Hockey-WM
Professor Strafecke und die Schuss-Plane

Auf ihn vertrauen sie heute wieder. Christopher Zellers Künste bei Strafecken sind gefordert, wenn die deutsche Hockey-Elf zum entscheidenden Gruppenspiel der WM in Mönchengladbach gegen Südkorea antritt. Es geht für die Mannschaft von Bundestrainer Bernhard Peters um den Einzug in das Halbfinale.

MÖNCHENGLADBACH. Zellers Tore – er hat bisher die meisten deutschen Treffer erzielt – sind gegen Südkorea überraschend bedeutend. Denn gewinnt die Elf aus Asien, ist sie Gruppensieger. Bei einem Unentschieden jedoch ziehen beide Mannschaften ins Halbfinale ein, die favorisierten Niederländer wären draußen. „Mit den Koreanern muss man rechnen“, sagt Kapitän Timo Weß, „läuferisch und kämpferisch waren die schon immer Weltklasse, nur mit der Chancenverwertung haperte es.“ In Mönchengladbach treffen sie plötzlich.

Also ist Christopher Zeller mal wieder gefragt, der bislang immer dann seine Ecken verwandelte, wenn Deutschland aus dem Spiel heraus nicht zum Zuge kam. Eine großartige Leistung, hinter der harte Arbeit steckt. In der Vorbereitung auf große Turniere stehen für Zeller reine Ecken-Trainingslager mit Strafeckencoach Werner Wiedersich auf dem Plan: fünf Einheiten in zwei Tagen, die erste morgens um sechs Uhr, bis zu 800 mal zieht Zeller die Kugel dann in allen Varianten aufs Tor. „Es ist absolut kein Spaß“, sagt der 21-Jährige, „irgendwann tun dir nur noch die Finger weh, du hast keinen Bock mehr und der Werner steht immer noch seelenruhig daneben und gibt Tipps und Ratschläge.“

„Ein guter Schütze muss einen harten und genauen Schuss haben, schnell auf die gegnerische Abwehr reagieren können und vor allem auch unter Druck erfolgreich sein“, sagt der Leipziger Wiedersich. In Zeller hat er einen Spieler gefunden, der die deutsche Tradition starker Eckenschützen fortsetzt. Knapp 50 Varianten habe das deutsche Team auf Lager. Aber das Leben wird schwerer für die Ecken-Trainer und Schützen. Überraschungen gelingen in der Weltspitze nur noch selten. Auch mit den äußeren Bedingungen haben die Experten zu kämpfen. „Man braucht einfach eine Zeit, um sich auf dem Platz zurecht zu finden“, sagt Zeller, „deshalb war es für uns ein Vorteil, dass wir das ganze Jahr darauf trainieren konnten.“

Im Trainingsinstitut in Leipzig warten sonst die „Schuss-Plane“ auf ihn. Durch das Hochziehen von verschiedenen Farben in den Zielbereichen bei der Ecken-Ausführung lernt der Schütze, im letzten Moment die Bewegung des Torwarts und der Abwehr zu lesen und mit einem Schlenzer in die freien Bereiche zu reagieren.

Heute gegen Korea kann sich „Professor Strafecke“ wieder davon überzeugen, ob sich seine Arbeit gelohnt hat. Die besten Eckenschützen, so Wiedersich, zeichnet eine banale Eigenschaft aus: „Sie machen möglichst viele Tore.“ So wie Zeller.

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