Hockey WM
Hockey-Herren krönen sich erneut zum Weltmeister

Im Finale der WM in Mönchengladbach hat sich Deutschlands Hockey-Nationalteam nach 2002 erneut zum Weltmeister gekrönt. Torjäger Christopher Zeller erzielte gegen Australien den umjubelten 4:3-Siegtreffer.

Deutschlands Hockeyherren haben nach einer sensationellen Aufholjagd im Finale ihren Weltmeister-Titel erfolgreich verteidigt. Vor 12 000 euphorischen Zuschauern im Hockey-Park von Mönchengladbach besiegte die junge Mannschaft des scheidenden Bundestrainers Bernhard Peters Olympiasieger Australien 4:3 (1:2) und krönte sich damit zum zweiten Mal zum WM-Champion.

Dabei ließ sich das Team auch von einem zwischenzeitlichen 1:3-Rückstand in der zweiten Halbzeit nicht aufhalten. Christopher Zeller (18. und 54.), Moritz Fürste (46.) und Björn Emmerling erzielten die Tore für die deutsche Mannschaft, die damit ihrem Coach zum Abschied wie versprochen den "Pott" schenkte. Mark Knowles (19.), Matthew Naylor (25.) und Troy Elder (38.) waren für die am Ende gerupften "Kookaburras" erfolgreich. Spanien belegte durch ein 3:2 (2:2, 1:0) nach Golden Goal über Südkorea Platz drei.

Zeller erneut treffsicher

Die deutsche Mannschaft begann die Partie sehr offensiv und setzte die "Aussies" von Beginn an unter Druck. Der unbedingte Wille zum großen Erfolg war bis auf die Ränge zu spüren. Die Australier, die auf Starstürmer Jamie Dwyer (Muskelverletzung) verzichten mussten, ließen sich davon jedoch kaum beeindrucken und standen insgesamt sicher in ihrer Abwehr und starteten bei Ballbesitz sofort blitzartige Konterangriffe. In der 15. Minute allerdings kam Matthias Witthaus über die rechte Seite erstmals frei zum Schuss, Torwart Stephan Mowlam aber verkürzte geschickt den Winkel und entschärfte die Situation.

Drei Minuten später aber war der 29-Jährige chancenlos, als Zeller zu seinem siebten Turniertor traf. Der 22-Jährige schloss ein Solo gegen vier Australier mit einem unhaltbaren Schlenzball ab. Schon im Gegenzug aber holten die Gäste die erste Strafecke heraus, und den Schuss von Knowles konnte Kapitän Timo Weß auf der Linie nicht mehr stoppen. Nachdem Jan-Marco Montag bei der zweiten australischen Strafecke noch akrobatisch das zweite Gegentor verhindern konnte, schlug es bei der dritten Ecke erneut im deutschen Kasten ein.

Fürste gibt das Signal zur Aufholjagd

Die Pausenführung der "Kookaburras" war insgesamt verdient, weil sie in den entscheidenden Situationen etwas cleverer als die junge deutsche Mannschaft war. Nur eine Strafecke konnten sie sich in den ersten 35 Minuten herausspielen, Zellers Schlenzer war jedoch leichte Beute für Mowlam. Auch bei ihrem dritten Treffer profitierten die Australier von einer Unachtsamkeit in der deutschen Abwehr, als sich Bubolz und Eike Duckwitz behinderten und Elder nur einschieben musste.

Doch die Moral blieb intakt. Aufgeben kam nicht in Frage, und nachdem Youngster Fürste mit seinem dritten Turniertor den Anschluss hergestellt hatte, schallten "Jetzt geht´s los"-Chöre von den Rängen. Die Australier verloren in der Folge überraschend etwas ihre Ordnung, und das nutzten die Deutschen gnadenlos aus, wobei sie bei Emmerlings "Bogenlampe" zum Ausgleich etwas Glück hatten. Auch die australische Schlussoffensive überstanden sie mit Glück und Geschick. Nach dem Abpfiff herrschte dann nur noch Jubel.

Kapitän Weß löst sein Versprechen ein

Schon vor Anpfiff erlebte der Hockey-Park einen ersten emotionalen Höhepunkt, als Peters mit lautstarken "Bernie, Bernie"-Sprechchören aus 10 000 Kehlen gefeiert wurde. Dazu wurde über der Haupttribüne ein Riesenplakat mit der Aufschrift "Danke Bernie 1985 - 2006" heruntergelassen. Die Spieler bedankten sich zudem über Videobotschaften bei ihrem Trainer, und Weß versprach: "Wir holen für dich zum Abschied den Pott." Das ließ auch den oftmals spröde wirkenden Krefelder nicht ungerührt.

Nach der Siegerehrung begann für die deutschen Spieler die Party. Sie mischten sich bei Bier und Bratwurst auf dem Stadiongelände unter ihre Fans, Freunde und Familien statt sich zu irgendeinem Gala-Dinner bei Schampus und Hummer abzusondern. "Die Jungs wollten sich nicht abschotten, sie sind Teil der großen Hockey-Familie", sagte DHB-Präsident Stephan Abel.

Der Verband hatte durch die zwölf WM-Tage bereits vor dem Endspiel gewonnen. Der Zwei-Millionen-Euro-Etat ist durch den großen Zuschaueransturm gedeckt, über 100 000 Besucher spülten knapp eine Million Euro in die Kassen, 400 000 Euro kamen durch öffentliche Gelder hinein und 600 000 Euro durch Sponsoren. "Die WM hat jede Erwartung übertroffen", strahlte Abel, "wir haben bewiesen, dass man auch als Randsportart ein Top-Event auf die Beine stellen kann." OK-Chef Joachim Hürther brachte die Stimmung im DHB auf den Punkt: "Das war ein Meilenstein unserer Verbandsgeschichte."

© SID

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