Italien-Rundfahrt
Ullrich sieht Giro als Vorbereitung für die Tour

Die Tour der Leiden geht für Jan Ullrich auch beim 89. Giro d'Italia weiter. Bei seinem zweiten Saisonrennen nach der Tour de Romandie will der nach einer Kniereizung verspätet in die Saison gestartete T-Mobile-Kapitän weiter an seiner Form für die am 1. Juli beginnende Frankreich-Rundfahrt feilen.

HB LÜTTICH. Ab Samstag warten wie zuletzt in der Westschweiz wieder schwere Stunden auf den 32- Jährigen, der nach 2001 zum zweiten Mal am Giro-Start steht. Insgesamt sind vom Prolog in Lüttich bis zum Ziel am 28. Mai in Mailand auf insgesamt 3526 Kilometern 22 500 Höhenmeter zu überwinden. Das sind drei Mal so viel wie zuletzt in der Romandie, wo ein zwangsläufig außer Form fahrender Ullrich in der Endabrechnung 49:59 Minuten auf den Sieger Cadel Evans verloren hatte. Diese Quälerei nannte Team-Manager Olaf Ludwig zu Recht „Hardcore-Programm“.

Vorsorglich gab Ullrich am Mittwoch auf seiner Homepage seine geplante Giro-Marschroute bekannt und kündigte gedrosseltes Tempo an. Er müsse wegen der knapp überwundenen Krankheit weiter einen Trainingsrückstand aufholen: „Für die Tour de France sollte das kein Problem sein, wohl aber für den Giro, den ich als Vorbereitung fahren will.“

Sein Mentor Rudy Pevenage erwartet ausgerechnet in der letzten, schwierigsten Woche der Rundfahrt einen deutlichen Anstieg des Leistungsvermögens seines Schützlings: „So war es bei seiner ersten Teilnahme auch, als er zwei Mal sogar um den Etappensieg mitfuhr.“ Ludwig hegt keine großen Erwartungen: „Es geht nur darum, weitere, harte Wettkampf-Kilometer zu sammeln. Der Tour-Feinschliff erfolgt nach dem Giro.“ Gerolsteiner setzt in erster Linie auf Davide Rebellin und Stefan Schumacher.

Im Vorjahr bekam die neue ProTour-Regelung dem Giro sehr gut. Diesmal droht wieder eine internationale italienische Meisterschaft. Mit Ivan Basso, Damiano Cunego (Sieger 2004), Gilberto Simoni (2001/2002), dem vorjährigen ProTour-Gewinner Danilo di Luca und Titelverteidiger Paolo Savoldelli (2003/2005) kommen die Topfavoriten ausschließlich aus Italien.

Auf den Flachetappen muss der einheimische Alessandro Petacchi (bisher 19 Giro-Etappenerfolge) wahrscheinlich nur Robbie McEwen (Australien) fürchten. In seinem Milram-Team fährt der „Rund um Köln“-Sieger Christian Knees als einziger Deutscher. Basso peilt mit Hilfe des Berliners Jens Voigt sogar das Double, Giro- und Toursieg, an. Das gelang zuletzt dem im Februar 2004 gestorbenen Marco Pantani 1998.

Der Start in Lüttich, Heimatstadt von etwa 200 000 italienischen Arbeitnehmern, und die ersten drei Etappen in Belgien sorgen für internationales Flair – aber auch böses Blut zu Hause. „Das ist kein Giro d'Italia mehr“, murren selbst Angestellte des Veranstalters RSC, der mit Auslandsstarts dem Marketing-Vorbild der Tour de France folgt. Die Fahrer sind ebenso wenig begeistert, weil beim Parforceritt über mehr als drei Wochen und häufigen Transfers Zeit zur Regeneration verloren geht. Der Giro kehrt erst am fünften Tag mit dem Team-Zeitfahren über 38 Kilometer in Piacenza heim.

Besonders die letzte Giro-Woche ist etwas für ganz Hartgesottene. Wie im Vorjahr am Colle Finestre wartet auf dem Weg zum Kronplatz in den Dolomiten nach einer 17 Kilometer langen, bis zu 24 Prozent steilen Schlusssteigung wieder eine Schotterpiste. Sie verspricht dramatische Fernsehbilder, die an verblichene Fausto Coppi-Zeiten erinnern. Simoni inspizierte die Schlüsselstelle im Spätsommer noch vor dem Schneefall mit dem Rad, Cunego kam wenig später nur noch mit dem Geländewagen voran. Er warnte die Konkurrenz vor der 16. Etappe: „Unglaublich, die Steigung. Eine Kleinigkeit reicht, und Du verlierst dort den Giro.“

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