Kampf um Aufmerksamkeit
Basketballer erhalten Nachhilfe in Marketing

Eigentlich könnte Thomas Braumann entspannt in die Zukunft blicken. Jahr für Jahr stellt die Basketball Bundesliga neue Zuschauerrekorde auf. Trotzdem ist deren Präsident nicht zufrieden mit der erzielten Aufmerksamkeit. Eine Dachmarke und Vermartungsexperten bei jedem Bundesliga-Klub sollen das künftig ändern.

MÜNCHEN. „Regional sind wir super aufgestellt und haben volle Hallen. National finden wir aber zu wenig Beachtung“, klagt der Präsident der Basketball Bundesliga (BBL) Thomas Braumann. Deshalb geht die Klub-Vereinigung jetzt in die Offensive. Ein neues Markenzeichen, ein frischer Werbeslogan und wenn möglich noch ein Liga-Sponsor sollen die Sportart aus ihrem Nischendasein befreien.

Christoph Burmann von der Universität Bremen hat ein Jahr lang im Auftrag der BBL untersucht, warum die meisten Deutschen kein Interesse am hiesigen Profi-Basketball zeigen. Sein Ergebnis: „Die Liga hat ein Vermittlungsproblem: Wer nicht hingeht, kann sich gar nicht vorstellen, was da für ein Spektakel geboten wird“, erklärt der Professor für innovatives Markenmanagement. Das liege unter anderem daran, dass die überregionalen Medien kaum über die Korbsportart berichten. Es gebe allerdings auch hausgemachte Defizite, sagt der Experte. „Die Verantwortlichen wissen, dass sie etwas tun müssen. Bis jetzt sind sie aber noch nicht mit Nachdruck tätig geworden.“

Das soll sich ändern. In diesen Tagen machen sich Liga-Führung und Klubs daran, ein Konzept für eine Dachmarke auszuarbeiten, die mehr Aufmerksamkeit bringen soll. Die BBL lässt das Logo überarbeiten und einen Werbeslogan entwickeln. Auch eine einheitliche Hymne könnte es geben. Den neuen Markenauftritt sollen Vereine und BBL offensiv nach außen tragen. „Erste Schritte werden wir in der neuen Saison gehen, die im Oktober beginnt“, verspricht Liga-Präsident Braumann. Ziel sei es, künftig deutlich mehr Menschen zu erreichen. Das soll den Sport für TV-Sender attraktiv machen, was den Klubs wiederum mehr Geld bescheren könnte.

Basketball spielt in Deutschland in der Öffentlichkeit bislang kaum eine Rolle. Ausnahme sind die Spielorte der 18 Bundesligisten, wo die lokalen Zeitungen, Radiostationen und TV-Sender berichten. Ein Vergleich verdeutlicht die Defizite: In der gesamten vergangenen Saison besuchten knapp 1,3 Millionen Zuschauer die Begegnungen der ersten Liga. Doch in den Stadien der Fußball-Bundesliga begleiteten allein den Auftaktspieltag mehr als 330 000 Zuschauer. Auch im Fernsehen sind die Korbjäger kaum vertreten. „Es zählt nur Fußball, allenfalls die Formel 1 lässt sich noch gut vermarkten“, sagt ein Sportrechtehändler in München, der nicht genannt werden möchte.

Erstmals hat die BBL nun in allen 18 Vereinen Experten installiert: Jeder Klub braucht in der nächsten Saison einen Marketingverantwortlichen. Das Konzept soll in Grundzügen bis zum Frühjahr stehen. Nach Ansicht von Stephan Schusser, Vorstand der Unternehmensberatung Keylens, ist es dann wichtig, die neue Dachmarke konsequent einzusetzen. Sie müsse überall zu sehen und zu erleben sein – von der Werbung über die Hallen bis hin zu den Spielern und Funktionären. Zudem sei die BBL gut beraten, über mehrere Jahre daran festzuhalten: „Nichts ist schlimmer als die permanente Veränderung eines Markenkonzepts.“

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