Katrin Boron-Kölm
„Rudern ist an sich schwer zu vermarkten“

Kathrin Boron-Kölm, vierfache Olympiasiegerin und eine der erfolgreichsten Sportlerinnen der Welt, spricht im Interview über ihre Karriere, die Begeisterung für den Sport – und warum ein Plan B nicht schaden kann.

DüsseldorfFür die deutschen Ruderer geht es bereits knapp drei Monate vor der Reise zu den Olympischen Spielen nach Brasilien um Medaillen: Die Europameisterschaft auf dem Beetzsee an diesem Wochenende ist die erste Standortbestimmung im Sportjahr 2016. In Brandenburg gehen rund 800 Teilnehmer aus 35 Nationen an den Start. Der Deutsche Ruderverband ist allen 14 olympischen Bootsklassen vertreten. Wie steht es um den Sport hierzulande? Kathrin Boron-Kölm, vierfache Olympiasiegerin und eine der erfolgreichsten Sportlerinnen der Welt, wird bei den Finalläufen vor Ort sein – weil die Wettkämpfe sie bis heute faszinieren und weil Brandenburg ihre Heimat ist.

Frau Boron, Sie haben 2008 mit dem Rudersport aufgehört. Was ist seitdem passiert?
Für mich persönlich war es natürlich ein großer Schnitt. Das gilt für den Ruderverband in gewisser Weise auch.

Wieso – weil er seine erfolgreichste Ruderin verloren hat?
Das haben Sie gesagt. Jedenfalls war er damals in großen Schwierigkeiten. Aber er hat versucht, über Strukturreformen wieder Fahrt aufzunehmen. Und das ist ihm auch ganz gut gelungen.

Ist es denn heute schwieriger als früher, Kinder für den Sport zu begeistern?
Ja, das ist es leider. Es ist vor allem schwer, Mädchen für das Rudern zu gewinnen. Die Zeit ist heute eine andere, viel schnelllebiger. Und auch die Schule gibt den Kindern weniger Freiräume für Sport. Sie haben häufig einfach keine Zeit für den Leistungssport. Das sehe ich auch bei meiner 13-jährigen Tochter.

Dabei fordert die Politik doch auch Medaillen vom Sportler-Nachwuchs…
Ja, aber Sport ist auch das erste Fach, das ausfällt, wenn ein Lehrer krank wird.

Wie haben Sie es denn geschafft, Hochleistungssportlerin zu werden?
Ich bin schon mit 12, 13 Jahren täglich zum Training gegangen. Ich komme aus der ehemaligen DDR, da war das nichts Besonderes, nichts unübliches. Heute ist so eine Karriere, wie ich sie gemacht habe, nicht mehr möglich, glaube ich.

Warum?
Da müssen so viele Faktoren zusammentreffen: Ich wollte das alles unbedingt – und ich habe auch die entsprechende Unterstützung bekommen.

Dabei ist die Attraktivität olympischer Randsportarten, und dazu zählt das Rudern, nicht sehr hoch – die Sportler haben kaum Öffentlichkeit und deutlich weniger Verdienstmöglichkeiten als beispielsweise Fußballer.
Meine Motivation war es auch nie, eine gewisse Bekanntheit zu erreichen. Ich wollte den sportlichen Erfolg. Aber natürlich stehen und fallen die Einnahmen mit der Präsenz in den Medien. Nach der Wende hatte ich Berater und Sponsoren an meiner Seite, die mir dabei geholfen haben.

Weil Sie sehr erfolgreich waren. So viel Unterstützung und so gute Verdienstchancen haben weniger erfolgreiche Athleten vermutlich nicht.
Ja, das stimmt. Erfolg ist eine Voraussetzung für Sponsoren. Die Gegenleistung wiederum ist der Erfolg. Dabei ist Rudern keine einfache Sportart.

Wieso? Der Schnellste gewinnt…
Ja, aber wir reden über verschiedene Bootsklassen. Das kann durchaus kompliziert sein. Rudern ist an sich schwer zu vermarkten. Das Flaggschiff ist natürlich der Deutschland-Achter. Der ist eine Marke und dafür arbeitet er hart. Auch der Einer bekommt noch etwas Aufmerksamkeit. Aber für alle anderen Klassen ist es schwer.

Wie haben Sie für die Zeit nach der aktiven Karriere vorgesorgt?
Ich bin ein Sicherheitsmensch und habe gern einen Plan A und einen Plan B. Was ist, wenn ich Sport nicht mehr machen kann? Diese Frage hat sich mir vor allem nach der Wende gestellt. Ich habe damals eine Ausbildung bei der Deutschen Bank gemacht. Das schien mir solide, ich habe mir die Lehrstelle selbst gesucht.

Das war so einfach?
Nein, einfach war das leider nicht. Die Deutsche Bank war die einzige Bank, die mich zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen hat. Ich hatte einfach Glück: Der Regionalleiter in Potsdam war sportbegeistert, der fand toll, was ich mache.  1991 habe ich begonnen, kurz vor den Olympischen Spielen in Barcelona. Später wurde ich  übernommen. 

Und heute?
Bin ich eine Brandenburgerin, die in der Nähe von Frankfurt am Main lebt. Nach meinem Karriereende habe ich für den Olympiastützpunkt Brandenburg gearbeitet im Bereich Öffentlichkeitsarbeit und Marketing. Mittlerweile bin ich bei der Deutschen Sporthilfe beschäftigt – von der ich als Sportlerin selbst profitiert habe.

Was genau ist Ihre Aufgabe?
Ich betreue zwei Verbände: Leichtathletik und Curling – und vor allem das Thema Sprungbrett Zukunft. Wir wissen alle, dass es schwierig ist, Spitzensport und die berufliche Karriere miteinander zu verbinden. Genau dabei wollen wir helfen.

Das Gespräch führten Diana Fröhlich und Dorit Marschall. 

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