Jutta Kleinschmidt
Auf Sand gebaut

Der mauretanische Sand ist weich, noch weicher als beim letzten Mal. 15-mal hat Jutta Kleinschmidt ihr Auto freischaufeln müssen, immer wieder hat sie die Sandbleche unter die Antriebsräder wuchten müssen, damit die Wüste ihr Gefährt wieder freigibt. Ewig hat sie für diese bloß 20 Meter gebraucht. An diesem Tag hat sie die Rallye Dakar verloren.

HB DAKAR. Es ist Januar, es ist Dakar, zum 28. Mal. Nach der bislang schwersten Etappe ist die Karawane in Nouakchott angekommen. 240 Motorräder, 188 Autos, 80 LKWs und 240 Servicefahrzeuge haben die Hälfte der 9043 Kilometer hinter sich gebracht. 2500 Menschen verbringen die Nacht in einem Biwak, das so groß ist wie vier Fußballfelder. Am Rande der Sahara, abgeschirmt von den bitterarmen Einheimischen hinter einer zwei Meter hohen Betonmauer.

Stacheldraht und Maschinengewehre bilden die Szenerie davor. Es schmeckt nach Sand. Diesel- und Benzingeruch liegt in der Luft, und die Klänge von Generatoren, Flugzeugturbinen und startenden Helikoptern wollen nicht mehr aus den Ohren. Das nennt man Ruhetag in der mauretanischen Hauptstadt.

Und es ist Krisensitzung bei Volkswagen. Zwar hat VW im dritten Jahr bei der härtesten Rallye der Welt schon drei Etappen gewinnen können. Der Race Touareg 2 ist besser geworden. Und doch haben Kleinschmidt und Co. kaum noch Chancen, den ersten Sieg für die Wolfsburger seit 1980 einzufahren.

Über eine Stunde liegt Jutta Kleinschmidt nach der ersten Dünenetappe zurück. „Die Dünen sind das große Problem. Du stehst in der Wüste und musst dich entscheiden, ob du links oder rechts fährst. Und links war falsch“, sagt die 43-Jährige, die im Biwak alle nur Jutta nennen.

Sie hadert vor allem mit den Organisatoren, weil diese die Navigationsregeln geändert haben. Auf jeder Etappe müssen die Fahrer vom Veranstalter gesetzte Wegpunkte ansteuern. Die Richtung dorthin wird 2006 allerdings nicht mehr auf dem GPS-System des Beifahrers angezeigt.

Bis auf 200 Meter müssen sich die Rennfahrer den Wegmarken nähern, nur dann erhalten sie die nächste Wegmarke. Und wer einen Punkt verfehlt, bekommt saftige Zeitstrafen. „So verkommt Navigation zum Glücksspiel“, sagt Kleinschmidt.

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