Katar und der Fußball: Bezahlte Sportbegeisterung in der Wüste

Katar und der Fußball
Bezahlte Sportbegeisterung in der Wüste

Katar erhält den Zuschlag für ein sportliches Großereignis nach dem anderen – auch wegen der angeblich so großen Begeisterung der Einheimischen. Bei genauerem Hinsehen zeigt sich jedoch ein völlig anderes Bild.
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DohaEinige Männer ziehen sich gegenseitig in den Bus, er ist schnell komplett voll. Andere zwängen sich durch die Fenster, nutzen dabei die großen Reifen als Halt und hinterlassen Schuhabdrücke auf dem weißen Fahrzeug.

Es sind keine Flüchtlinge, die sich vor einem Krieg oder einer Katastrophe in Sicherheit bringen. Es sind Gastarbeiter in Katar, dem Ausrichter der Fußball-Weltmeisterschaft 2022. Ihr Job: sich als begeisterte Sportfans ausgeben. Ihr Lohn: ein paar lächerliche Dollar in einem der reichsten Länder der Welt.

Die Katarer prahlen damit, dass sie verrückt nach Sport sind. Der regierende Emir des öl- und gasreichen Golfstaates ist so wild auf Fußball, dass er den Vorzeigeclub Paris Saint-Germain gekauft und mit viel Geld zum führenden Verein Frankreichs gemacht hat.

Seine Mutter schwärmte bei einem Besuch einer Delegation des Weltfußballverbandes Fifa: „Für uns ist Fußball nicht nur ein einfaches Spiel oder ein Sport unter vielen. Es ist DER Sport.“

Und bei der erfolgreichen Bewerbung um die Leichtathletik-Weltmeisterschaft 2019 tönte Katars Präsentatorin Aphrodite Moschudi: „Katar hat eine wahre Leidenschaft für Sport. Alles in unserem Land dreht sich um Sport.“

Oder auch: Wenn die Leidenschaft fehlt, dann dreht sich alles ums Geld. Dann werden nämlich die Sportarenen mit Gastarbeitern gefüllt, die für ihre Anwesenheit bezahlt werden. Für 30 Katar-Rial, umgerechnet etwa 6,60 Euro. Dafür bekommt man nicht einmal ein Bier in einem der Luxus-Hotels in der Hauptstadt Doha.

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„Bizarr“

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Mickriger Stundenlohn

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