Innenminister-Konferenz im Mai
Sicherheitskonzept für die WM 2006 soll überarbeitet werden

Die schweren Ausschreitungen deutscher Hooligans beim Länderspiel in Slowenien werden voraussichtlich Konsequenzen für die Fußball-Weltmeisterschaften 2006 haben.

dpa AMMERBUCH/BERLIN. Diese sollen in das Nationale Sicherheitskonzept einfließen, das im Mai zwischen den Innenministern von Bund und Ländern vereinbart werden soll. Das Konzept könnte bereits im Juni beim Confederations Cup in fünf deutschen Städten getestet werden. Man werde die beim Länderspiel in Celje gewonnenen Erkenntnisse auswerten, erklärte eine Regierungssprecherin am Dienstag in Berlin auf Anfrage. Ein genauer Termin steht für die Mai-Konferenz noch nicht fest. Bund, Länder, das deutsche Organisationskomitee (OK) und der Weltverband FIFA bereiten schon seit längerem das Nationale Sicherheitskonzept vor. Es sieht ein abgestimmtes Verhalten aller Beteiligten vor, das bei der WM zu der umfassendsten Sicherheitsoperation in Deutschland führen wird.

Der CDU-Innenexperte Clemens Binniger forderte in der "Welt" (Mittwoch-Ausgabe), Innenminister Schily (SPD) müsse bereits "in einer der nächsten Sitzungen des Innenausschusses darlegen, wie er konkret der Gefahr von Hooligan-Gewalt begegnen" wolle. OK-Präsident Franz Beckenbauer sagte im "Kicker", man müsse "international besser zusammenarbeiten. Vielleicht waren auch wir zu leichtsinnig, die Gefahr darf nicht unterschätzt werden". Slowenien war über die Anreise deutscher Hooligans vorab informiert worden, hatte jedoch keine besonderen Vorkehrungen ergriffen. Bei den Ausschreitungen am Samstag in Celje waren 45 Deutsche vorübergehend festgenommen worden, fünf stehen unter Anklage.

"Beim WM-OK werden die Vorfälle sehr ernst genommen. Das gilt auch für die Politik", sagte Alfred Sengle, der Sicherheitschef des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). "Das Sicherheitskonzept muss jetzt überprüft werden." Sengle, der auch Vorsitzender des Beirats für Sicherheit beim WM-OK ist, versprach wie zuvor Schily: "Solche Ereignisse wie in diesem Stadion werden sich bei uns nicht wiederholen." Dafür seien in Deutschland entsprechende Vorkehrungen getroffen. Der Jurist aus Ammerbuch hatte in Celje zusammen mit DFB - Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder gewalttätige Zuschauer aus nächster Nähe erlebt. "Es hat nicht viel gefehlt, dass die zugeschlagen hätten", sagte Sengle. "Die Dimension des Hasses kann man nur nachvollziehen, wenn man sie selbst erlebt hat."

Confedarations Cup als Sicherheits-Testlauf

Der DFB-Funktionär betonte aber auch, "dass wir Herrn Schily keine Ratschläge geben müssen". Die Zentrale Informationsstelle Sporteinsätze (ZIS) beim Landeskriminalamt in Düsseldorf und das Bundesinnenministerium, das zur WM ein "Nationales Informations- und Kooperationszentrum" (NICC) einrichtet, verfügten über alle wichtigen Informationen. Beim Confederations Cup vom 15. bis 29. Juni sollen vor allem die Spiele im Frankfurter Waldstadion zu einem Sicherheits- Testlauf werden. Sengle warnte jedoch davor, den Sicherheitsaspekt zu sehr in den Vordergrund zu stellen. "Wir haben ein Fußballturnier und keine Sicherheitsveranstaltung", betonte er. "Es geht darum, Fußballspiele auf sicherer Grundlage durchzuführen."

Gegen einen der deutschen Randalierer von Celje sind bereits Ermittlungen eingeleitet worden. Nach Angaben der Polizei Bochum hatte ein szenekundiger Polizeibeamter den 23-Jährigen auf einem Foto einer überregionalen Tageszeitung erkannt. Der "Fan" des Bundesligisten VfL Bochum aus Emmerich am Niederrhein sei "eindeutig" der Bochumer Ultra-Szene zuzuordnen und sei im Umfeld von Fußballspielen bereits als gewaltbereit polizeilich in Erscheinung getreten, hieß es.

Sengle geht davon aus, dass mehr als 200 gewaltbereite Personen

aus Deutschland zum Länderspiel gereist waren. Diese hätten jedoch nicht zu jenem Kreis gehört, die sich über den DFB insgesamt 750 Karten besorgt hatten. 400 bis 500 Zuschauer seien über die Tageskassen an Karten gekommen. "Slowenien ist ein EU-Staat mit offenen Grenzen", betonte der DFB-Sicherheitschef.

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