Industrie entwickelt immer neue Modelle
Bälle bringen das Geschäft ins Rollen

Ein Golfball muss viel aushalten. Dauernd bekommt er Schläge. Damit er weit und kontrolliert fliegt und weil Golfbälle ein Riesengeschäft sind, entwickelt die Industrie immer neue Modelle.

HB BIRMINGHAM. Niemand weiß genau, wie die Flüsterkampagne begann. Außer, dass ein gewisser Lynn Farquhar, der Manager eines Golfladens in Birmingham im amerikanischen Bundesstaat Alabama, etwas damit zu tun hatte. Und einer seiner Freunde, der auf der Senior PGA Tour als Caddie arbeitet. Der erzählte Farquhar eines Tages, dass ein paar Spieler bei Turnieren mit einem neuen Ball "herumgealbert" hätten. Kurz darauf traf der Geschäftsmann beim Birmingham Invitational den Amateur-Meister von Alabama und ihm fiel auf, dass auch der mit diesem Ball spielte. Und zwar nicht schlecht.

"Ich dachte: Ein Ball, der in der Zwölferpackung 19,99 Dollar kostet und auf dem das Wort ,Lady? steht, das könnte ein richtiger Erfolg werden. Also habe ich meinen Kunden davon erzählt. Und die kamen fast alle wieder und haben gleich eine ganze Schachtel gekauft." Nachdem er selbst eine 64 mit dem Ball verbuchte, war er restlos begeistert: "Der ist wirklich ein Phänomen."

Das kann man wohl sagen. In einem Markt mit einem Volumen von knapp einer Milliarde Euro pro Jahr weltweit (ein Drittel des gesamten Golfausrüsterumsatzes), der von den Industrieriesen Titleist und Callaway und deren Low-Price-Hausmarken wie Pinnacle und Top-Flite dominiert wird, kommt es nur noch selten vor, dass unabhängige Händler und ganz normale Verbraucher die Trends setzen. Stattdessen beherrscht und beeinflusst die Industrie den Geschmack - mit ständig neuen technischen Entwicklungen und unverblümten Werbebotschaften und Behauptungen, die immer das gleiche versprechen: mehr Länge, mehr Gefühl.

Kein Wunder, dass der Hersteller des Precept MC Lady, die honorige japanische Firma Bridgestone, von dem plötzlichen Erfolg überrascht war. Denn den Ball hatten sie gezielt für einen Nischenmarkt entwickelt - für Frauen, deren Schwunggeschwindigkeit gewöhnlich geringer ist als die von Männern und die deshalb einen Ball mit einem weicheren Kern benutzen sollten. Der "Lady" hatte jedoch Eigenschaften, die jeder Spieler zu schätzen weiß: Er sprang in einem höheren Winkel von der Schlagfläche ab, kam gleich zu Beginn auf eine respektable Fluggeschwindigkeit und besaß eine niedrige Spin-Tendenz.

"Wir haben nicht gewusst, dass auch Männer davon profitieren würden", gab Marketing-Chef Chad Hall später zu, nachdem man bei Bridgestone begriffen hatte, dass dem Unternehmen ein ungewöhnlicher Treffer gelungen war: ein Produkt, das sich durch Mund-zu-Mund-Propaganda verkauft. Und das, obwohl sich einige Gebietsvertreter schämten und anfänglich den despektierlich wirkenden Aufdruck "Lady" abgekratzt hatten.

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