Kata- und Trimarane
Mehr Rumpf, mehr Speed

Seit fast 40 Jahren sind große Kata- und Trimarane das Schnellste, was auf Ozeanen unter Segeln unterwegs ist. Extrem teuer in der Konstruktion, extrem komplex in der Handhabung, bleibt das rasante Segelvergnügen nur wenigen Auserwählten vorbehalten.

Sobald Steuermann Andreas Andersen mit einer kleinen Bewegung den Pinnenausleger Richtung Oberkörper zieht, sollte man aufpassen, voll da sein. Dann hat man noch ein paar Sekunden, sich festzuhalten, um nicht über Bord zu gehen. Denn sobald der Schwede sein mit 16 mal 18 Meter fast ebenso breites wie langes dreirümpfiges Segelmonster dichter an die Windkante gedrückt hat, hebt ein mächtiges Sausen und Brausen an. Fahrstuhlartig steigt der Luvschwimmer fast zweieinhalb Meter empor, während der Trimaran so lange kontinuierlich beschleunigt, bis Finnen und Schwerter breite Schaumspuren ins matte Grün der Kieler Förde fräsen. Bei fast 20 Knoten Fahrt spritzen die Gischtfetzen. Nirgendwo sonst wird die ganze Weisheit des alten Seemannsspruchs "Eine Hand für dich, eine Hand fürs Schiff" unmittelbarer vermittelt, als hier - auf einem trampolinartig zwischen Zentralrumpf und Schwimmern gespannten Netz hockend. "Schon ab drei Windstärken ist das Segeln mit uns wie Himmelfahrt und Höllenritt in einem", sagt Nokia-Oops-Pressemanager Lars-Ola Nordqvist.

Mit drei 18 Meter langen Geschossen des Typs Formula 60 ist der Schwede anlässlich der Regattaserie "Nokia Oops Cup" erstmals 2006 nach Deutschland gekommen. Mit einer eindeutigen Botschaft: In Sachen Speed gehört die Zukunft Booten, die mehr als nur einen Rumpf besitzen. Denn Mehrrümpfer, im Fachjargon "Multihulls", haben kleinere benetzte Rumpfflächen, mithin auch weniger Wasserwiderstand als Einrumpfboote (Monohulls). Ihre Segel können Windkräfte optimal aufnehmen, weil die Boote wegen ihrer meist enormen Breite mit viel weniger Krängung segeln. In Ozeanien weiß man das schon seit über tausend Jahren. Poly-, Mikro- und Melanesier entwickelten dort Doppelkanus und Auslegerboote. Mit ihren hochseetüchtigen agilen Gefährten besiedelten sie den halben Pazifik. In der westlichen Hemisphäre dauerte es hingegen fast bis in unsere Tage, ehe man von diesem Wissen profitierte. Noch 1871 galt der von niemand Geringerem als Nathanael G. Herreshoff ausgesprochene Satz: "Ich denke, dass Einrümpfer auf Langstrecken ein höheres Geschwindigkeitspotenzial aufweisen werden als Mehrrümpfer." Der berühmte amerikanische Yachtkonstrukteur hatte sich als einer der ersten mit Mehrrumpfbooten beschäftigt, entwarf jedoch anschließend seine weltberühmten Rennmaschinen für Könige, Kaiser und Industriemagnaten allesamt einrümpfig. Heute weiß man: Nicht Einrümpfer, sondern Mehrrümpfer sind das schnellste Design, das im Segelbootbau realisierbar ist.

Bestes Beispiel dafür: Bruno Peyrons Maxi-Katamaran "Orange II" durchpflügte 2006 den Atlantik von New York nach England in 113 Stunden und 29 Minuten? Weltrekord! Mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von mehr als 25 Knoten (fast 50 Stundenkilometern) peitschte der Franzose Crew und 38-Meter-Kat durch 3100 Seemeilen feuchtkalten Nordatlantiks. Solchen Geschwindigkeiten können selbst moderne Schnellfrachter mit riesigen Schiffsmotoren nicht trotzen.

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