Interview zur Olympia-Bewerbung
„Es geht schließlich um Milliardensummen“

Hamburg braucht für Olympia viel Geld vom Bund, mehr als sechs Milliarden Euro. Bisher sind die nicht sicher. Warum die Vorsitzende des Sportausschusses Dagmar Freitag beim Thema Kostenübernahme zurückhaltend bleibt.

Dagmar Freitag ist derzeit in Berlin eine gefragte Gesprächspartnerin. Die studierte Lehrerin und SPD-Politikerin aus dem Sauerland hat den Vorsitz im Sportausschuss des Bundestags – und ringt um eine Haltung zu den aktuellen Skandalen im organisierten Sport.

Der Bund ist neben dem Sportbund DOSB, der Hansestadt Hamburg und der dortigen Handelskammer an der Bewerbungsgesellschaft für die Sommerspiele 2024 beteiligt – anders als bei den früheren, gescheiterten deutschen Olympia-Vorstößen. Dennoch gibt es derzeit keine Einigung zwischen der Stadt Hamburg und dem Bund über den Kostenplan.

Der Hamburger Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) will nur 1,2 Milliarden Euro der vorgesehenen Steuerzuschüsse von insgesamt 7,4 Milliarden Euro zuschießen, der Rest soll aus Berlin kommen. Die Bundesregierung habe Hamburg klar signalisiert, dass sie Kosten für die langfristige Stadtentwicklung nicht übernehmen will, heißt es dagegen in der Hauptstadt.

Denn: Hamburg plant nachhaltige Spiele und will daher aus dem Olympiagelände in der Nachnutzung einen neuen Stadtteil mitten im Hafen machen. Das ist eines der Hauptargumente der lokalen Olympia-Befürworter.

Am 29. November stimmen die Hamburger über die Olympia-Bewerbung ab. Briefwahlunterlagen sind bereits an alle Wahlberechtigten verschickt worden. Die Beteiligung lag bis diesen Mittwoch bei 18,1 Prozent. Bei der Abstimmung ist eine einfache Mehrheit erforderlich, außerdem müssten 20 Prozent der Wahlberechtigten für Olympia votieren, damit die Stadt ihre Bewerbung um die Sommerspiele 2024 weiter verfolgt.

Frau Freitag, momentan macht der organisierte Sport immer neue Negativ-Schlagzeilen. Ist das der richtige Zeitpunkt für eine deutsche Olympia-Bewerbung?
Die Skandale – von der Fifa über den DFB bis hin zur russischen Leichtathletik – sind hässlich, keine Frage. Aber Olympische Spiele sind die großartigste Idee, die es im Sport gibt. Sie stehen für die Idee des friedlichen und fairen Wettkampfs von Sportlerinnen und Sportlern aus aller Welt. Das sollten wir uns nicht nehmen lassen. Auch wenn wir 2015 leider einmal mehr viele unappetitliche Seiten des Spitzensports kennengelernt haben.

Dennoch hält sich die Bundespolitik mit Unterstützung vor dem Hamburger Olympia-Referendum, das Ende November ansteht, auffallend zurück...
Das sehe ich nicht so. Die Bundesregierung hat sich nach meiner Wahrnehmung eindeutig zur Hamburger Bewerbung bekannt. Und der Sportausschuss des Bundestages hat bereits in Hamburg getagt und sich umfassend über die geplanten Wettkampfstätten auf dem Kleinen Grasbrook und das Olympische Dorf informiert. Persönlich bin ich nicht erst seitdem ein Fan des Hamburger Konzepts.

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„Gleich zu Beginn mit realistischen Kosten planen“

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