KHL – die neue Größe im Welt-Eishockey
Eisiger Krieg um Teams und Spieler

Die neue russische Kontinental Hockey-Liga (KHL) will sich als neue Größe im Welt-Eishockey etablieren: Sie fordert die amerikanische NHL heraus und wirbt um deutsche Klubs.

MOSKAU/BERLIN. "In 15 Minuten sind die Russen auf dem Kurfürstendamm, sie lassen ihre Panzer im Parkhaus steh'n und woll'n im Cafe Kranzler die Sahnetörtchen seh'n", nölte Udo Lindenberg einst in die Mikrophone der Nation. Es waren die achtziger Jahre, es herrschte der Kalte Krieg, und die von Lindenberg parodierte Angst "vor'm Russen" war allgegenwärtig. Spätestens seit dem Konflikt in Georgien scheint das lange verschlossene Wortarsenal nun wieder geöffnet zu sein, und so verwunderte es auch nicht, als ein Kölner Boulevardblatt kürzlich mit der Schlagzeile glänzte: "Russenangriff! - müssen die Haie jetzt zittern?"

Gemeint war das Eishockeyteam der Kölner Haie und der "Russenangriff" entpuppte sich bei weiterer Lektüre als ein Angebot der neuen - am Dienstag angepfiffenen - russischen Eishockey-Liga KHL (Kontinentale Hockey-Liga) an die deutsche Konkurrenz: Die Eisbären Berlin und die Adler Mannheim sollen wie andere Vereine Skandinaviens und Mitteleuropas in zwei bis drei Jahren in die selbsterklärte "zweitbeste Liga der Welt" integriert werden. Eine Idee, die vor Beginn der neuen DEL-Saison für Wirbel sorgt.

Peter John Lee, Manager des deutschen Meisters Eisbären Berlin, jedenfalls scheint nicht abgeneigt, demnächst statt in Hamburg oder Nürnberg in Moskau oder Sankt Petersburg zu spielen. "Wir werden das Angebot prüfen. Die finanzielle Schlagkraft einer solchen Liga würde enorm sein", sagt der Kanadier. Selbst die Verpflichtung von deutschen Superstars wie Jochen Hecht oder Marco Sturm, momentan in der nordamerikanischen NHL aktiv, könnte dann realisiert werden. Es bleibe jedoch abzuwarten, so Lee, wie sich die Eisbären in der neu geschaffenen europäischen Champions League (CHL) schlagen und sich der vom russischen Gas-Konzern Gazprom alimentierte Wettbewerb hinsichtlich der TV-Einnahmen entwickeln werde.

Nicht wenige sehen die CHL als Vorstufe einer KHL-Westdivision. "Die CHL könnte schnell sehr populär werden", sagt DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke. "Die Gründung einer NHL des Ostens liegt dann quasi auf der Hand." Eine Teilnahme an der KHL mache allerdings nur Sinn, so Thomas Eichin, Geschäftsführer der Kölner Haie, wenn "mehrere deutsche Klubs mitmachen und man in einer Gruppe mit Düsseldorf, Berlin, Mannheim und vielleicht Moskau oder Prag spielt."

Für die DEL könnte der Flirt ihrer wichtigsten Vereine mit der neuen Superliga derweil Existenz bedrohend sein. Schon jetzt leidet sie wie sämtliche nationale Ligen Europas unter der finanziellen Potenz der KHL. Die arbeitet mit 24 Klubs mit einem Gesamtbudget von 370 Millionen Euro. In der aus 16 Mannschaften bestehenden DEL sind es dagegen nicht mal 85 Millionen. "Auf absehbare Zeit können die ganz andere Gehälter zahlen. Im Hinblick auf das Niveau der Liga macht uns das zu schaffen", sagt DEL-Chef Tripcke. Akut wird das Problem, wenn wie geplant die Ausländerbeschränkung in der KHL komplett wegfällt. "Vielleicht wechseln dann im nächsten Jahr auf einmal 20, 30 oder 40 unserer besten Spieler nach Russland", sagt Tripcke.

Dass es die KHL mittlerweile selbst mit dem großen Bruder aus Amerika aufnehmen kann, beweist die Verpflichtung von NHL-Superstar Jaromir Jagr. Vor ein paar Wochen hat der 36-jährige Tscheche eine Vertragsverlängerung mit den New York Rangers ausgeschlagen und für zehn Millionen Dollar Jahresgage beim Abramowitsch-Klub Avangard Omsk unterschrieben. Spätestens in diesem Moment muss den 30 Klubs der NHL gedämmert haben, dass ihr Monopol gefährdet ist.

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