Interview mit Michael Rösch: „Da habe ich die Dinger eben rausgerotzt“

Interview mit Michael Rösch
„Da habe ich die Dinger eben rausgerotzt“

Der jüngste im deutschen Goldteam hat sich als sicherste Bank erwiesen: Michael Rösch glänzte bei der Biathlon-Staffel der Herren mit einer tollen Laufleistung und zehn sicheren Schüssen. Im Interview verrät er, warum der Laptop vor dem Rennen so wichtig war und warum er unbedingt den Blumenstrauß der Siegerehrung sichern muss.

Sie haben als Einziger des Quartetts keinen Nachlader benötigt und waren Schnellster des Tages. Fühlen Sie sich mit 22 Jahren als Vater des Sieges?

"Nein, es gewinnen oder verlieren immer alle vier zusammen. Heute war halt mal der Jüngste der Schnellste. Dass wir trotz der einen Strafrunde noch vorn waren, ist der blanke Wahnsinn."

War das extrem schnelle Schießen kein zu hohes Risiko?

"Die Trainer haben mir vorher gesagt, dass ich mit einer Portion Frechheit rangehen und versuchen soll, die Konkurrenz unter Druck zu setzen. Da habe ich die Dinger eben rausgerotzt. Das schnelle Schießen trainiere ich das ganze Jahr. Damit will ich die Konkurrenz unter Druck setzen. Außerdem kann man zehn bis zwölf Sekunden gut machen, die man nicht herauslaufen muss."

Einer der ersten Gratulanten im Ziel war Ole Einar Björndalen. Was war das für ein Gefühl?

"Ein sensationell gutes, denn er war lange Zeit mein Vorbild. Und eine große Anerkennung, zumal die Norweger heute wieder leer ausgegangen sind. Aber dass Ole gratuliert, ist nicht ungewöhnlich. Er macht das eigentlich immer, ist ein fairer Sportsmann. Schön ist es trotzdem noch, wenn man vor ihm liegt."

Waren Sie vor dem Rennen nervöser als sonst?

"So nervös war ich noch nie. Ich bin rumgehüpft wie die Sau, von links nach rechts gerannt, habe lauter sinnlose Sachen gemacht. Zuversicht hat aber der Laptop gegeben."

Wieso der Laptop?

"Wir haben auf dem Laptop eine Reaktionsübung. Da war ich sehr gut drauf, hat's prima geklappt. Das gab Selbstvertrauen."

Nach dem Start im Einzelrennen mussten Sie zwei Wettkämpfe zuschauen. Wie hart war das?

"Es hat schon weh getan, denn der Kampf Mann gegen Mann im Verfolger ist mein Ding. Aber sicher war es eine richtige Entscheidung. Als mir der Bundestrainer den Staffelstart ankündigte, ist mir ein großer Stein vom Herzen gefallen. Auch meinem Vater, der jeden Tag angerufen und gefragt hat, wann ich wieder laufe. Vor einem Jahr war Olympia für mich so weit weg - und jetzt habe ich Vater bereits überholt, der Silber und Bronze von 1980 zu Hause hat. Jetzt ist unser Medaillensatz komplett."

Wen grüßen Sie, wenn Sie ihren Ring küssen?

"Meine Freundin Julia. In sechs Tagen sind wir ein Jahr zusammen. Für sie muss ich auch den Blumenstrauß von der Siegerehrung heil heim bringen. Sie hat ihn bei Sven Fischers Sieg gesehen und mir gestern eine SMS geschickt, dass sie auch so einen will. Den habe ich ja nun."

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