Interview
Von Typen, Marken und Sponsoren

NOK-Chef Klaus Steinbach, Olympiasieger Markus Wasmeier und Mathias Lenz von der Warsteiner-Brauere über Sponsoring und die Motivation dafür, das Olympiaschutzgesetz, die Notwendigkeit der Erarbeitung neuer Konzepte der Nachwuchsförderung und die Medaillenambitionen des deutschen Olympiateams.

Handelsblatt: Herr Steinbach, Sie waren in den siebziger Jahren der erfolgreichste deutsche Schwimmer, Sie haben Medaillen bei Olympia in München und Montreal gewonnen. Hat sich das für Sie finanziell gelohnt?

Steinbach: Wir waren damals reine Amateure. Ein Sportler durfte nach den Regeln des Weltschwimmverbandes pro Jahr nicht mehr als 360 Schweizer Franken in Form von Preisen annehmen. Wenn man in Italien zum Beispiel einen Wettbewerb gewann und einen großen Pokal bekommen sollte, dann hätte man den eigentlich zurückgeben müssen.

Sponsoren hatten Sie auch nicht?

Steinbach: Nein, man konnte nicht einfach einen Werbevertrag unterschreiben und weiter seinen Leistungssport betreiben. Als Mark Spitz zum Beispiel in München sieben Goldmedaillen gewann und danach seine ersten Werbeverträge unterschrieb, verlor er das Startrecht für die Schwimmwettbewerbe. Er beendete damit seine Karriere, das war ihm aber auch bewusst. Heute ist das anders ...

Wasmeier: Ja, in der Tat. Bei Olympischen Spielen ist es inzwischen so, dass die Sportler zum Teil die Symbole ihrer Sponsoren überkleben müssen, weil die keine Olympiapartner sind. Wenn sie mit einem falschen Logo an den Start gehen, können sie disqualifiziert werden. Dabei bist Du als Sportler so konzentriert, dass Du womöglich vergisst, etwas abzukleben, oder das Ding geht ab, weil es zu kalt ist.

Herr Lenz, für Sponsoren ist das ein heikles Thema?

Lenz: Es ist für uns die Herausforderung, dass wir nicht immer nur unser Logo platzieren, sondern bei der Förderung des Spitzensports dabei sind, Verantwortung übernehmen und uns ganz bewusst auch dem olympischen Gedanken verschrieben haben.

Wann geht der olympische Gedanke Sponsoren zuweit?

Steinbach: Es ist entscheidend, ob es einem Wirtschaftspartner nur darum geht, sein Logo möglichst häufig in den Vordergrund zu stellen, oder ob er eine gewisse Ethik und Ideale verfolgt. Es muss im Endergebnis immer ein Zugewinn für unsere Athleten sein, und zwar nicht nur ein materieller, sondern auch ein ideeller. Wir suchen uns unsere Partner sehr gewissenhaft aus. Nicht jeder, der mit Geld winkt, wird automatisch unser Wirtschaftspartner.

Und wer kein Partner ist, kann von Olympia nicht profitieren ...

Steinbach: Richtig. Das Olympiaschutzgesetz regelt das unmissverständlich und schützt unsere Partner vor Missbrauch.

Lenz: Die Warsteiner-Brauerei musste im Jahr 2004 eine empfindliche Strafe zahlen, weil wir das Thema Olympia im Handel thematisiert hatten, ohne Olympiapartner zu sein.

Wasmeier: Das entscheidende ist, dass durch dieses Gesetz klar vorgegeben ist, wo Gelder fließen. In der Gesellschaft wird alles teurer, gleiches gilt auch für den Sport. Zu meiner Zeit hat es noch ehrenamtliche Trainer gegeben. Nicht mal in den Vereinen arbeiten Trainer heute noch so. Du findest in der Gesellschaft nur noch wenige, die sich aufopfern, um einen Sportler zu unterstützen. Hinzu kommen Probleme in der Schule oder beim Arbeitgeber. Dass eine Firma seine Mitarbeiter heute für Wettkämpfe freistellt, findet man nur noch selten.

Steinbach: Deshalb sind Bund und Länder auch ein so enorm wichtiger Förderer des Leistungssports. Im Olympia-Team sind von den 162 nominierten Sportlern, 45 Prozent beruflich bei den Sportförderkompanien des Bundes, 16 Prozent bei der Bundespolizei und beim Zoll abgesichert.

Wasmeier: Das ist gut, reicht aber noch nicht. Wenn man in Deutschland Medaillen und Erfolge haben will, muss man schon an der Basis Jugendliche und Schüler motivieren, damit wir bald wieder alle gemeinsam jubeln können.

Steinbach: Deshalb haben wir ja auch die Entscheidung getroffen, NOK und Deutschem Sportbund zum Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) zu fusionieren, um den Wert des Sports zu steigern, und zwar nicht nur den des Leistungssports.

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