Interview
In einer Reihe mit Mozart und Red Bull

Die Betandwin-Chefs Manfred Bodner und Norbert Teufelberger über Spielsucht, den deutschen Markt für Sportwetten, ihre ungewöhnliche Führungskonstellation, ihre Pläne für die Auslandsrechte der Fußball-Bundesliga und den steilen Aufstieg ihres Aktienkurses.

Egal ob Banden in Fußballstadien, Werbung im Internet oder Fernseh-Spots – Sportwetten tauchen überall auf. Weshalb ist das Thema gerade jetzt so präsent?

Manfred Bodner: Das Interesse an Wetten war immer da. Sie sind die vielleicht älteste Unterhaltungsform des Menschen - egal ob er um ein Bärenfell in der Höhle wettet, oder in der Kneipe um ein Bier auf das Ergebnis des nächsten Fußballspiels. Risikobereitschaft, In-die-Zukunft-Schauen-wollen – das ist in unserer DNA, es ist eine fundamentale menschliche Disposition.

Die sich aber auch gegen den Menschen richten kann – in Form von Spielsucht.

Manfred Bodner: Alles was verboten ist, ist erst einmal interessant – und kann bei entsprechend konditionierten Personen irgendwann zum Exzess führen. Es stellt sich Frage, wie man den Wunsch nach Wetten inszeniert. Las Vegas ist ein Beispiel für eine gelungene Inszenierung, die den Bedürfnissen des amerikanischen Marktes gerecht wird. Wird das entsprechende Umfeld nicht geboten, so befriedigen Konsumenten ihre Bedürfnisse auf illegale Weise: Sämtliche, im Verborgenen betriebenen Aktivitäten haben in der Regel schädliche Auswirkungen auf unterschiedliche Bereiche der Gesellschaft. Erinnern wir uns an die Alkohol-Prohibition in den USA: Sie war die Basis für die amerikanische Mafia – und Alkoholismus wurde weit verbreiteter denn je.

Die staatlichen Lottogesellschaften mit ihrem Angebot Oddset behaupten, am besten die Spielsucht eindämmen zu können.

Manfred Bodner: Wir können nicht nachvollziehen, inwiefern der Staat seinen gestalterischen Anspruch überhaupt umsetzt. Lottoannahmestellen garantieren ein hohes Ausmaß an Anonymität. Es werden keinerlei persönliche Daten abgefragt, niemanden interessiert, wie viel der einzelne Kunde pro Monat ausgibt – und ob er sich das auch leisten kann. Eine Monopolgesetzgebung, wie wir sie im Sportwettenbereich haben, motiviert den Monopolisten nicht, tatsächlich aktiv an Missständen zu arbeiten. Die staatlichen Lotteriegesellschaften reden viel über moralische Verantwortung. Faktisch machen sie mittelmäßige Werbung für drittklassige Produkte – und das mit hoher Intensität. Gleichzeitig zeigen sie mit dem Finger auf die Konkurrenten und behaupten, diese seien für diverse Missstände verantwortlich. Ein regulierter, privater Markt unter staatlicher Aufsicht wäre für die Konsumenten und das Gemeinwohl die beste Lösung.

Aber was unternimmt denn Betandwin im Kampf gegen die Spielsucht?

Norbert Teufelberger: Wir investieren beispielsweise über 1,4 Million Dollar in ein Forschungsprojekt mit einer der weltweit führenden Universitäten im Bereich der Suchtforschung, der Harvard Medical School. Ziel ist die Entwicklung einer Software, die Spielsucht sehr früh und schnell erkennt. Aus der Forschung wissen wir, dass die größte Beeinflussung eines Spielers durch Selbsttests erreicht wird. Wir haben einen solchen Test bereits heute in unserem Angebot, derzeit muss er kundenseitig aber noch aktiv aufgerufen werden. Noch in diesem Jahr werden wir in der Lage sein, auffälligen Kunden den Test schon während des Spiels proaktiv anbieten zu können.

In Kürze steht beim Bundesverfassungsgericht ein Grundsatzurteil an. Es könnte zur Öffnung des Sportwettenmarktes in Deutschland führen. Was erwarten Sie von den Richtern?

Norbert Teufelberger: Wir möchten die Verfassungsrichter nicht präjudizieren. Wir hoffen auf eine moderne Betrachtungsweise im Sinne des Europäischen Gerichtshofes. Im Grunde gibt es drei mögliche Szenarien: Entweder die Richter sagen: Jeder Inhaber einer Wettlizenz aus einem EU-Land darf auch in den anderen Mitgliedsstaaten anbieten. Oder sie sind der Meinung, der Status Quo ist in Ordnung. Die dritte Möglichkeit wäre die Aufforderung an den Gesetzgeber, Zulassungsmöglichkeiten für private Wettanbieter zu schaffen.

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