Italiener starb am 18. Juli 1995
Tour-Fahrer gedenken Fabio Casartelli

Genau an der Stelle, an der der Italiener Fabio Casartelli am 18. Juli 1995 tödlich verunglückte, wollen die Fahrer der Tour de France am Sonntag im stillen Gedenken verweilen.

HB MONTPELLIER. Das Wetter ist sonnig, das Tempo zu Beginn der Etappe im Peleton nicht besonders hoch. Bei besten Voraussetzungen nehmen die Fahrer antriebslos die Abfahrt vom Col du Portet d'Aspet in Angriff. Noch herrscht lockerer Plauderton, noch halten sich alle Fahrer zurück. Wenig später ist es mit der Radsport-Idylle vorbei: Zu Beginn der Abfahrt kommt es bei Tempo 80 in einer Linkskurve zu einem Massensturz. Zusammengekrümmt liegt Fabio Casartelli, der mit dem Kopf an einen Begrenzungspfeiler aus Beton schlägt, in einer Blutlache. Nur wenig später erliegt er seinen schweren Verletzungen.

Casartelli wird nur 24 Jahre alt, hinterlässt seine Frau und seinen zwei Monate alten Sohn. Die Bilder vom sterbenden Italiener erschütterten am 18. Juli 1995 die Radwelt. Fast auf den Tag genau zehn Jahre danach passiert die Tour am Sonntag in den Pyrenäen bei Kilometer 89 die Unglücksstelle. Ein Moment, der vor allem Lance Armstrong nahe gehen wird. "Das wird eine schwere Prüfung für mich. Der Tod vom Fabio geht mir nach wie vor sehr nahe."

Noch immer lassen ihn die Gedanken an seinen damaligen Mitstreiter aus dem Team Motorola nicht los. Während der Etappe erfuhr er damals über Funk vom Tod seines Gefährten. "Wir mussten die Etappe zu Ende fahren, auch wenn wir vom Schock wie gelähmt waren", schrieb der Amerikaner in seinem Buch "Tour des Lebens".

Ähnlich schwer fallen Udo Bölts die Erinnerungen. "Keiner im Feld hat mehr gesprochen", sagt der ehemalige Telekom-Profi. Der ebenfalls in den Sturz verwickelte Johan Museeuw bricht im Ziel weinend zusammen. Für großen Unmut sorgt die Entscheidung der Tour-Direktion, die Etappe fortzusetzen. Wild jubelnd fährt der scheinbar unwissende Richard Virenque als erster über die Ziellinie, der zuvor informierte Tour-Chef Jean-Marie Leblanc im Begleitwagen kreidebleich hinterher.

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