Kanada im Frauen-Eishockey-Finale gewarnt
Schweden hoffen auf ein weiteres Eiswunder

Das Halbfinal-Aus von Weltmeister USA kann fast als sporthistorisch bezeichnet werden. Damit ist Schwedens Frauen-Eishockey-Wunder nahezu perfekt. Doch auf dem Weg zu Gold scheint es eine unüberwindbare Hürde zu geben.

HB TURIN. Olympiasieger Kanada ist am Montag, 20.35 Uhr, in Turin hoher Favorit im ersten großen Endspiel mit europäischer Beteiligung. Kanadas Fahnenträgerin Danielle Goyette zollte den Schwedinnen zwar Respekt, meinte nach dem 8:1-Kantersieg über den WM-Dritten in der Vorrunde aber: "Man will nicht gegen eine Mannschaft spielen, gegen die das Toreschießen leicht fällt."

Das dürfte Schwedens Trainer Peter Elander gern hören, dessen Spielerinnen mit dem 3:2 nach Penaltyschießen gegen die USA für den größten Favoritensturz im Frauen-Eishockey gesorgt hatten. Während der Olympia-Vorbereitung hatte Psychologe Elander mit seinen Schützlingen immer wieder "Miracle On Ice" angeschaut. Verfilmt ist darin der 4:3-Triumph der US-College-Boys über die scheinbar übermächtige sowjetische "Sbornaja" 1980 in Lake Placid - der bisher größte Außenseiter-Erfolg der Eishockey-Geschichte. Eine mögliche Unterschätzung auch durch Kanada käme den Schwedinnen gerade recht.

Dort spielen ebenso wie in Finnland, das den Amerikanerinnen zuvor gern Bronze streitig machen würde, nur etwa 2500 Frauen Eishockey. In Kanada sind es dagegen 65 000, in den USA 50 000. Eine nordamerikanische Frauen-Eishockey-Profiliga, analog zum Basketball, ist laut NHL-Vizechef Bill Daly derzeit aber noch kein Thema. In allen anderen international vertretenen Nationen bewegen sich die Zahlen der Aktiven nur im dreistelligen Bereich.

Das Eis-Wunder von Turin soll daher für einen neuen Schub sorgen. "Das ist die großartigste Sache, die dem Frauen-Eishockey passieren konnte - nicht nur in Schweden", stellte die überragende Torhüterin Kim Martin fest, nachdem zu Beginn der Winterspiele wegen zweistelliger Resultate noch über den olympischen Status diskutiert wurde. "Ich werde dafür kämpfen, es im Programm zu behalten", betonte sogar der Präsident des Eishockey-Weltverbandes, René Fasel. Nach zwei Olympia-Endspielen und neun WM-Finals, in denen seit 1990 die USA jeweils einmal gegen die dominierenden Kanadierinnen gewannen, braucht sich auch der Schweizer nun noch weniger Sorgen zu machen.

Die deutsche Auswahl will zum Turnier-Abschluss erstmals bei Olympia den fünften Platz erreichen. Vier Jahre nach dem 0:5 gegen Russland in Salt Lake City gibt es am Montag eine Revanche. "Da ist noch etwas gut zu machen", sagt Kapitän Christina Oswald. "Wenn wir diese Chance nutzen, sind wir alle glücklich." Ungemach droht in der Heimat indes US-Coach Ben Smith: Er hatte auf die jahrelang beste Spielerin Cammi Granato verzichtet. Seine Schützlinge wussten in Turin nicht, wie es bei einem Unentschieden weitergeht.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%