Interview zum Fall Armstrong
„Nicht zu dopen, lohnt sich nicht“

Lance Armstrong hat alles verloren, seine Siege, seine Ehre. Dennoch: Das Risiko, beim Dopen aufzufliegen, kalkulieren Sportler ein. Der Nutzen bleibt für sie höher als der Schaden, sagt Sportökonom Frank Daumann.
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Die UCI hat gerade den siebenmaligen Tour-de-France-Sieger Lance Armstrong lebenslang für den Radsport gesperrt und ihm alle Titel aberkannt. Damit ist der Internationale Radsportverband der US-Anti-Dopingagentur Usada gefolgt, die Armstrong vorwirft, das „ausgeklügelste, professionellste und erfolgreichste Dopingprogramm, das der Sport jemals gesehen hat“, auf die Beine gestellt zu haben. Ist denn wenigstens das ein Titel für die Ewigkeit?

Frank Daumann: Es ist ein fragwürdiger Titel, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass er ihn lebenslang halten wird. Es wird weiter professionell gedopt werden.

Selbst dieses Urteil wird also das Doping im Sport nicht eindämmen?

Nein, denn so lange es im Radsport und auch in vielen anderen Sportarten so starke Anreize gibt zu dopen, wird das nicht aufhören. Dafür sind die Siegprämien zu hoch dotiert und Erfolge sind mit zu viel Prestige verbunden. Außerdem ist es für Sportler, die einmal in einem Dopingsystem involviert sind, schwer, da wieder herauszukommen.

Heißt das, dass Strafandrohungen generell nicht wirken?

Wenn man als Sportler einkalkuliert, am Ende aufzufliegen, schrecken Strafen nicht mehr ab. Wer abgeklärt genug ist, macht sich ein paar schöne Jahre, ist erfolgreich, verdient jede Menge Geld und wird am Ende seiner Karriere gesperrt. Damit kann man umgehen.

Sollten nicht drohende Gesundheitsschäden abschrecken?

Da muss man differenzieren – nicht jedes Dopingmittel ist medizinisch problematisch. Anderseits werden zukünftige Gesundheitsschäden von den Athleten meist unterschätzt. Davon abgesehen ist der juristische Umgang mit Doping weltweit unterschiedlich. In Deutschland wird vom Staat nur derjenige verurteilt, der das Dopingmittel zur Verfügung stellt. Der Sportler wird allenfalls vom Verband bestraft.

Können moralische Einwände das Problem verringern?

Unter moralischen Gesichtspunkten gibt es keine eindeutige Antwort. Sicher, wer Barbiturate oder Betablocker nimmt, der dopt. Aber es gibt keine trennscharfe Dopingdefinition: Sind besondere Ernährungsformen Doping? Sind Nahrungsergänzungsmittel Doping, die einem Sportler helfen, im Wettkampf verlorene Salze schneller zu regenerieren? Als Sportler lässt sich darüber hinaus auch ganz anders argumentieren: Wenn ich nicht dope, dann tun es eben andere. Ich bin also schlau, wenn ich Mittel einnehme.

Ist das ein klassisches Gefangenendilemma?

Genau. Das soll nicht heißen, dass ausnahmslos alle Sportler dopen. Aber das Gefangenendilemma liefert eine logische Argumentation für das Doping.

Kommentare zu " Interview zum Fall Armstrong: „Nicht zu dopen, lohnt sich nicht“"

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  • und die Amateuren würden es nicht anders machen.
    In jeder Sportart in jeder Leistungsklasse wird versucht seine Leistung zu steigern.

    Sei es mit Aspirin vorm Spiel, Kreatin...etc

  • etzt werden Juri Ramchenkov nachträglich 12 Tour Siege zugesprochen. Alle vor ihm platzierten Profis waren gedopt. Er lebt verarmt in Sibirien mit seiner Mutter, einer Kuh, einem Schwein und acht Hühnern. Bei seinen 12 Tour Teilnahmen waren seine Platzierung zwischen 87 und 128. Mit dem rückwirkend ausgezahlten Preisgeld von 9,31 Trillionen Dollar inklusive Zins und Zinseszins will er Griechenland kaufen, und seiner Mutter einen Fernseher. Die Welt ist doch gerecht!

  • Ist doch alles quatsch. Ein Profisportler in Endurance Sportarten muss dopen wenn er gewinnen will, so einfach ist das. Anderen Taetigkeiten nachgehen kann er nicht weil das Niveau so hoch ist, dass nur Profis eine Chance haben. Schuld sind die Sponsoren und das viele Geld. Meiner Meinung nach dopen alle die in der Spitzengruppe sind weil ihnen nichts anderes uebrig bleibt. Wenn man das aendern will, dann muss die Olympiade und viele andere Events halt wieder auf Amatuere beschraenkt werden und gut. So wie es ist frisst das System seine Kinder. Weg mit dem Sportsponsoring !!

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