Kanu National
Fischer: "Es wird kein Comeback geben"

Die achtfache Olympiasiegerin Birgit Fischer hat ihre Karriere beendet. Im sid-Interview spricht die Ausnahme-Kanutin über die Gründe für den Abschied und ihre Zukunftspläne.

Ausnahme-Kanutin Birgit Fischer hat ihre Karriere und damit den Traum von einer siebten Teilnahme an Olympischen Spielen beendet. Im Interview mit dem Sport-Informations-Dienst (sid) äußert sich die erfolgreichste deutsche Athletin der Olympia-Geschichte zum Abschied vom Hochleistungssport und den Plänen für die Zukunft.

sid: "Ihre Entscheidung ist gefallen, Frau Fischer. Nach acht Mal Gold bei sechs Olympischen Spielen wird es ein halbes Jahr vor Peking keine Rückkehr ins Nationaltrikot geben ..."

Birgit Fischer: "Mein Entschluss, Peking nicht anzusteuern, ist endgültig. Es wird auch kein Comeback in den nächsten Jahren geben. Ich habe mir das reiflich überlegt. Und ich habe es mir nicht einfach gemacht. Es ist immer schwer, Abschied von etwas zu nehmen, das einem viel bedeutet hat. Rückblickend kann ich sagen: Ich hatte eine wunderschöne Sportzeit."

sid: "Welche Überlegungen führten zu diesem Schritt?"

Fischer: "Diese Entscheidung wollte ich ja schon Ende August 2007 treffen, habe sie mehrfach verschoben. In der Zwischenzeit habe ich zwar gut trainiert, aber das wurde immer wieder für zwei, drei Tage unterbrochen, weil das Geschäftliche, das ich mir über Jahre aufgebaut habe, laufen muss. Und dann wurde ich zuletzt öfter gestoppt, weil der Teich zugefroren war ..."

sid: "Wie gut oder schlecht waren andere Bedingungen, die wichtig sind für ein solches Comeback - zum beispielsweise finanzielle Gesichtspunkte?"

Fischer: "Ich hatte zwar Sponsoren, die mich ausreichend unterstützt hätten, doch ich wollte nicht ihr Geld nehmen ohne die Sicherheit zu fühlen, wieder erfolgreich sein zu können. Ich bin ein Mensch, der auch gut sein will, wenn er antritt."

sid: "Wie stand der Deutsche Kanu-Verband dem Comeback seiner Vorzeige-Athletin gegenüber?"

Fischer: "Im Deutschen Kanu-Verband hat man mich zu früh abgehakt. Man wollte durch mich auch keinen neuen Stress. Das mit dem DKV war keine Liebesbeziehung. Ich hätte den Herren in Peking gern noch mal was gezeigt. Zuletzt hatte ich nur noch sporadisch Kontakt zu Bundestrainer Reiner Kießler. Ich werde dem Verband in den nächsten Tagen brieflich meine endgültige Entscheidung mitteilen."

sid: "Wie wäre Ihre Ausgangsposition für das Comeback im Vergleich zu 2004 gewesen?"

Fischer: "Vor Athen war die deutsche Konkurrenz deutlich schwächer. Diesmal sitzen aufgrund ihrer guten Resultate 2007 sechs Frauen für Peking schon ziemlich selbstbewusst im Boot. Um in Peking sicher dabei sein zu können, hätte ich zwei oder drei der vier Qualifikationen inklusive EM-Titel gewinnen müssen - fast unmöglich."

sid: "Sie waren Erfolgsgarantin des Verbandes. Wie wird es jetzt im August in Peking ohne sie sein?"

Fischer: "Auch ohne mich sind für den DKV bei Olympia ähnlich wie 2004 vier Goldmedaillen drin. Die WM 2007 hat gezeigt, dass Ungarn wieder ein starker Gegner sein wird. China erwarte ich nach Informationen von Ex-Bundestrainer Josef Capousek, der seit Jahren dort arbeitet, nicht so stark wie ursprünglich angenommen. Das haben auch die Weltmeisterschaften letztes Jahr gezeigt."

sid: "Sie haben in Ihrer Karriere viele Superlative auf sich vereinigt. Kein Deutscher gewann so viel Gold bei Olympia. Keine andere Frau auf der Welt siegte bei sechs Olympischen Spielen - zweimal sogar doppelt. Nur vier andere gewannen mehr Goldmedaillen in der Geschichte Olympias, nämlich neun. Bedauern Sie, das eine oder andere dennoch nicht erreicht zu haben?"

Fischer: "Ich stehe in so vielen Dingen vorn und muss nicht überall ganz oben sein. Wenn die DDR 1984 in Los Angeles nicht auf den Start verzichtet hätte, könnte ich zwei oder drei Siege mehr auf dem Konto haben. Ich war damals in Hochform, hätte eine Chance im Einer, Zweier und Vierer gehabt und dann vielleicht als Einzige zehn Goldmedaillen. Irgendwann hätte mich dann aber doch wieder jemand übertroffen."

sid: "Wie sieht das neue Leben der Birgit Fischer nach dem endgültigen Abschied vom Hochleistungssport nun aus?"

Fischer: "Ich habe mit meiner Firma Kanufisch etliche Aufträge für den Olympia-Sommer, bereits im Februar sechs Vorträge. Als Unternehmerin biete ich Mentaltraining für Führungskräfte an, Personaltraining für Wettkampfsportler. Ich veranstalte Kurse, Events und Wanderungen mit dem Kanu, habe am Beetzsee nahe der Stadt Brandenburg einen Bootsverleih."

sid: "Auch familiär hat sich einiges verändert. Sohn Ole und Tochter Ulla leben nicht mehr bei Ihnen, haben wohl in Brandenburg eine Wohnung bezogen?"

Fischer: "Ja, und auch meine Mutter ist ausgezogen. Ich kann mich jetzt auf 300 Quadratmetern ausbreiten, mich neben den Geschäften dem Training mit Schülern, der Fotoausstellung und dem Hobby Malerei widmen. Aber auch die Paddel lege ich nicht endgültig aus der Hand."

© SID

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