Interview mit Silke Kraushaar: Den Dreifachsieg vor Augen

Interview mit Silke Kraushaar
Den Dreifachsieg vor Augen

Es sind definitiv die letzten Winterspiele für Silke Kraushaar, aber sie will sich ihren Abschied von der olympischen Bühne nochmals vergolden. Im Handelsblatt-Interview verrät die deutsche Spitzenrodlerin, was den Wettkampf so schwierig macht.

Handelsblatt: Frau Kraushaar, wie groß ist der Druck einen Tag vor dem Wettbewerb?

Kraushaar: Ich bin schon ein wenig angespannt, aber das ist auch nötig, um auf so einer schweren Bahn voll konzentriert zu sein.

Was macht die Bahn so schwer?

Sie ist die schnellste und gefährlichste überhaupt. Deshalb schafft man fast nie einen fehlerfreien Lauf.

Und die Männer haben gesagt, die Bahn sei ziemlich schmutzig...

Das stimmt, weil es drum herum so matschig ist. Und wenn Arbeiter oder Trainer auf die Bahn gehen, dann haben sie den Dreck an den Schuhen. Das ist nicht optimal für uns.

Warum nicht?

Wenn wir darüber fahren, kommen Kratzer in die Kufen. Das kann auch mal richtig bremsen, zum Beispiel wenn man über einen Stein fährt. Und dann müssen wir wieder stundenlang an dem Schlitten arbeiten, ihn schleifen, um die Kratzer wieder herauszukriegen.

Wie kommen Sie denn insgesamt mit der Bahn zurecht?

Die ersten Tage hatte ich schon ein bisschen Anpassungsschwierigkeiten, ich hatte noch nicht ganz das richtige Material und die richtige Abstimmung gefunden. Das haben wir aber bis zum Abschlusstraining beseitigt...

...das sie dominiert haben, genau wie den Weltcup. Sehen Sie sich als Topfavoritin?

Wann waren die Deutschen eigentlich nicht die Favoriten (lacht)? Aber nein, als Topfavoritin sehe ich mich eigentlich nicht, weil Olympia mit der Saison, die wir gerade hinter uns haben, nichts zu tun hat. Ich denke mal, dass Sylke Otto hier ein gewaltiges Wörtchen bei der Entscheidung mitreden wird. Sie ist Titelverteidigerin und hat den Weltcup auf dieser Bahn gewonnen.

Dann ist da auch noch Tatjana Hüfner. Gibt es einen Dreifachsieg?

So wie wir Deutschen die vergangenen Saisons gefahren sind, können wir es alle drei auf das Podium schaffen. Aber hier liegt eine Nacht zwischen den vier Läufen, was ungewöhnlich für uns ist. Da muss man erst einmal ruhig schlafen. Außerdem hatten wir auf dieser Bahn so wenige Trainingsläufe wie noch nie bei Olympia.

Wen haben Sie sonst noch auf der Rechnung?

Die Italienerin Anasta-sia Oberstolz ist eine ganz, ganz starke Konkurrentin, die in unser Dreiergespann einbrechen kann. Natalía Jakuschenko und Veronika Halder standen in diesem Jahr auch schon öfter auf dem Podest. Und auf dieser Bahn rückt durch die Fehlerquote alles noch enger zusammen.

Sie sind jetzt 35 Jahre alt. Hören Sie auf, wenn Sie die Goldmedaille gewinnen?

Erst mal muss ich den Olympiasieg haben. Es sind auf jeden Fall meine letzten Spiele, das steht fest. Aber so lange ich in der Weltspitze mitfahren kann, sehe ich keinen Grund, Schluss zu machen.

Am Dienstagabend sind für Sie die Wettkämpfe schon vorbei. Was machen Sie dann?

Ich hoffe, dass ich erst einmal kräftig feiern kann (lacht). Dann bleibe ich bis zum Schluss und mache die Abschlussveranstaltung mit. Und dazwischen genieße ich die Olympischen Spiele und schaue mir jeden Wettkampf an, den ich schaffe.

Ralf Drescher
Ralf Drescher
Handelsblatt.com / Teamleiter Finanzen (bis 29.2.2012)
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