der Berliner am Samstagmorgen: "Das alles ist wie ein Traum für mich."

Mit seinen Heldentaten im Halbfinale der 11. Hockey-WM in Mönchengladbach war er Freitagnacht beim 2:2 (2:2, 1:1) und dem 3:1 im Siebenmeterschießen gegen Spanien der entscheidende Mann beim dritten Einzug einer deutschen Mannschaft in ein WM-Finale. Björn Emmerling (20.) und Moritz Fürste (47.) trafen für das deutsche Team, für Spanien waren Santiago Freixa (27.) und Alex Fabregas (47.) erfolgreich.

Mit der Euphorie dieses Erfolges im Rücken will die Auswahl des Deutschen Hockey-Bundes (DHB) am Sonntag (15.30 Uhr/live in der ARD) ihren Titel gegen Olympiasieger Australien erfolgreich verteidigen. "Das sind absolute Bären, physisch superstark", sagte Bundestrainer Bernhard Peters: "Wir haben aber große Stärken im taktischen Bereich, ich sehe Möglichkeiten, sie zu schlagen."

Eben auch mit diesem Torwart hinten drin. Schon in der regulären Spielzeit und der Verlängerung war Bubolz über sich hinausgewachsen, als er im Verbund mit seinen vier Abwehrkollegen sechs von sieben spanischen Strafecken entschärfte. Im ultimativen Nervenkrimi vom Siebenmeterpunkt wehrte er schließlich ganz allein zwei Schüsse ab, einen schossen die Spieler des Europameisters an den Pfosten. "Dass Bubolz so über sich hinauswächst, war nicht vorhersehbar", sagte Peters und schwärmte von dessen "grandioser Leistung".

Der 25 Jahre alte Schlussmann vom Berliner HC ist im Shootout zum "Hockey-Lehmann" geworden. Die sportlichen Parallelen zum Kollegen im Fußballtor sind schon erstaunlich. Erst unmittelbar vor der WM wurde Bubolz von Peters zur Nummer eins befördert, nur neun Wochen nach einer schweren Schulter-Operation.

Der bisherige Stammtorwart, Christian "Kahn" Schulte, musste stattdessen auf die Tribüne. "Ich kann mir nicht vorstellen, wie schwer das für ihn sein muss", sagte Bubolz: "Aber er verhält sich absolut fantastisch und hat mir vor dem Siebenmeterschießen noch Tipps gegeben." Kahn und Lehmann lassen grüßen.

Am Samstag ist nur Regeneration und leichtes Auslaufen angesagt. Abends werden Bubolz und seine Teamkollegen dann wieder bei einer Besprechung sitzen. Natürlich wollen sie jetzt den ganz großen Preis, zum zweiten Mal nach 2002 gegen die Aussies den WM-Titel holen. Aber zu verlieren, sagt der Keeper, haben sie eigentlich gar nichts mehr.

Mit dem Finaleinzug bei der Heim-WM wurde auch dem scheidenden Bundestrainer der passende Abschied bereitet. "Ich freue mich sehr auf ein tolles großes Spiel", meinte der 46-Jährige: "Und ich hoffe auf die gleiche Unterstützung wie am Freitag."

Die 12 000 Zuschauer im Hockey-Park hatten wieder für Gänsehautatmosphäre gesorgt. La Ola brandete durch das Stadion, "Deutschland-Deutschland"-Rufe schallten von den Rängen, die Stimmung war einmalig. "Sowas habe ich in meiner Karriere noch nicht erlebt", sagte Björn Emmerling. Mehr als 100 000 zahlende Zuschauer insgesamt werden am Ende die WM auf den Rängen verfolgt haben, ein Riesen-Erfolg für den DHB. Da fehlt eigentlich nur noch das i-Tüpfelchen im Endspiel.

© SID

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