Hockey WM
Peters verdrängt Gedanken an seinen Abschied

An seinen Abschied als Hockey-Bundestrainer will Bernhard Peters noch nicht denken. "Ich wünsche mir nichts mehr, als noch einmal einen richtig großen Erfolg zu haben", sagte Peters im sid-Interview vor der Heim-WM.

Abschiedsgedanken verdrängt Deutschlands Hockey-Bundestrainer Bernhard Peters noch. Am Mittwoch starten die Gastgeber und Titelverteidiger in die Heim-WM in Mönchengladbach. "Es geht nur um das Hier und Jetzt im Spitzensport. Es geht nur um den Erfolg", sagte der Coach, der nach 21 Jahren eine neue Herausforderung annimmt, im Interview mit dem Sport-Informations-Dienst (sid).

sid: "Herr Peters, die Weltmeisterschaft ab Mittwoch in Mönchengladbach bedeutet nach 21 Jahren gleichzeitig ihren Abschied vom Deutschen Hockey-Bund (DHB). Sie wechseln im Oktober als Direktor für Sport- und Nachwuchsförderung zum Fußball-Regionalligisten TSG Hoffenheim. Kommen Ihnen schon Abschiedsgedanken?"

Bernhard Peters: "Manchmal denke ich daran, dass es mein letztes großes Hockeyturnier wird. Aber ich verdränge das dann. Es geht nur um das Hier und Jetzt im Spitzensport. Es geht nur um den Erfolg. Meine Gedanken sind vollständig beim Hockey, ich mache ungern halbe Sachen."

sid: "Sie haben bereits nach den Olympischen Spielen 2004 angedeutet, dass sie nicht ewig beim Hockey bleiben wollen. Warum haben sie dennoch einen neuen Vertrag beim DHB unterschrieben?"

Peters: "2004 war die Zeit noch nicht reif für den Wechsel. Ich hatte beim DHB die Chance, als Cheftrainer und im Vorstand in der Führungsetage mitzuarbeiten und für das sportliche Gesamtkonzept verantwortlich zu sein. Das Ziel war zur WM im eigenen Land eine neue Mannschaft aufzubauen. Ich habe mir aber immer vorgenommen, zwischen 45 und 48 Jahren etwas ganz Neues anzufangen und mich neu zu beweisen."

sid: "Im Frühjahr wurden Sie einer großen Öffentlichkeit bekannt, als Jürgen Klinsmann Sie als Sportdirektor beim DFB installieren wollte. Wie sehr schmerzt es Sie, dass Sie abgelehnt wurden?"

Peters: "Ich bin ja nicht aus fachlichen oder persönlichen Gründen abgelehnt worden. Das war keine inhaltliche Entscheidung, sondern eine politische. Ich empfinde es deshalb nicht als Niederlage. Jürgen Klinsmann, Oliver Bierhoff und ich haben wohl auch falsch kommuniziert, was einen Sportdirektor eigentlich ausmacht. Es geht um die konzeptionelle Ausrichtung eines Fachverbandes, wie ich sie fast 20 Jahre beim DHB betrieben habe. Es geht nicht um tägliche Trainingsinhalte. Aber einige haben den Unterschied zwischen Trainer und Sportdirektor nicht verstanden."

sid: "Haben Sie danach ein größeres Interesse an Ihrer Person und Ihren Ideen gespürt?"

Peters: "Ja, durch die Gespräche mit dem DFB habe meine Pläne zu einer beruflichen Veränderung eine andere Dynamik bekommen. Es gab auch andere Anfragen und weitere Möglichkeiten als die aus Hoffenheim. Der DFB möchte auch weiterhin gerne, dass ich als Externer im Sportvorstand mitarbeite. Wie genau muss noch mit Theo Zwanziger, Bierhoff, Joachim Löw und Matthias Sammer besprochen werden. Ich bin dazu jedenfalls bereit."

sid: "Welche Momente sind Ihnen aus ihrer Tätigkeit beim DHB besonders schön in Erinnerung und welche weniger?"

Peters: "Der WM-Sieg 2002 in Malaysia war natürlich ein unglaubliches Erlebnis. Aber auch die Junioren-WM 1993 war für mich überragend schön, weil uns dieser Erfolg nicht zugetraut wurde. Schlimm war es, als der DHB 1998 kurz vor der Pleite stand. Da musste man sich bei den Vorbereitungen und Maßnahmen sehr einschränken und sehr asketisch leben. Heute haben wir dagegen paradiesische Zustände."

sid: "Wie schätzen Sie die Chancen Ihrer Mannschaft bei der WM ein?"

Peters: "Ich wünsche mir nichts mehr, als noch einmal einen richtig großen Erfolg zu haben. Aber es wird ganz eng. Holland, Spanien, Australien sind für mich die Favoriten. Die haben nicht so viel Aderlass nach Athen, sondern jeweils noch 14, 15 Olympiafahrer dabei. Dazu kommen noch Neuseeland und Korea, die ich auch für sehr stark halte. Aber unsere Mannschaft ist wieder näher an die Weltspitze herangekommen. Die Jungs haben sich sehr gut entwickelt, sind stabiler geworden, sie haben viel und inhaltlich sehr gut gearbeitet. Und der Heimvorteil kann eine Rolle spielen. Es wird viel Unterstützung für uns geben. Wenn wir viel Engagement rüberbringen, wird das Publikum uns tragen."

© SID

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