Kanu-Trainer Capousek entlassen
„In China zählt nur Drill“

Er ist einer der erfolgreichsten Trainer der Welt, doch für Chinas Sportfunktionäre offenbar nicht gut genug. Der Deutsche Josef Capousek muss sechs Wochen vor den Olympischen Spielen seine Koffer packen. Die knappe Begründung: Die Chancen auf Gold seien zu schlecht.

PEKING. Die knappe Begründung nach dreieinhalb Jahren harter Aufbauarbeit im Reich der Mitte: Die Chance für eine Goldmedaille bei den anstehenden Sommerspielen seien zu schlecht. Der 62jährige mit den wuscheligen weißen Haaren schüttelt darüber auch am Tag danach nur den Kopf. "In letzter Zeit sind einige Boote aus meiner Truppe Weltspitze gefahren", sagt der in Prag geborene Capousek mit singendem tschechischen Akzent.

Besonders schmerze ihn, dass man ihm untersagt habe, sich persönlich von der Mannschaft zu verabschieden. Das sei für ihn menschlich eine große Enttäuschung. Doch jetzt sollen Chinas Kanuten wieder altem Drill folgen: Nach den Worten von Capousek soll seinen Job als Cheftrainer ein Armee-Funktionär übernehmen. "Chinas Sport ist noch immer fest in der Hand der Armee."

Der Medaillenspiegel ist für Capusek nur ein Vorwand für seine Entlassung. Drei Goldene seien für Chinas Kanuten bei den Spielen im August in Peking durchaus drin, so der gefeuerte Deutsche. China spart nun aber die mit Capousek vereinbarte Prämie, die pro Medaille ausgezahlt werden sollte. "Und paddeln Chinas Kanuten schlecht, bin ich sowieso an allem schuld", lacht er bitter.

Capousek, der als junger Mann nach dem Prager Frühling 1968 seine Geburtstadt Prag verließ und nun Duisburg seine Heimat nennt, ist für seine offenen Worte bekannt. Das ist bei Chinas Oberen aber nicht so gut angekommen. Er habe immer wieder Probleme mit Provinzfunktionären gehabt, sagt Capousek. Oft sei es in seinem Umfeld "nicht mit rechten Dingen" zugegangen.

Zudem sei er immer dafür eingetreten, den Sportler als Menschen und nicht als Medaillenmaschine zu sehen. "Ich wollte mit den Sportlern auf einer Ebene arbeiten und ihr Selbstvertrauen stärken, aber in China geht alles nur von oben nach unten." Er hätte sportlich sicher mehr erreichen können, aber Chinas Trainingskultur sei einfach nicht modern genug: "Da zählt vor allem Drill."

Zudem gebe es große Defizite bei der Ernährung und auch bei der medizinischen Vorsorge der Sportler. Die Auswahl der Kader erfolge ebenfalls nach seltsamen Prinzipien. "Die hälfte meiner Kanuten konnte nicht mal schwimmen", wundert sich Capousek. Die Sportler selbst aber hätten in China absolut keine Mitsprache.

Ob er als Zuschauer die Sommerspiele und vor allem die Wettkämpfe der Kanuten im Pekinger Noden besuchen wird, weiß er noch nicht. "Ich muss das alles erstmal setzen lassen", sagt der Mann mit dem freundlichen Schnauzer. Immerhin: Seine Wohnung in Ostpeking zahlt der chinesiche Verband noch bis Ende August.

Das Kapitel China aber sei für ihn beendet, sagt Capousek. China sei ein schönes Land. Aber als Trainer werde er in das Reich der Mitte nicht mehr zurückkehren.

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