Interview mit Georg Hackl
„Ich bin EDV-Legastheniker“

Schluss, aus und vorbei: Mit Rennrodler Georg Hackl beendete am Sonntag einer der bekanntesten deutschen Sportler seine Karriere. Im Interview spricht der dreimalige Olympiasieger über seinen letzten Lauf, die geplante Titelverteidugung bei der Wok-WM und seine ausbaufähigen Computerkenntnisse.

Eine einzigartige Rodel-Karriere ist zu Ende. Sind Ihnen beim letzten Rennen noch einmal die Bilder aus den vergangenen 18 Jahren gekommen?


Hackl: "Na, man kann jetzt vieles Revue passieren lassen. Ich bin total relaxt und habe es genossen. Ich habe mich ja mental darauf eingestellt. Was es leicht macht, ist die Tatsache: Man spürt, es ist Zeit, rein physisch. Ich bin froh, wenn ich die früheren Belastungen nicht mehr habe. Ich habe einen ehemaligen Mannschaftskollegen, der ist jetzt Trainer und 15 Jahre jünger als ich. Der jammert jetzt schon immer über seine Rückenschmerzen. Mann, Mann, Mann, ich muss wirklich sagen, was habe ich in all den Jahren ausgehalten."

Ist die Enttäuschung über die verpasste sechste Medaille bei den sechsten Winterspielen noch groß?
Hackl: "Meine Läufe und auch der Schlitten waren wirklich okay. Doch der Start war indiskutabel. Wenn ich hätte schneller sein sollen, dann hätte ich schneller starten müssen."

Keimte nach dem ersten Lauf mit Platz drei noch einmal Hoffnung auf?
Hackl: "Aber natürlich hatte ich die Medaillenhoffnung. Und nach dem ersten Lauf sogar berechtigte Hoffnung. Aber es hat sich dann doch herausgestellt, dass die Weichen anders gestellt waren."

Welche Weichen meinen Sie?
Hackl: "Es war ja ein Heimspiel per exzellence. Gegen einige Sachen habe ich mich auch aufgelehnt und das mit Erfolg. Darauf bin ich auch stolz. Es wurde hier versucht an allen Ecken und Enden, an allen Kleinigkeiten am Rädchen zu drehen, um es für den Gegner schwer zu machen und es für die Heimmannschaft günstig zu gestalten. Da möchte ich nicht ins Detail gehen. Das würde einer, der kein Insider ist, überhaupt nicht verstehen. Ich aber kenne die Umstände und weiß, wie dieses Wettkampfergebnis zu Stande gekommen ist."

Werden Sie nun als Rodel-Funktionär diese Sachen anpacken?
Hackl: "Na klar, ich bin mir sicher, dass ich einen sehr fruchtbaren Beitrag leisten könnte im internationalen Rodel-Verband. Ich kenne die Umstände sehr, sehr gut. Ich kenne die Probleme, ich weiß, wo es hakt."

Welche Pläne haben sie noch?
Hackl: "Ich habe noch einen Titel zu verteidigen, bei der Wok-WM. Am 24. April beginnt dann die Trainer-Akademie in Köln."

Überall zieht und schmerzt es am Körper, legen Sie sich jetzt auf die faule Haut?
Hackl: "Ich werde jetzt abtrainieren, ich habe die Tourenski hier mit dabei. Ich habe mit meiner Akkreditierung Zugang zu den Skipisten und werde jeden Morgen meine Trainingseinheiten absolvieren. Aber ich muss mich auch um meine Rodelkollegen kümmern."

Sie haben unzählige Stunden in der Werkstatt oder in der Eisrinne verbracht. Was machen Sie jetzt mit der ganzen Zeit - gibt es ein neues Hobby?
Hackl: "Nein, nein, nein, ich habe massive Defizite in einem ganz wichtigen Bereich, der für mich jetzt wichtig werden wird. Ich bin EDV-Legastheniker, ich habe noch nie einen Computer bedient, das muss ich jetzt lernen."

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