Immer noch kein Ergebnis der Doping-Tests
Untersuchungsausschuss für „rückhaltlose Aufklärung“

Das Österreichische Olympische Komitee (ÖOC) bemüht sich nach Aufdeckung des Doping-Skandals bei den Winterspielen um Schadensbegrenzung, steht aber weiter unter großem Druck.

HB TURIN. "Diese 19 Medaillen verdienen es nicht, mit Doping-Gerüchten beschmutzt zu werden", wetterte Österreichs Innenministerin Liese Prokop am Donnerstag und monierte das Krisenmanagement der Sportfunktionäre ihres Landes in Turin: "Es sind sicher Dummheiten passiert."

Unterdessen ging das Warten auf die Analyse-Resultate der Doping- Tests von zehn österreichischen Biathleten und Langläufern weiter. "Es hat nichts mit PR zu tun, wir haben die Ergebnisse einfach noch nicht", begründete IOC-Sprecherin Giselle Davies. Die Kontrollen waren am vergangenen Samstag parallel zu einer Doping-Razzia in Quartieren der Österreicher veranlasst worden. Die beiden Biathleten Wolfgang Perner und Wolfgang Rottmann sowie Trainer Emil Hoch waren daraufhin aus Italien geflüchtet und hatten den Verdacht genährt.

Nicht ausgeschlossen ist, dass die Doping-Proben negativ sein werden. Da aber in den Räumen von Athleten Geräte zur Bluttransfusion gefunden wurden, wäre eine Überführung und Bestrafung wegen Anwendung von unerlaubten Methoden, die in der Verbotsliste der Welt-Anti- Doping-Agentur (WADA) aufgeführt sind, möglich. ""Es sieht nach einem Fall organisierten Blutdopings aus", erklärte der WADA-Vorsitzende Richard Pound in einem ZDF-Interview. Ein ähnliches Equipment wurde bereits vor den Turin-Spielen bei einer WADA-Kontrolle im Privathaus des Ex-Langlauftrainers Walter Mayer gefunden, der den Skandal auslöste und seit der Blutbeutel-Affäre von 2002 in Salt Lake City von Olympia ausgeschlossen ist.

Das IOC hat unterdessen den Vorwurf zurückgewiesen, Österreich wegen des Skandals unter Druck zu setzen. "Niemand von Seiten des IOC hat das Nationale Olympische Komitee Österreichs unter Druck gesetzt", erklärte Davies, "wir wollen nach wie vor, dass die Sache aufgeklärt wird." ÖOC-Generalsekretär Heinz Jungwirth hatte sich besorgt über die Beziehungen ("Beim IOC braut sich eine Wolke zusammen") geäußert und erstmals den Fund "absolut unerlaubten Equipments" zugegeben. Das IOC begrüßte deshalb, dass das ÖOC einen Untersuchungsausschuss zur Affäre eingerichtet hat. "Dies wird helfen Licht in das Dunkel zu bringen", so Davies. Der zum Chef dieses Gremiums ernannte Dieter Kalt kündigte eine "rückhaltlose Aufklärung" an: "Es geht um das Prestige Österreichs. Leicht wird meine Aufgabe nicht."

Schließlich geht es auch um die Abwendung von Schaden für die Bewerbung Salzburgs um die Olympischen Winterspiele 2014. Das IOC wird darüber auf seiner Session im Sommer 2007 in Guatemala-Stadt entscheiden. "Die beiden Sachen hängen nicht unmittelbar zusammen, man sollte sie nicht vermischen", sagte Davies. Das IOC unterstütze die Kandidatur von Salzburg. "Außerdem hat das Bewerbungskomitee noch einmal versichert, die "Null Toleranz"-Politik des IOC beim Doping zu unterstützen", berichtete sie. Der österreichische Sportstaatssekretär Karl Schweitzer kündigte zudem an, bis Ende 2006 möglicherweise wie in Italien ein Anti-Doping-Gesetz zu entwickeln.

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