Interview
„Erwartet keine Wunder“

Der deutsche Profi-Segler Tim Kröger über sein südafrikanisches Team Shosholoza, die deutsche Kampagne und den neuen America’s Cup.

Herr Kröger, wie sind Sie beim südafrikanischen Team Shosholoza gelandet?

Indem zwei Dinge gleichzeitig passierten: Zum einen war ich mit Shosholozas Sailing Manager Paul Standbridge im Gespräch, mit dem ich 1993/94 auf Intrum Justitia um die Welt gesegelt bin. Wir sind alte Freunde und kennen unsere gegenseitigen seglerischen Fähigkeiten sehr gut. Zum anderen hat sich T-Systems dazu entschlossen, die erste südafrikanische America´s Cup-Kampagne zu unterstützen und war froh, in mir einen guten Botschafter zu finden. Da passte plötzlich alles wie ein Puzzle zusammen.

Sie sind der Boat Captain. Was ist Ihr Job?

Als Boat Captain bin ich für den optimalen Regatta-Zustand der Yacht zuständig. Ich koordiniere die Arbeiten am Boot und bin als Segler sowohl Bindeglied zwischen Crew und Shore-Crew als auch Bindeglied zwischen Crew und Design-Team. Dabei kommt mir vor allem meine seglerische und technische Erfahrung aus 25 Jahren internationalem Regattasport zugute.

Sie segeln in der zweiten Cup-Kampagne. Wieder ist es nach „Le Defi“ eine Kampagne, der kaum eine Chance ausgerechnet wird. Was macht den Reiz aus, an einer unerfahrenen Kampagne teilzuhaben?

Da kommen viele Komponenten zusammen. Zum einen ist es meist so, dass der Teamgeist in kleinen Teams großartig ist. Da man ja mit den Leuten einer Kampagne über zwei, drei Jahre zusammen lebt und arbeitet, ist der Zusammenhalt von großer Bedeutung. Zum anderen macht es mir persönlich viel Spaß, meine Erfahrung an jüngere Segler weiterzugeben. Shosholoza ist das jüngste Team im America´s Cup. Natürlich müssen wir enorm arbeiten, um zu den anderen Teams aufzuschließen, aber auch das hat seinen Reiz. Das Motto „Der Weg ist das Ziel“ trifft es vielleicht am besten. Das bedeutet allerdings nicht, dass wir nicht siegen wollen. Wir brennen darauf. Und ich kann versichern, dass bei uns Siege ganz besonders süß schmecken.

Für Sie läuft es bisher eher bescheiden. Dabei hatte Shosholza als erstes Team ein neues Boot. Wo liegt das Problem? Vielleicht an Eurer oft als zu schwach gescholtenen Afterguard?

Das Projekt Shosholoza ist gerade mal eineinhalb Jahre alt. Vergleichbares hat es in Südafrika nie zuvor gegeben. Wir sind die jüngste Crew mit dem kleinsten Budget, haben quasi mit einer Clubmannschaft und etwas internationaler Verstärkung begonnen. Da kann man nicht gleich Wunder erwarten. Andere Teams sind seit Jahrzehnten im America´s Cup dabei und Segeln ist nun mal ein Erfahrungssport, bei dem man über die Jahre immer besser wird. In Valencia waren wir nach dem Mastbruch und heftigen technischen Problemen froh und stolz, jedes Rennen überhaupt beendet zu haben. In Malmö kam der erste Sieg. Und in Trapani waren es schon mehr Siege. Solange die Kurve so nach oben zeigt, sind wir happy.

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