Horst Köppel übernimmt vorerst die Nachfolge
Gescheitert nach 167 Tagen

Dick Advocaat hat als Trainer bei Borussia Mönchengladbach aufgegeben: Innerhalb von zwei, drei Jahren wollte er die Borussia in den Uefa-Cup führen. Nach dem zweiten Spiel gegen Mainz am vergangenen Samstag sind sie nun mit 30 Punkten Tabellen-15.

dpa/HB MÖNCHENGLADBACH. Es begann mit einem 1:1 gegen Mainz und es endete mit einem 1:1 gegen Mainz. Doch zwischen den beiden Unentschieden gegen den Aufsteiger lagen Welten - für Borussia Mönchengladbach und seinen Trainer Dick Advocaat. Der eine Punkt zum Einstand in Mainz, wo Meister Bremen zuvor sogar verloren hatte, sollte der Beginn einer neuen Zeitrechnung werden. Innerhalb von zwei, drei Jahren wollte Advocaat die Borussia in den Uefa-Cup führen. Damals, am 6. November 2004, waren die Gladbacher mit 13 Punkten Tabellen-13. Nach dem zweiten Spiel gegen Mainz am vergangenen Samstag sind sie mit 30 Punkten Tabellen-15. Und Advocaat hat als Cheftrainer bei Borussia Mönchengladbach kapituliert.

Der Vertrag mit dem ehemaligen niederländischen Nationaltrainer sollte bis 2007 laufen, doch er wird bereits zum 30. Juni aufgelöst. "Ich glaube, dass ich mit meinem Rücktritt Druck vom Verein und von der Mannschaft nehme und hoffe, damit den Anstoß zu geben, dass Borussia den Klassenerhalt schafft", sagte Advocaat, der auf eine Abfindung verzichtet. "In der aktuellen Situation steht das Wohl des Vereins über allem." Die Nachfolge übernimmt zunächst Horst Köppel, bisher Trainer der Amateure der Borussia.

Köppel war bereits Ende Oktober 2004 nach der vorzeitigen Trennung von Holger Fach als Interimscoach für ein Spiel eingesprungen - mit Erfolg. Die Gladbacher gewannen das Heimspiel gegen den FC Bayern München 2:0, danach musste Köppel allerdings trotzdem für Advocaat Platz machen.

Fach hatte 13 Monate auf der Borussia-Bank gesessen, sein Vorgänger Ewald Lienen war sogar nur sieben Monate im Amt. Advocaat resignierte nun nach exakt 167 Tagen. Fraglich ist, ob diese Trainer-Fehlgriffe auch Konsequenzen für Sportdirektor Christian Hochstätter haben werden, der auch durch seine Einkaufspolitik auf dem Spielermarkt in die Kritik geraten war. "Die Personalie des Sportdirektors wurde nicht diskutiert", sagte Borussias Präsident Rolf Königs gestern zwar, fügte aber hinzu: "Das Schöne am Fußball ist, dass man nach einer Saison immer Bilanz ziehen kann."

In der Winterpause hatte die Borussia auf Advocaats Wunsch für rund 3,5 Millionen Euro sieben neue Spieler gekauft - keiner hat wirklich überzeugt, keiner konnte das Team aus der Abstiegszone führen. Nach zuletzt fünf sieglosen Spielen in Folge trennt den Tabellen-15. nur noch ein Zähler von einem Abstiegsplatz und dem VfL Bochum. Nach dem 1:1 gegen Mainz und Bochums Sieg in Kaiserslautern hat sich die Lage für die Gladbacher weiter verschärft. Schon unmittelbar nach dem Spiel gegen Mainz hatte Advocaat an einen Rücktritt gedacht, konnte aber in einer Krisensitzung mit dem Präsidium davon abgebracht werden. Gestern nun trat er endgültig zurück. "Dick Advocaat hat nicht versagt. Es hat halt nicht ganz zusammengepasst", sagte Königs über die Zusammenarbeit mit dem autoritären, wenig kommunikativen und bei den Fans unbeliebten Advocaat, der Gefallen an seinem Beinamen "Der kleine General fand.

Immer wieder hatte er den Spielern Qualität abgesprochen. Mit ständig veränderten Startformationen, der vorübergehenden Ausmusterung von Stammkräften wie Thomas Broich oder der Strafversetzung des tschechischen Nationalspielers Marek Heinz zu den Amateuren hatte er für eine extrem gespannte Atmosphäre im Team gesorgt. Ein Fan hatte via Internet sogar gedroht, den Trainer im Heimspiel gegen Mainz mit Feuerwerkskörpern zu beschießen. Das ist Advocaat erspart geblieben - das eigene Scheitern nicht.

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