Jubiläumstag für schwedische Tennis-Legende
Björn Borg feiert seinen 50. Geburtstag

Während in Paris die Stars der heutigen Tennis-Generation derzeit der gelben Filzkugel nachjagen, feiert ein Held der Vergangenheit heute seinen 50. Geburtstag: der fünfmalige Wimbledon-Sieger Björn Borg. Von 1976 bis 1980 blieb der Schwede mit den von einem Stirnband gebändigten langen blonden Haaren an der Londoner Church Road ungeschlagen, bis ihn der New Yorker Heißsporn John Mcenroe 1981 nach 41 Siegen in Folge in der Tennis-Kathedrale entthronte.

Zwei Monate später beendete John Mcenroe de facto auch Björn Borgs Karriere. Nach der Niederlage gegen "Mac the Brat" im Finale der US Open in New York gewann der Schwede nur noch zwei Matches. Als er in der Qualifikation für das Turnier in Las Vegas am 26. April 1982 an Dick Stockton scheiterte, zog sich Borg kurzerhand für den Rest des Jahres zurück und ließ seinen Trainer und väterlichen Freund Lennart Bergelin am 23. Januar 1983 den Rücktritt ankündigen.

Comebackversuche scheiterten

Am 31. März 1983 beendete Borg nach der Zweitrunden-Niederlage gegen einen 19-jährige Franzosen namens Henri Leconte in Monte Carlo seine Karriere, die ihn in nur fünf Jahren sportlich unsterblich gemacht hatte. Halbherzige Comeback-Versuche 1984 (in Stuttgart), 1991, 1992 (u.a. in München) und 1993 gaben die einstige Nummer eins der Welt fast schon der Lächerlichkeit preis, am Ende standen 13 Niederlagen in 13 Matches. Es war ein unwürdiger Abgang des Mannes, der seinen Sport revolutionierte und es danach nicht schaffte, im richtigen Leben Fuß zu fassen.

Björn Rune Borg, geboren am 6. Juni 1956, war fünf Jahre alt, als sein Vater bei einem Tischtennis-Turnier einen Tennisschläger gewann und ihn seinem kleinen Sohn schenkte. Acht Jahre später hatte dieser in Schweden fast keine Gegner mehr, er gewann mühelos gegen U18-Spieler und hatte mit seinem auffälligen Stil schon bald das Interesse von Schwedens Daviscup-Teamchef Lennart Bergelin geweckt, der ihn später durch die gesamte Karriere begleitete.

Björn Borg war auf seinen O-Beinen extrem schnell, und er hielt den Schläger wie noch kein anderer vor ihm. Während bis dahin für Vor- und Rückhand der gleiche Griff üblich war ("Shake-Hand-Griff"), hielt Borg das Racket bei Vorhandschlägen ("Western Style") ganz anders als bei der Rückhand ("Eastern Style"). Die schlug er beidhändig, wie den Schlagschuss im Eishockey, das er als Kind ebenfalls mit Begeisterung gespielt hatte.

Spiel von der Grundlinie

Borg bevorzugte das Spiel von der Grundlinie, am Netz fühlte er sich mit seiner eigenartigen Vorhand nicht ganz so wohl. Seine große Stärke war die Gelassenheit, mit der er in endlosen Ballwechseln auf den Fehler seines Gegners wartete.

Dennoch residierte er wie ein König auf dem schnellen Rasen von Wimbledon, lange bevor ihn ein gewisser Boris Becker 1985 als jüngster Sieger aller Zeiten in der Statistik ablöste. Fast schon logisch war es, dass Borg mit seinem Stil sechsmal die French Open gewann und als bisher einziger Spieler dreimal hintereinander das Double in Paris und Wimbledon schaffte.

Privat weniger erfolgreich

Nach der Karriere gelang Björn Borg so gut wie gar nichts mehr. Seine erste Ehe mit der rumänischen Tennisspielerin Mariana Simionescu scheiterte, ebenso die Verbindung mit dem schwedischen Model Jannike Björling, die mit einem erbitterten und öffentlich ausgetragenen Streit um das Sorgerecht für den gemeinsamen Sohn Robin (geb. 1985) endete. Ende der Achtziger Jahre lebte er mit der italienischen Sängerin Loredana Berte zusammen, Gerüchte über einen Selbstmordversuch machten die Runde. Mittlerweile ist Borg mit der schwedischen Immobilienmaklerin Patricia Östfeldt verheiratet.

Seine Versuche als Geschäftsmann in der Modebranche scheiterten kläglich und trieben ihn in den finanziellen Ruin. Hinzu kam Ärger mit den rigiden schwedischen Finanzbehörden. Obwohl sein Vermögen bei seinem Rücktritt auf etwa 80 Mill. Dollar geschätzt wurde, meldete Borg 1996 in seinem Heimatland Konkurs an.

Wie es derzeit wirtschaftlich um ihn bestellt ist, darüber gibt es sehr unterschiedliche Angaben. Allzu rosig scheint es jedoch nach wie vor nicht zu sein, denn kürzlich hatte er noch in Erwägung gezogen, seine fünf Wimbledon-Trophäen versteigern zu lassen.

Die Pokale sollten am 21. Juni im Londoner Auktionshaus Bonham´s ebenso unter den Hammer kommen wie die beiden Holzschläger, mit denen Björn Borg die Endspiele 1976 gegen Ilie Nastase und 1980 gegen John Mcenroe gewonnen hatte. Der "Eisborg" wollte mit dem auf umgerechnet 440 000 Euro geschätzten Erlös seine Familie langfristig finanziell absichern, entschied sich aber dann doch anders: "Ich habe gemerkt, wie eng diese Dinge mit meinem Leben verknüpft sind." Und so ein Leben lässt sich eben nicht so einfach versteigern.

© SID

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