Kanu WM
15 Medaillen für deutsche Kanuten

Mit ihrem Sieg über 500m haben Ronald Rauhe und Tim Wieskötter bei der Kanurennsport-WM in Szeged/Ungarn den zweiten Sieg des Deutschen Kanu-Verbandes perfekt gemacht. Der DKV gewann insgesamt 15 Medaillen.

Ronald Rauhe und Tim Wieskötter haben bei den Kanurennsport-Weltmeisterschaften in Szeged/Ungarn die Goldmedaille gewonnen. Der Zweierkajak der Olympiasieger aus Potsdam setzte sich über 500 Meter klar durch und holte seinen fünften Titel in Serie. Am Samstag hatte der Vierer-Canadier mit Schlagmann Robert Nuck über 1 000 Meter für den bis dahin einzigen Triumph des Deutschen Kanu-Verbandes (DKV) gesorgt.

"Eine hervorragende WM, auch wenn es Baustellen gibt und wir uns in einigen Disziplinen für die Olympia-Qualifikation etwas einfallen lassen müssen", resümierte Olaf Heukrodt zufrieden. Der Präsident des Deutschen Kanu-Verbandes (DKV) kündigte an: "Jetzt beginnt die Vorbereitung für die Heim-WM 2007 und Olympia. Dieses Jahr war die Hand ein wenig lockerer, es wird ein strafferes Regime geben." Vom vorjährigen Gold-Festival mit zehn Triumphen waren die deutschen Paddler schließlich weit entfernt.

Die deutsche Gold-Bilanz rettete ein wenig der Potsdamer Rauhe, der am Sonntagfrüh zunächst im 500-m-Zweierkajak mit Tim Wieskötter vorn war. Im nichtolympischen Sprint zum Abschluss siegte er später im Einer und 23 Minuten darauf im Zweier mit Wieskötter. Für den 24-Jährigen waren es die WM-Titel Nummer acht bis zehn. "Einzigartig, ein WM-Dreier ist mir noch nie gelungen. Dafür musste ich zwischen den Rennen auch ganz schön flitzen", sagte Rauhe und strahlte.

Silber gab es über den Kilometer für den angeschlagenen Canadier Andreas Dittmer (Neubrandenburg) trotz seiner Muskelprobleme im Rippenbereich, Katrin Wagner-Augustin (Potsdam) im Einerkajak, den Zweierkajak mit Andreas Ihle/Rupert Wagner (Magdeburg/Essen) sowie den Damen-Viererkajak mit Schlagfrau Carolin Leonhardt (Mannheim). Über 500 Meter schafften es dann Robert Nuck/Stefan Holtz (Leipzig/Karlsruhe) sowie erneut der Damen-Vierer auf den zweiten Podestplatz, Bronze sicherten Einerkajak-Spezialist Lutz Altepost (Essen) und Fanny Fischer/Gesine Ruge (Potsdam/Dresden).

Im nichtolympischen Sprint kamen die Canadier Christian Gille/Tomasz Wylenzek (Leipzig/Essen), der Zweierkajak Fanny Fischer/Katrin Wagner-Augustin (Potsdam) und der Damen-Viererkajak als Zweite ins Ziel.

Fischer nur als Zuschauerin vor Ort

Als Zuschauerin schrieb die nach Differenzen mit dem DKV pausierende Rekordfrau Birgit Fischer unzählige Autogramme. Eine Entscheidung über ein Comeback mit Blick auf Peking 2008 habe sie noch nicht getroffen, das Tischtuch mit dem DKV sei zudem momentan zerschnitten. "Aber ich habe mehrere Angebote aus dem Ausland", so die 44-Jährige. Heukrodt: "Wir haben hier nicht über dieses Thema miteinander gesprochen. Ich weiß nicht, welches Tischtuch sie meint."

Gastgeber Ungarn räumte vor jeweils 30 000 frenetisch jubelnden Zuschauern in den 18 Rennen gleich neun Titel ab. "Die Ungarn haben mit ihrer starken Truppe Kanu zelebriert, aber wir brauchen uns nicht zu verstecken", meinte Reiner Kießler: "Uns fehlt beispielsweise die sonst sichere Goldmedaille von Dittmer, auch die Olympiasieger Gille/Wylenzek waren nur Vierte."

Immerhin zwei deutsche Sieg-Besatzungen waren glücklich. "Wahnsinn, eine Bestätigung für unser Training", so der 23-jährige Nuck. Erst im Vorjahr hatte er nach einer Sperre wegen Cannabis-Missbrauchs und einer verweigerten Dopingkontrolle sein Comeback gefeiert, nun führte er erstmals in der Geschichte einen deutschen Vierer-Canadier zum Sieg. "Mit klarem Kopf ist er wie im Rausch gepaddelt", so Canadier-Bundestrainer Kay Vesely. Zur Crew beim ersten WM-Gold für Nuck gehörten Holtz, Thomas Lück (Neubrandenburg) und Stephan Breuing (Bochum).

Rauhe kämpft mit den Tränen

Olympiasieger Rauhe meinte: "Bei dieser Begeisterung hier muss ich aufpassen, dass nicht die Tränen rollen. "Zufrieden war auch der 34-jährige Dittmer, der nach dem gesundheitlichen Rückschlag in den letzten Wochen nach einem starken 1 000-m-Rennen Tränen in den Augen. "Ich bin überglücklich. Vor zehn Tagen stand ich noch im Büro des Sportdirektors Jens Kahl und habe meinen Rückzug für die WM bekannt gegeben - jetzt hat es doch noch geklappt", meinte der entthronte Titelverteidiger.

Der dreimalige Canadier-Olympiasieger musste sich nur dem 20-jährigen Mexikaner Everardo Cristobal geschlagen geben, der die vom Wind geschützte Bahn unterhalb der Tribüne erwischt hatte und zum ersten Kanu-Gold für sein Land paddelte. Kießler meinte: "Den habe ich noch nie gesehen. Mexiko liegt aber hoch, da ist die Konstellation für Höhentraining recht günstig."

© SID

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