Katja Thater
Vom Poker-Groupie zu „Lady Horror“

2007 erspielte Katja Thater sich geschätzte 300 000 Euro Preisgeld. Bei der „World Series“ in Las Vegas wurde sie Weltmeisterin. Wie aus der Leiterin einer Marketingagentur ein Star der Kartenszene wurde.

BADEN. Den „bösen Blick“, wie sie das nennt, kann Katja Thater auf Kommando anknipsen. Auch in einem Interview. Für Sekunden pausiert dann ihr ansonsten lebhaftes Mienenspiel, ehe ihr schrilles Lachen wieder den Raum füllt. Der wohl dosierte Gebrauch von Mimik und Körpersprache gehört zu den wichtigsten Talenten eines Pokerspielers. Und Katja Thater ist mit dieser Fähigkeit reichlich gesegnet.

Sie sitzt in einem Café gegenüber des prachtvollen Casinos von Baden bei Wien und erzählt von ihrer Karriere. Schon bei den ersten Partien habe sie die besondere Reaktion gespürt, die sie bei ihren meist männlichen Gegnern auslöste. „Da wurden natürlich nicht sofort die Hacken zusammengeschlagen, aber gerade gemacht haben die sich alle.“

Mittlerweile ist sie ein Star der Szene. 2007 erspielte sie sich geschätzte 300 000 Euro Preisgeld. In deutschen Talkshows und nächtlichen Pokerübertragungen präsentiert Katja Thater einen auch hierzulande boomenden Sport fast im Alleingang. Auch weil sie, Deutschlands einziger weiblicher Poker-Profi, bei der „World Series“ in Las Vegas Weltmeisterin geworden ist. Und das ist vor ihr lediglich zwei anderen Frauen geglückt.

Stundenlang kann Katja Thater über das Kartenspiel räsonieren. Dass es dabei um Sport geht, daran zweifelt sie nie. Siebzig Prozent Mathematik, Psychologie und Strategie sei das Pokern. „Der Rest ist Zufall.“ Berechenbarer, das zeigen diverse Studien, geht es beim Fußball auch nicht zu. Und wie bei jedem anderen Leistungssport geht es beim Pokern darum, aus gegebenem Talent durch Fleiß und Hartnäckigkeit zur Perfektion zu gelangen.

Ihr eigenes Talent für das Pokern entdeckt zu haben, verdankt die 41-Jährige ihrem Ehemann. „Schatz, ich muss mal eben zur Toilette, machst du so lange weiter?“ Jan „50outs“ von Halle, schon länger professioneller Pokerspieler, überrumpelte sie mit dieser Aufforderung mitten in einer „High Limit Partie Seven Card Stud“ – eine der anspruchvollsten Pokervarianten. Auf dem Tisch lagen mehrere tausend Dollar.

Der Abend, der ihr Leben veränderte, trug sich vor acht Jahren zu, eben hier in Wien im Casino von Baden. Bis dahin hatte Thater sich geweigert, selbst zu den Karten zu greifen. Sie saß immer nur „auf dem Groupie-Platz hinter meinem Mann“. Fortan spielte sie mit. Und am Ende bezahlten meist die Gegner.

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