Interview mit dem T-Mobile Teamarzt Dr. Lothar Heinrich
Ullrich muss weiter gegen Schmerzen kämpfen

Lance Armstrong „macht keinen Fehler zweimal“. T-Mobile-Teamarzt Dr. Lothar Heinrich macht sich wenig Hoffnung auf eine rasche Genesung Jan Ullrichs, um Lance Armstrong vielleicht doch noch in Gefahr zu bringen.

Nach seinem Sturz ist Jan Ullrich zwar erstaunlich gut durch die Alpen gekommen, hat aber viel Zeit auf den Tour-Führenden Lance Armstrong verloren. Die Verletzungen werden dem T-Mobile-Kapitän auch noch in den Pyrenäen zu schaffen machen, glaubt Dr. Lothar Heinrich von der Uniklinik Freiburg und T-Mobile-Teamarzt im Interview: "Eine Rippenprellung ist nicht in einer Woche auskuriert."

Frage: "Herr Dr. Heinrich, in wieweit hat Jan Ullrich seinen Sturz in den Vogesen auskuriert?"

Dr. Lothar Heinrich: "Eins ist klar, Jan wird die Schmerzen in den Pyrenäen sicher noch spüren. Eine Rippenprellung ist nicht in einer Woche auskuriert. Jeder der so eine Verletzung einmal hatte, weiß wie schmerzhaft das ist. Dabei bin ich erstaunt, wie gut Jan in den Alpen durchgekommen ist."

Frage: "Wie sehr wurde Ullrich denn bei der Bergankunft in Courchevel beeinträchtigt?"

Dr. Heinrich: "Jan ist vergleichsweise schmerz-unempfindlich. Aber im Fernsehen konnte man sehen, dass er Atemprobleme hatte. Im Unterbewusstsein hat sein Körper vermutlich eine Schonatmung praktiziert."

Frage: "Heißt das im Umkehrschluss, dass Ullrich sonst gegen Armstrong gegengehalten hätte?"

Dr. Heinrich: "Nein, realistisch wäre gewesen, dass er mit Basso gefahren wäre." (Anm.: Basso verlor in Courchevel 1:02 Minuten auf Armstrong, Ullrich 2:14)

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Frage: "Was macht noch Hoffnung für die Pyrenäen?"

Dr. Heinrich: "Dass bei Jan die Schmerzen immer weniger werden und dass er sich im Laufe einer Rundfahrt immer steigern kann."

Frage: "Was genau war das Problem bei Alexander Winokurow?"

Dr. Heinrich: "Beim Ruhetag wurde sein Rhythmus unterbrochen. Es gibt Fahrer, die reagieren darauf schlecht. Dann sind die Energiespeicher am Ruhetag zu sehr aufgeladen. Dafür spricht, dass der Puls bei Wino deutlich höher war als üblich. Eine zweite Erklärung kann die Umstellung sein, wenn man von mittelschweren Etappen ins Hochgebirge kommt."

Frage: "Wie ist es zu erklären, dass Lance Armstrong über sieben Jahre bei der Tour konstant seine Leistung bringt?"

Dr. Heinrich: "Das ist Talent, es muss eine genetische Veranlagung sein. Vor seiner Krebserkrankung ist die offenbar ungenutzt geblieben. Ich kenne keinen anderen Fahrer, der in sieben Jahren bei der Tour nahezu keine Schwächen gezeigt hat."

Frage: "Das heißt: Ein Schwächeanfall von Armstrong wie 2003 ist unrealistisch, oder?"

Dr. Heinrich: "Man gewinnt mit jeder Tour an Erfahrung. Lance macht keinen Fehler zweimal. Jan hat auch wenig schwache Tage, aber im Vergleich zu Lance immer noch einen mehr."

© SID

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