Interview: „DFL und DFB müssen Schnitt machen“

Interview
„DFL und DFB müssen Schnitt machen“

Bilanzprofi Karlheinz Küting über die Krise der Liga, geschönte Vereinsbilanzen und die Gefahr von Euphorie.

Herr Küting, in letzter Zeit geraten vermehrt Traditionsvereine verschiedener Sportarten in den Fokus, weil sie in finanzielle Schieflage geraten sind. Warum kommt es zu dieser Häufung?

Dafür gibt es aus meiner Sicht zwei Gründe. Der erste ist der, dass die Bilanzierung der Bundesligavereine nicht mehr zeitgemäß ist. Sie erstellen Vereinsbilanzen, die nur einen Teil der wirklichen finanziellen Situation der Konzerne widerspiegeln. Der zweite Punkt ist der: Man übernimmt sich. Die Klubs gehen von einer Situation aus, in der sie Siege feierten und die Einnahmen flossen. Wenn dann irgendwann die Erfolge ausbleiben, fehlen natürlich auch die Erträge - die Verbindlichkeiten wie Stadionmiete, Spielergehälter und Abschreibungen bleiben. Die Fixkosten sinken also nicht. Und irgendwann ist jedes Eigenkapital aufgezehrt.

Sie haben die Vereine eben mit Konzernen gleichgesetzt. Warum?

Die Bundesligaklubs sind keine Vereine mehr in dem Sinne, wie wir sie kennen. Mit der Professionalisierung sind daraus in den letzten Jahren Wirtschaftsunternehmen geworden.

Auch wenn es der deutschen Wirtschaft nicht glänzend geht, muss es ja nicht grundsätzlich so sein, dass Vereine, in denen mit großen Summen gearbeitet wird, am Rande der Existenz arbeiten. Oder?

Das muss durchaus nicht so sein. Der FC Bayern München zeigt, es geht auch anders. Ich kenne deren Bilanz ebenso wie die von Borussia Dortmund und von Schalke 04. Die Münchener haben eine solide Vereinsführung. Und sie haben über Jahre konstant Erfolg.

Ist das der Grund, warum es ihnen besser geht als anderen?

Um eine positive Bilanz zu erzielen müssen die Ausgaben in einem sinnvollen Verhältnis zu den Ausgaben stehen. Eine wichtige Einnahmequelle sind TV-Gelder, speziell der Champions League. Wenn die wegbrechen, tut es weh.

Halten Sie es also für möglich, dass andere Bundesligaklubs, beispielsweise Werder Bremen nach dem sportlichen Höhenflug in der vergangenen Saison, an ihre finanziellen Grenzen stoßen?

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