Kati Wilhelm hat den Olymp erklommen
Eine Goldmedaille „zum Genießen“

Kati Wilhelm hat schon viele Erfolge gefeiert, doch die Siegerehrung am Samstag auf der Turiner Medal Plaza war für die 29-Jährige ein ganz besonderes Ereignis. Mit ansteckender Fröhlichkeit genoss die 29-Jährige nach ihrem dritten Olympia-Sieg den Rummel um ihre Person.

HB TURIN. Für Kati Wilhelm war es eine Goldmedaille "zum Genießen". Mit 1:13,6 Minuten Vorsprung stürmte die 29 Jahre alte Thüringerin beim Verfolgungsrennen über 10 Kilometer zum überlegensten Sieg einer Biathletin in der Olympia-Geschichte. Als sie mit Freudentränen in den Augen endlich die heiß ersehnte Goldmedaille um den Hals hängen hatte, war das am Samstagabend zudem die Krönung des bisher erfolgreichsten olympischen Tages für die deutschen Biathleten.

Mit Freudentränen in den Augen und der Goldmedaille um den Hals sprach die erfolgreichste Olympia-Biathletin vom "größten Tag meiner Karriere". Durch den historischen Sieg winken Wilhelm lukrative Werbeverträge -- am Samstag erhielt sie bereits eine außergewöhnliche Prämie: einen heißblütigen Araber-Hengst. "Ich war total perplex, als ich plötzlich ein Pferd hatte", schilderte Kati Wilhelm die Szenerie zu nächtlicher Stunde im Deutschen Haus von Sestriere. Gestüts-Besitzer Thomas Mayer hatte der 29-Jährigen via ZDF ein Pferd geschenkt und die ungewöhnliche Aktion damit begründet, dass ein arabischer Vollblut-Hengst am besten zu Wilhelms roten Haaren passen würde.

"Fans zu haben ist eine tolle Motivation" sagte sie und nahm sich - wie immer - viel Zeit um Autogramme zu schreiben und in Kameras zu lächeln. Verblüfft zeigte sich die Thüringerin nach ihren Sieg im Verfolgungsrennen in San Sicario, dass sie nun auch einen speziellen olympischen Rekord hält: "Ich wusste gar nicht, dass ich jetzt die erfolgreichste olympische Biathletin bin - darauf bin ich stolz. Aber ich habe erst dreimal Gold und einmal Silber gewonnen. Andere haben mehr Medaillen, auch bei Weltmeisterschaften." Wilhelm möchte in Turin noch mehr: "Natürlich gehören wir in der Staffel zu den Favoriten. Da wollen wir unbedingt noch eine Medaille gewinnen."

Das dritte Olympiagold, auf das Kati Wilhelm nach einer bisher überragenden Saison lange warten musste, widmete sie ihrem kleinen Neffen Max. Der Sohn ihrer Schwester Melanie war in Tränen ausgebrochen, als er im Fernsehen die Siegerehrung für das deutsche Eisschnelllauf-Trio um Anni Friesinger sah und hatte gefragt: "Wann gewinnt denn Tante Kati endlich wieder?"

Dass die beiden ersten Rennen bei Olympia "in die Hose gegangen sind", hatte sie schon gewurmt. "Plötzlich hatte ich nur noch zwei Chancen für eine Einzelmedaille. Und der Druck, den ich mir selbst gemacht habe, wurde immer größer", berichtete die Bundeswehr - Sportsoldatin im Range eines Hauptfeldwebels.

Dabei schien die Karriere der aus Steinbach-Hallenberg stammenden Athletin 1999 bereits beendet, als die Olympia-Fünfte von 1998 mit der deutschen Langlauf-Staffel bei der WM in Ramsau nur Zuschauerin war. Biathlon-Bundestrainer Frank Ullrich überredete sie, ein Gewehr in die Hand zu nehmen. Wilhelm zeigte Talent beim Schießen und wechselte in der Oberhofer Sportfördergruppe zu den Skijägern, blieb aber ihrem Zella-Mehliser Verein treu. Bereits ein Jahr später wurde sie Europameisterin, 2001 erstmals Sprint-Weltmeisterin. Mit dem Umstieg wechselte sie dann auch ihr Outfit. "Rotkäppchen" war geboren.

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