Kanu WM
Deutsche Kanuten wollen in Ungarn fünf Titel holen

Im ungarischen Szeged beginnt heute die Kanu-Rennsport-WM. Der deutsche Sportdirektor Jens Kahl hat den deutschen Kanuten acht bis zehn Medaillen, möglichst vier- oder fünfmal Gold als Zielvorgabe genannt.

Mit ungewohnt gemischten Gefülen gehen die erfolgsverwöhnten deutschen Kanuten in die heute beginnende Rennsport-WM in Szeged (Ungarn). Das Rekordergebnis von zehn Titeln aus dem Vorjahr liegt in weiter Ferne. "Acht bis zehn Medaillen, möglichst vier- oder fünfmal Gold", nennt Sportdirektor Jens Kahl das dennoch hoch gesteckte Ziel. Als Gold-Garant für die 27 Finals am Wochenende gilt im 29-köpfigen Team eigentlich nur der 500-m-Zweierkajak mit Ronald Rauhe/Tim Wieskötter (Potsdam).

Seriensieger Dittmer ist angeschlagen

Gründe für vorsichtige Prognosen gibt es diesmal zur Genüge. Seriensieger Andreas Dittmer, zweifacher Titelverteidiger im Canadier, ist angeschlagen. Wegen der Heim-WM 2007 in Duisburg mit Olympia-Qualifikation sowie den Sommerspielen 2008 in Peking legten zuletzt viele Athleten ihren Schwerpunkt auf Ausbildung. Gastgeber Ungarn kann sich dagegen vor eigenem Publikum kein "Zwischenjahr" erlauben - die 30 000 Anhänger an der Strecke wollen Siege sehen.

"Die Konzentration auf die Ausbildung wirkt sich natürlich aus, dafür haben wir in den nächsten Jahren Ruhe", sagte Kahl. Dann wären wieder rund zwei Drittel der Athleten bei der Bundeswehr. Diesmal sind 60 Prozent des Teams Schüler, Studenten oder Auszubildende. 18 Prozent der Starter verdienen ihr Geld im Job, nur 22 Prozent sind bei der Bundeswehr.

18 Medaillen (10/5/3) wie im Rekordjahr 2005 erscheinen unter diesen Aspekten utopisch, zumal da auch Rekord-Weltmeisterin Birgit Fischer bei zwei Plaketten noch mithalf. In diesem Jahr legte die 44-Jährige nach Differenzen mit dem Deutschen Kanu-Verband (DKV) eine Wettkampfpause ein.

Ungarns Damen Favorit

Vor allem im Damenbereich sind die Ungarn klarer Favorit. Doppel-Olympiasiegerin Natasa Janics und Katalin Kovacs gelten auf der olympischen 500-m-Strecke als derzeit unschlagbar. Darum wechselte die dreimalige Olympiasiegerin Katrin Wagner-Augustin kurzfristig aus dem Zweier mit Fanny Fischer (beide Potsdam) in den Vierer. Das Flaggschiff soll nun den Ungarinnen Dampf machen. Für die Gastgeberinnen könnte im engen Zeitplan die dagegen geplante Mehrfachbelastung ein entscheidender Nachteil sein.

Bei den Canadiern wirkt der Fast-Ausfall des achtmaligen Weltmeisters Dittmer (Neubrandenburg) schwer. Der 34-Jährige konnte wegen Muskelbeschwerden im Rippenbereich nicht richtig trainieren, tritt wahrscheinlich mit Schmerzen an. "Ein Sieg über 1 000 Meter wäre eine Riesenüberraschung", meint Cheftrainer Reiner Kießler. Der dreimalige Olympiasieger selbst sieht auf der halben Distanz überhaupt keine Chance, will im Vorlauf am Donnerstag "nur locker runterfahren".

Vierer mit Goldchancen

Zu den großen Hoffnungen gehören die Canadier-Olympiasieger Christian Gille/Tomasz Wylenzek (Leipzig/Essen - 1000m). Disziplin-Bundestrainer Kay Vesely traut auch dem neuen Boot mit Robert Nuck/Stefan Holtz (Leipzig/Karlsruhe) über 500 Meter sowie seinen Vierern einen Gold-Coup zu.

Ebenfalls optimistisch ist die 20-jährige Nicole Reinhardt (Lampertheim), Titelverteidigerin über 500 Meter: "Jetzt bin ich zwar die Favoritin, aber die Nervosität legt sich - ich habe wieder alle Chancen auf den Sieg."

© SID

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