Interview mit DGV-Präsident Nothelfer
„Wenn die Murmel fliegt, schlägt der Golfvirus zu“

Weniger Neumitglieder, Nachwuchssorgen, viele Vorurteile – der Golfsport hat zu kämpfen. Zu Unrecht , findet Hans Joachim Nothelfer. Der Verbandschef über den Reiz der kleinen weißen Kugel, Demut und den Ryder Cup.
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Vor mehr als 20 Jahren ist Hans Joachim Nothelfer dem Golfvirus erlegen. Heute ist er Deutschlands oberster Golfer. Der Präsident des Deutschen Golf Verbands (DGV) freut sich auf den Ryder Cup und die Olympischen Spiele 2016, die hoffentlich mehr Menschen für seinen Sport begeistern. Wie er das Nachwuchsproblem im Golf lösen will und welche Vorurteile endgültig überholt sind.

Herr Nothelfer, der Ryder Cup beginnt in einigen Tagen. Werden Sie als Zuschauer dabei sein?
Ich wäre sehr gerne dabei, aber leider schaffe ich es nicht. Ich habe zu viele geschäftliche Termine und wir veranstalten zur gleichen Zeit den DGV Golf Cup, ein Charity-Turnier in Berlin. Natürlich werden wir das mit dem Ryder Cup verbinden und die Spitzenleistungen der Profis bei einem Public Viewing genießen.

Wer holt den Pokal?
Ich drücke natürlich dem europäischen Team und Martin Kaymer kräftig die Daumen. Die Europäer sind meine Favoriten, immerhin starten mit Rory McIlroy, Sergio Garcia, Henrik Stenson und Justin Rose vier der ersten fünf der Golfweltrangliste für uns. Das ist sicher ein leichter Vorteil. Allerdings hat der Ryder Cup seine eigenen Regeln. Trotzdem bin ich optimistisch.

Der Ryder Cup ist für viele alle zwei Jahre der Höhepunkt der Golfsaison. Was macht seinen Reiz aus?
Der Ryder Cup ist einzigartig und er hat eine unglaubliche Historie. Immerhin gibt es das Turnier seit den 1920er-Jahren. Die Emotionen – eher untypisch auf dem Platz – kochen hoch, Spieler und Fans tun ihre Euphorie lautstark kund. Erinnern Sie sich an Bernhard Langers Explosionen beim Ryder Cup? Er war auf der Tour immer hoch konzentriert, ließ sich auch nach Fehlschlägen nichts anmerken. Beim Ryder Cup war dies ganz anders, er zeigte seine Freude über gute Schläge ganz offen.

Der Ryder Cup ist also nicht nur für die Fans etwas ganz Besonderes?
Für die europäischen Spieler ist das Turnier eine besondere Herausforderung. Golfspieler sind Ein-Mann-Unternehmen. Beim Ryder Cup spielen sie im Team und die Europäer spielen gleich für einen ganzen Kontinent, nicht nur für ihr Land wie die Amerikaner. Engländer, Dänen, Deutsche und alle anderen kämpfen gemeinsam um den Sieg, ihre Fans jubeln gemeinsam. Ich erinnere mich noch, wie britische Zuschauer die italienischen Golfprofis und Brüder Francesco und Edoardo Molinari mit lautenstarken Gesängen „Only two Molinaris“ feierten.

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