Interview
„Der Pferdemarkt in Deutschland pulsiert“

Enno Hempel, Marketing-Experte des größten deutschen Pferdezuchtverbandes Hannoveraner Verband über die Attraktivität des deutschen Pferdemarktes, die bedeutendsten „Player“ im Pferdehandel und das Pferd als Kapitalanlage.

Frage: In welchen Preiskategorien werden Pferde in Deutschland gehandelt? Was kostet ein einfaches Freizeitpferd, was das berühmte Grand-Prix-Pferd?

Hempel: Es gibt den abwehrenden Ausspruch „Ein Pferd ist soviel wert, wie einer bereit ist dafür auszugeben“. Das gehört natürlich mehr in den Bereich der Anekdoten. Die Preisspanne geht bei kleinen vierstelligen Euro-Beträgen los und endet in der Siebenstelligkeit.

Was macht denn ein Pferd so teuer?

Hempel: Die Preiskategorien hängen von sehr vielen Faktoren ab wie Leistungsbeweis, Ausbildungsstand, innere Werte, Gesundheit und Einsatzmöglichkeit sowie Qualität von Typ, Potential und Abstammung, Das gilt für den Freizeitbereich ebenso wie für den Spitzensport.

Gibt es denn überhaupt noch genug und bezahlbare Pferde auch für Freizeitreiter?

Hempel: Der Pferdemarkt in Deutschland pulsiert in erheblichem Maße, für die klassischen Disziplinen Dressur und Springen sind die Pferde immer besser geworden, hier muss der Standard der Basisreiterei nachziehen. Das Angebot ist in passender Weise vorhanden, die Nachfrage wächst noch.

Inwiefern sind da die großen Auktionen der Zuchtverbände Gradmesser für die Preise? Wie kommt man überhaupt zu dem „angemessenen“ oder „marktgerechten“ Preis für ein Pferd?

Hempel: Ich verfolge die Absatzveranstaltungen der Hannoveraner in Vechta seit über 40 Jahren. Die Auktionen haben in der Tat eine Barometer-Funktion. Hier lässt sich die Preisentwicklung mit dem Zuchtfortschritt im Einklang ablesen. Die gefragten Produkte wurden häufiger und besser, so dass bessere Preise und größere Umsätze zu erzielen waren.

Wer sind neben den Zuchtverbänden die bedeutendsten „Player“ im Pferdehandel? Welche Rolle spielen die klassischen Pferdehändler, die Ausbilder, die bekannten Turnierreiter?

Hempel: Die Rolle der Zuchtverbände ist einem gewissen Wandel unterzogen. Während es früher mehr die tierzüchterischen Gralshüter waren, müssen heute unternehmerische und moderne Dienstleistungsgedanken ein größeres Gewicht bekommen. Neben den klassischen Pferdehändlern sind Ausbildungs- und Turnierställe fast ausnahmslos auch Verkaufsställe.

Bekanntlich sind deutsche Pferde im Spitzensport sehr erfolgreich. Immer mehr Ausländer kaufen daher in Deutschland ein. Gibt es da Zahlen über Umfang und Bedeutung des Exportgeschäfts mit deutschen Pferden? Woher kommen die potentesten Kunden?

Hempel: Da kann ich nur Angaben zu den Verdener Auktionen machen. Zur Dollar-Hochzeit Mitte bis Ende der 80er Jahre hatten wir eine Exportquote von gut über 30 Prozent, das ging auf etwa 15 Prozent runter. Der starke und anhaltende Anstieg stammt dann aus den Jahren 1997 und 1998. Dafür sprachen mehrere Faktoren, u. a. unsere Internet-Präsenz. Dabei ist Nord-Amerika beständig der größte Abnehmer-Markt, von hier kommen besonders viele potente Kunden. Seit einigen Jahren folgen die europäischen Reiterländer Spanien, Italien und Frankreich, aber auch Schweden und Dänemark.

Von Spitzenreitern in Deutschland hört man immer häufiger, dass die besten Pferde aus der deutschen Zucht immer mehr von reichen Ausländern aufgekauft werden – weil sie auch die höchsten Preise zahlen.

Hempel: Beim Thema Spitzenpferd muss erneut betont werden, dass für konstante Spitzenleistungen die vollendete Harmonie zwischen Reiter und Pferd vorhanden sein muss. Das Geld kann diese „Chemie“ weder erzeugen noch garantieren. Mit hohen Investitionen ist also nicht automatisch der Erfolg verbunden, das Management gehört dazu, über die genannten „neuen Reichen“ gibt es ja auch schillernde Berichte.

Sorgen denn die „neuen Reichen“ nicht dafür, dass Pferde für nicht so betuchte Spitzenreiter in Deutschland unerschwinglich werden?

Hempel: Insgesamt kann die Pferdeszene über investitionsbereite Personen und Gruppen froh sein; denn so wird die Maschinerie am Rollen gehalten. Genauso wichtig ist es, dass Praktiker die Bodenhaftung nicht verlieren, weil das Pferd als Naturprodukt, Kulturgut und Partner mit Alleinstellungsmerkmal in unserer Gesellschaft über den Wirtschaftsfaktor hinaus nicht als reines Mittel zum Zweck missbraucht werden darf.

Immer häufiger liest und hört man Firmen, die als Geschäftszweck den Kauf und die Haltung von Reitpferden, Zuchthengsten etc. angeben. Die also das Pferd als reine Kapitalanlage betrachten. Kann sich das für einen Anleger rechnen?

Hempel: Bei dem Stichwort Kapitalanlage fallen mir andere Anlagemöglichkeiten schneller ein. Ich habe ein paar Geschäftsmodelle vorgestellt bekommen, die eine Gewinnchance ausgerechnet haben. Ein Gewinn ist mit hohem Risiko bei professioneller Bedienung durchaus möglich. Die Umsätze liegen aber mehr in den Bereichen Industrie und Dienstleistungen. Die Freude, die man mit Pferden haben kann, ist allerdings auf jeden Fall immer wieder jedes Geld wert.

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