Kanu National
Olympiasieger Gille steigt aus dem Kanu

Christian Gille hat seinen Abschied vom Kanurennsport erklärt. Dem Element Wasser bleibt der Olympiasieger bei seiner Ausbildung zum Feuerwehrmann aber dennoch verbunden.

Nach Andreas Dittmer geht unmittelbar vor dem Saisonstart doch noch ein zweiter Kanu-Olympiasieger von Bord: Christian Gille, der in Peking nach dem Kreislaufkollaps seines Canadier-Partners Tomasz Wylenzek in den Mittelpunkt gerückt war, begründete den Abschied mit dem Alter und der anstehenden Ausbildung zum Feuerwehrmann. Außerdem plant der 33 Jahre alte Goldmedaillengewinner von Athen 2004 und fünfmalige Weltmeister im dann "ruhigeren Privatleben" mit seiner Freundin ein zweites Kind nach Tochter Svenja (9).

"Das Feuer erloschen"

"Mein Körper gibt mir den Rat, so langsam mit Leistungssport aufzuhören. Es fiel einfach zu schwer, sich jeden Tag zu überwinden", sagte der zweifache Peking-Medaillengewinner Gille bei einer Pressekonferenz in Leipzig: "Die nächsten Olympischen Spiele sind weit weg, da ist bei mir im Kopf auch irgendwie das Feuer erloschen." Reich ist er trotz dreier Olympiaplaketten nicht geworden. "Wir haben trainiert wie die Profis, aber verdient wie die Amateure", sagte er.

Bundestrainer Kay Vesely, mit dem Gille Anfang der 90er Jahre Gold bei der Junioren-WM holte, meinte: "Es ist bedauerlich, es war ein Ausnahmeschiff über viele Jahre - ich kann die Entscheidung aber nachvollziehen. Wir müssen diese Lücke im Canadierbereich schnell schließen - schließlich waren Dittmer und das Gille-Boot die Medaillengaranten."

Der dreimalige Olympiasieger Dittmer hatte gleich nach Peking das Paddel aus der Hand gelegt. Der 26-jährige Wylenzek (Essen) setzt seine Laufbahn fort, am Ostersamstag geht es in Duisburg erstmals um die WM-Startplätze.

Filmreifer Auftritt in Peking

Drehbruchreif war der Auftritt von Gille/Wylenzek im Vorjahr in China: Im 1 000-m-Finale verpassten sie nur um Zentimeter den Sieg und krachten gegen die Zielboje. Dann brach Wylenzek, der für den erkälteten Gille mitarbeiten musste, auf dem Bootssteg entkräftet zusammen. Bei der Siegerehrung stand Gille allein auf dem Podest, 24 Stunden später holte das Duo 500-m-Bronze.

Erstmals war Gille durch eine rasante Gold-Fahrt 2004 in Athen ins Rampenlicht gerückt, als er im 1 000-m-Finale mit Wylenzek im fulminanten Endspurt noch nach vorn flog. Damals fuhr er zum Andenken an seinen ehemaligen und kurz vor Olympia an Leukämie verstorbenen Paddelpartner Thomas Zereske (gemeinsame Weltmeister 1997 und 1998) mit einem Trauerflor am rechten Oberarm.

Beinahe hätte Gille die größten Erfolg gar nicht geschafft, 2003 dachte er nämlich schon einmal ernsthaft ans Aufhören. Aber Vesely kreierte das Traumboot mit Wylenzek. Nun wird er wirklich abtrainieren und ein paar Monate noch als Kfz-Mechaniker in einem Autohaus arbeiten. Im Januar 2010 beginnt der Modellathlet bei der Stadt Leipzig dann die Ausbildung zum Brandschutzmeister. Nebenbei will er sein spatenförmiges Paddel weiterentwicklen: "Das wäre doch was, wenn noch in Jahren die Elite ein Paddel mit meinen Namen benutzt."

© SID

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