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Kiefer will Federer entzaubern - Steigerung nötig

Amulette für Stärke und Glauben und abends eine Tüte englischer Weingummis: Mit spirituellen, aber auch süßen Ritualen tankt Nicolas Kiefer Kraft für sein bisher wichtigstes Tennis-Match in diesem Jahr.

dpa LONDON. Amulette für Stärke und Glauben und abends eine Tüte englischer Weingummis: Mit spirituellen, aber auch süßen Ritualen tankt Nicolas Kiefer Kraft für sein bisher wichtigstes Tennis-Match in diesem Jahr.

Der Niedersachse will in Wimbledon mit Aberglauben und Aggressivität Titelverteidiger Roger Federer entzaubern, der weiß: "Auf Rasen ist Nicolas unheimlich gefährlich." Daran, den Weltranglisten-Ersten vom Thron zu stoßen, versuchen sich die Gegner des Schweizers auf Rasen seit nunmehr drei Jahren vergebens. Der letztjährige Halbfinalist Mario Ancic aus Kroatien konnte Federer 2002 in der ersten Runde von Wimbledon besiegen, seitdem hat der Weltranglisten-Erste 31 Spiele nacheinander auf Gras nicht mehr verloren. Den Rekord hält der legendäre Björn Borg mit 41 Siegen am Stück.

"Das sind die Spiele, für die man alles gibt", sagt Kiefer, der auf eine Ansetzung auf dem Centre Court hofft, wo er 1999 schon einmal gegen Boris Becker spielte und verlor. Gegen den übermächtig erscheinenden Favoriten Federer will der 27-Jährige mehr als nur eine gute Figur abgeben, die sich mit einer achtbaren Niederlage anständig verabschiedet. "Ich gehe auf jeden Fall rein, um zu gewinnen", verkündet Kiefer, der den Basler immerhin schon drei Mal bezwingen konnte, davon einmal auf dem Rasen von Halle. Allerdings nahm Federer im Jahr danach an gleicher Stelle bitter Revanche.

"Er ist mit Abstand der beste Spieler auf der Herren-Tour", sagt Kiefer anerkennend, erinnert aber an Federers Halbfinal-Aus gegen den Spanier Rafael Nadal bei den French Open. "Da hat man auch gesehen, dass er negativ wird von der Körpersprache. Aber so weit muss man ihn erstmal bringen. Wichtig wird ein guter Start sein. Man muss immer dran bleiben und darf sich gerade auf Rasen keine Unkonzentriertheiten erlauben." Dies klappte bei Kiefers Zweitrunden-Sieg gegen den Italiener Alessio di Mauro schon besser als beim Zittersieg zum Auftakt über den Franzosen Julien Benneteau. Kiefer weiß: "Es sind immer kleine Schwankungen da. Das sind Sachen, die am Freitag nicht passieren dürfen."

Der Hannoveraner, der zwar wieder schmerzfrei ist, sich aber in der momentanen Sommerhitze ab und an matt fühlt, vertraut auf seine Variabilität. "Ich will alles ein bisschen mischen", sagt Kiefer, der einst so gut returnierte wie kaum ein anderer Profi. Er will Federer nach dem Aufschlag auch mit Netzattacken überraschen und von der Grundlinie dagegen halten. So weit, so gut: Doch die selbst eingeforderte hundertprozentige Aggressivität hat der Olympia-Zweite im Doppel in Wimbledon bisher vermissen lassen. Und das weiß er auch. "Da muss noch viel mehr kommen", sagt Kiefer. Um wie 1997 ins Viertelfinale zu kommen, braucht er mehr als nur Glücksbringer.

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