Kampfsport Amateure und Profis boxen sich gemeinsam durch

Bisher machte jeder seins. Jetzt wollen Amateure und Profis im Boxen gemeinsame Wege beschreiten. Kooperation statt Konfrontation. Wie soll das gehen?
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Artem Harutyunyan bleibt der letzte APB-Weltmeister. Foto: Michael Kappeler Quelle: dpa
Artem Harutyunyan

Artem Harutyunyan bleibt der letzte APB-Weltmeister. Foto: Michael Kappeler

(Foto: dpa)

Hamburg„Wir wollen uns gegenseitig unterstützen, Synergien nutzen”, sagt Michael Müller, Sportdirektor des Deutschen Boxsport-Verbandes (DBV). „Die Trennung ist nicht mehr zeitgemäß. Wir werden alle von gemeinsamen Strategien profitieren. Wir sind in sehr guten Gesprächen”, ergänzt Frederick Ness, Geschäftsführer im Sauerland-Stall.

Das beinhaltet gemeinsame Kampfabende von Profis und Amateuren, Aushilfe der Amateurtrainer bei den Profis, gemischtes Training an Bundesstützpunkten, gemeinsame Ranglisten und Olympia-Qualifikation, Wechsel von Profis zu den Amateuren und wieder zurück. „Jetzt ist alles möglich. Die Hürden sind weg”, sagt DBV-Präsident Jürgen Kyas.

Die größten Fights
Platz 12: Wladimir Klitschko vs. Aleksander Povetkin
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Keine zwei Jahre ist es her, als Wladimir Klitschko den Russen Aleksander Povetkin (in Russland!) einstimmig nach Punkten besiegt hatte. Klitschko hat sich seine Reise nach Russland teuer bezahlen lassen. Der russische Immobilien-Tycoon Andrej Ryabinsky hat den Ukrainer mit einer Kampfbörse von rund 17,4 Millionen Dollar gelockt. So viel Geld hatte Klitschko noch nie für einen Kampf erhalten. Mit dieser Kampfbörse belegt der Schwergewichtsweltmeister aller Klassen aber noch nicht einmal einen Platz in den Top10.

Platz 11: Lennox Lewis vs. Mike Tyson
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Als Mike Tyson gegen den Briten und damaligen Boxweltmeister Lennox Lewis in den Ring stieg, waren seine besten Zeiten bereits lange vorbei. Tyson, der bis dahin als stärkster und am spektakulärsten kämpfender Schwergewichtsboxer galt, verlor seine Linie, nachdem sein Ziehvater und damaliger Trainer Cus D'Amato verstarb. D'Amato hat mit Tyson seinen „Peek-a-boo-Boxstil“ perfektioniert. Nach seinem Tod 1985 kam Tyson 1989 unter die Fittiche des Boxpromoters Don King, der aus Tyson ein Vermarktungsobjekt gemacht hat. Tyson konnte während der Zeit bei Don King nie wieder an seine alten Leistungen anknüpfen. Als er 2002 gegen Lewis im Ring antrat, war er absolut chancenlos. Dennoch wurde beiden für den Kampf jeweils 17,5 Millionen Dollar aufs Konto überwiesen.

Platz 10: Mike Tyson vs. Michael Spinks
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Knapp 13 Jahre vor dem Kampf gegen Lennox Lewis galt Mike Tyson als unbestrittener Herrscher des Schwergewichtsboxens. In 34 Profikämpfen hat er 30 seiner Gegner vorzeitig auf die Bretter geschickt, viele in der ersten Runde. Michael Spinks war der letzte auf der Liste, der Tyson bedrohlich werden konnte. Doch als der Gong zur ersten Runde erklang, sollte Spinks nicht länger als 91 Sekunden auf seinen Beinen stehen bleiben. Mit einer beeindruckenden Dominanz schlug der damals 21-jährige Tyson den zehn Jahre älteren Spinks K.O. Der Kampf galt zu der Zeit als einer der teuersten überhaupt. Tyson erhielt 22 Millionen Dollar, Spinks 13 Millionen.

Platz 9: Manny Pacquiao vs. Juan Manuel Marquez
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Manny Pacquiao stieg am 8. Dezember 2012 zum fünften Mal gegen Juan Manuel Marquez in den Ring. Vier Mal hatte der Philippino zuvor gegen den Mexikaner gewonnen. Doch im fünften Duell reichte ein kleiner Fehler Pacquiaos in der sechsten Runde, um den Kampf durch Knockout zu verlieren. Zuvor hatte er den Kampf klar dominiert. Trotz der Niederlage hat sich der Kampf für Pacquiao ausgezahlt. Er erhielt rund 26 Millionen Dollar. Sein Rivale wurde mit sechs Millionen Dollar bezahlt.

Platz 8: Mike Tyson vs. Frank Bruno
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Frank Bruno konnte Mike Tyson am 16. März 1996 noch durch technischen K.O. besiegen. Doch nach seinem Gefängnisaufenthalt wegen Vergewaltigung und der Trennung von seinem alten Umfeld beziehungsweise der Betreuung durch den Box-Promoter Don King zeigte Tyson nicht mehr die gewohnte Dominanz. Bereits der Kampf gegen Bruno, für den er 30 Millionen Dollar erhielt, verdeutlichte, dass „Iron-Mike“ nicht mehr an seine alten Leistungen anknüpfen konnte.

Platz 7: Floyd Mayweather vs. Miguel Cotto
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Nach seinem Sieg gegen Oscar de la Hoya nahm Floyd Mayweather den Posten des bestverdienenden Boxers ein. Für den Kampf gegen Miguel Cotto am 5. Mai 2012, den Mayweather einstimmig nach Punkten für sich entschied, erhielt er eine Kampfbörse von 32 Millionen Dollar. Nimmt man die Werbe- und Pay-Per-View-Einnahmen hinzu, betrugen Mayweathers Einnahmen satte 45 Millionen Dollar.

Platz 6: Floyd Mayweather vs. Robert Guerrero
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Für den Kampf gegen Robert Guerrero bekam Floyd Mayweather zwar wieder 32 Millionen Dollar (Guerrero erhielt drei Millionen Dollar), allerdings erntete er vom Publikum zahlreiche Buhrufe. Während Guerrero die ersten drei Runden spektakulär für sich entschied, holte sich Mayweather mit einer zähen und defensiven Taktik die restlichen Runden. Vielen Zuschauern war er Auftritt des Weltmeisters schlicht zu langweilig.

Grünes Licht gibt die AIBA. Der Weltverband der Amateurboxer ist zur Erkenntnis gekommen, dass mit Abschottung und Daumenschrauben keine Fortschritte zu erzielen sind. Das historische Angebot, erstmals Profi-Boxer an Olympischen Spielen teilnehmen zu lassen, war im ersten Anlauf gescheitert. 2016 vor Rio hatten die Berufsboxer bis auf drei Ausnahmen das Angebot ausgeschlagen.

Für Tokio 2020 wird umgeschichtet. „Bedingungen wird es nicht mehr geben: keine Altersgrenze, keine Höchstzahl von Profikämpfen, nichts. Alle können zur Qualifikation”, betont Müller. Dafür müssten die Profis Anfang 2019 vom 12- in den 3-Runden-Rhythmus der Amateure zurückkehren, um wettbewerbsfähig zu sein. Das wird für die Berufsboxer ein finanzielles Problem, das beide Lager klären müssen.

Kürzlich sind sechs Amateure zu den Profis abgewandert. Normalerweise löst das einen Aufschrei aus. Diesmal herrscht Ruhe. „Es gab keine Abwerbungen. Wir haben es mit Sportlern und dem Sauerland-Stall besprochen, zu dem fünf Boxer gewechselt sind. Natürlich waren einige sauer auf uns, weil sie nicht zu Olympia fahren konnten”, berichtet Müller.

Weil nach dem neuen Leistungssportkonzept von 65 Förderstellen für die Boxer nur noch 30 übrig bleiben, brauchen die Amateure neue Wege. „Wir setzen für Tokio 2020 auf einen jungen Perspektivkader mit hohem Entwicklungspotenzial”, sagt DBV-Präsident Kyas. Aber: Ex-Amateure und Neu-Profis wie der WM-Dritte und EM-Zweite Araik Marutjan alias Raiko Löwe sind weiterhin für Olympia 2020 im Rennen.

Die größten Boxer aller Zeiten
Mayweather vs. Pacquiao
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Es ist der teuerste Boxkampf aller Zeiten. Wenn am 2. Mai Manny Pacquiao (rechts) den Weltmeister Floyd Mayweather herausfordert, werden alle Grenzen gesprengt. Die Kampfbörse beläuft sich auf 200 Millionen Dollar. 120 Millionen gehen an Mayweather, Pacquiao erhält 80 Millionen Dollar. Im nicht-regulären Ticket-Vorverkauf müssen für Sitzplätze in der ersten Reihe 100.000 Dollar bezahlt werden. Solche Summen wurden beim Boxen noch nie bewegt.

Floyd Mayweather Jr. und Manny Pacquiao
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Wie Pacquiao-Manager Bob Arum mitteilte, werden durch die etwas mehr als 15.000 Eintrittskarten insgesamt 74 Millionen Dollar (68 Millionen Euro) eingenommen. Das sind 54 Millionen Dollar (49 Millionen Euro) mehr als die bisherige Bestmarke aus dem im September 2013 ausgetragenen Fight zwischen Mayweather und dem Mexikaner Canelo Alvarez.

Mayweather spricht
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Die Gesamteinnahmen des Duells zwischen WBA- und WBC-Champion Mayweather und WBO-Titelträger Pacquiao könnten mehr als 400 Millionen Dollar (366 Millionen Euro) betragen. Die Veranstalter hoffen, allein durch die angestrebten drei Millionen Abos im Bezahlfernsehen 300 Millionen Dollar zu generieren. Doch ob der Kampf auch so großartig wird wie einige andere? Eine Auswahl ...

Floyd Mayweather vs. Ricky Hatton
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Am 8. Dezember 2007 stieg der Brite Ricky Hatton, bis dato unbesiegt, gegen Floyd Mayweather in den Ring. Mayweather galt nicht als Puncher, sondern eher als Defensiv-Künstler. Direkt in Runde eins brachte Hatton den Amerikaner in Bedrängnis. Mit einem linken Jab traf er Mayweather, der daraufhin das Gleichgewicht verlor, jedoch nicht zu Boden ging. Der Schlag rüttelte den Amerikaner auf, der punktgenaue Treffer gegen Hatton landete. Im Verlauf wurde Hatton immer wilder in seinen Aktionen und vernachlässigte seine eigene Deckung, was ihm in Runde zehn zum Verhängnis wurde. Er lief geradewegs in Mayweathers Linke rein, woraufhin er zu Boden ging.

Manny Pacquiao vs. Ricky Hatton
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Von diesem Schlag hat sich Ricky Hatton nie wieder richtig erholen können. Am 2. Mai 2009 traf der Brite auf Manny Pacquiao. In der letzten Minute der ersten Runde erwischte er Hatton mit einem Seitwärtshaken, in den der Brite, ähnlich wie beim Kampf gegen Mayweather, hineinlief. Gegen Ende der Runde überrannte Pacquiao Hatton mit einem Schlaghagel, wobei der Brite wieder zu Boden ging, allerdings schnell wieder auf die Beine kam. Am Ende der zweiten Runde erwischte Pacquiao den aus Manchester stammenden Boxer mit voller Wucht am Kinn. Er ging schwer K.O. ging und musste ärztlich versorgt werden.

Muhammad Ali vs. Joe Frazier
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Die drei Duelle zwischen Muhammad Ali und Joe Frazier sind in die Boxgeschichte eingegangen. Vor allem der „Thriller in Manila“: Frazier, der Ali seinen ersten Niederschlag und seine erste Niederlage bescherte, musste nach 14 Runden aufgrund eines zugeschwollenen Auges aufgeben. Der Kampf fand unter inakzeptablen Bedingungen statt. Die Hitze und die Luftfeuchtigkeit verlangte den Kämpfern alles ab. Frazier konnte in den letzten Runden nur noch mithilfe von Riechsalz bei Bewusstsein gehalten werden. Nachdem Ali den Kampf gewonnen hatte, erlitt er noch im Boxring einen Kreislaufkollaps.

George Foreman vs. Muhammad Ali
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Im „Rumble in the Jungle“ hatte Muhammad Ali die wohl beste boxstrategische Leistung aller Zeiten gezeigt. Mit der „Rope-a-Dope-Taktik“ nahm Ali dem damals als unbesiegbar geltenden George Foreman die stärkste Waffe ab – seine Schlaghärte. In den Seilen hängend pendelte er so gut wie alle Jabs und Geraden aus, die Foreman setzte. Die wirkungslosen Schläge setzten gleichzeitig Foremans Kondition zu. Kurz vor dem Ende der achten Runde überraschte Ali Foreman dann mit zwei überfallartigen Links-rechts-Kombinationen. Der sichtlich überraschte Foreman hatte den Schlägen nichts mehr entgegenzusetzen.

Vor diesem Hintergrund hat die AIBA ihre Profisparte APB aufgegeben, die den etablierten Berufsverbänden ein Dorn im Auge war. Das geschah nicht freiwillig. Ein Profi des Amateurverbandes kassierte für einen Titelkampf bis zu 20 000 Euro. Das Geld kam aus der Privatschatulle asiatischer Milliardäre. Ein chinesischer Geschäftsmann soll 30 Millionen Dollar investiert haben. Weil aber erhoffte TV-Verträge und Gewinne ausblieben, drehten die ungeduldigen Gönner schon nach anderthalb Jahren den Hahn zu.

Somit ist der Olympia-Dritte Artem Harutyunyan letzter APB-Weltmeister im Halbweltergewicht bis 64 Kilogramm. „Der Titel ist historisch. Er geht als ungeschlagener Champion in die Geschichte ein”, sagt Müller. Harutyunyan wäre eigentlich auch einer für die Profis. Er soll aber das Aushängeschild für die Amateur-WM im Sommer in Hamburg sein. Zudem ist seine Gewichtsklasse bei den Profis schwer zu vermarkten. Das könnte Harutyunyan – ein Mann mit Profil und interessanter Vita – aber ändern.

Letzte APB-Weltmeister

Resultate Olympische Spiele 2016

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