Im Gespräch mit: Kanu-Trainer Capousek
„Koffer packen und abhauen“

Medaillenmacher Josef Capousek ist kurz vor den Sommerspielen als Chinas Kanu-Trainer entlassen worden. Im Handelsblatt-Interview gibt Capousek Auskunft über seine Erfahrungen in China, die Chancen der "roten" Kanuten und die Macht der Armee im chinesischen Spitzensport.

Kurz vor den Olympischen Spielen entlassen zu werden ist für jeden Trainer hart. Verbittert Sie der Rausschmiss der Chinesen?

Ich bin nicht verbittert. Aber ich bin schon sehr enttäuscht von der Entscheidung. Vor allem über die chinesische Presse, die mich nun beschimpft. Unter meiner Leitung seien die Kanuten immer schlechter geworden, heißt es. Und ich hätte nie mit den Sportlern zusammen gegessen - so ein Blödsinn.

Was sagen Sie zur Begründung Ihrer Entlassung, Chinas Kanuten seien nicht reif für Gold?

Absoluter Blödsinn. Zumal es ja absurd ist, da ich nun nicht mal die Chance bekomme, das Wunschziel zu erfüllen. Und die Chinesen haben so viele Kanuten für Olympia qualifiziert wie noch nie zuvor. Das Team hat gute Chancen auf zwei bis drei Medaillen. Der Vierer-Kajak der Männer paddelt erstmals ganz vorne mit und hat aus meiner Sicht echte Goldchancen. Die internationale Fachwelt staunt darüber, nur die chinesischen Funktionäre wollen es nicht sehen.

Bekommen Sie eine Prämie, wenn ein chinesischer Kanute nun doch Gold holt?

Nein, die kassiert mein Nachfolger, ein Funktionär der Armee-Sportgruppe. Mich hat schon überrascht, dass mir so jemand als Cheftrainer folgt. Aber die Armee spielt in China bei vielen Entscheidungen im Sport eine zentrale Rolle. Zudem haben die Provinzen sehr viel macht, manchmal mehr als Peking.

Wie war Ihr Verhältnis zur chinesischen Mannschaft?

Die Arbeit mit den jungen Sportlern hat mir viel Spaß gemacht. Ich hatte deren volles Vertrauen, habe versucht, Ihnen mehr Mitspracherecht und Selbstvertrauen in die eigene Leistung zu geben. Vorher wurde doch nie ein Lob ausgesprochen, gab es keinerlei Erklärungen. Aber nur dass ist man als Sportler mit ganzem Herzen dabei. Die Funktionäre hat mein eher demokratischer Führungsstil aber deutlich gestört.

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