Klage sucht in der Sportgeschichte ihresgleichen
Europas Handballer verklagen Weltverband vor Zivilgericht

Rund vier Monate vor der WM 2007 in Deutschland steuert die Handballwelt auf einen Konflikt mit historischem Ausmaß zu. Die in Wien ansässige Europäische Handball-Föderation (EHF) hat nach Informationen des Handelsblatts gegen den in Basel arbeitenden Weltverband IHF vor dem Zivilgericht Basel-Stadt eine Anfechtungsklage eingereicht. Auslöser ist im Kern, dass der Weltverband die Qualifikationsspiele zur Handball-WM von 2008 an in eigener Regie und Verantwortung organisieren will. Bisher waren dafür die kontinentalen Verbände, etwa der europäische, zuständig.

DÜSSELDORF. „Die Klageschrift wurde am 1. September eingereicht und ist uns am 7. September zugestellt worden“, bestätigte IHF-Direktor Frank Birkefeld dem Handelsblatt. Die Klage sucht in der Sportgeschichte seinesgleichen, noch nie hat ein kontinentaler Verband seinen Weltverband vor einem ordentlichen Gericht verklagt. Offenkundig aus formaljuristischen Gründen beteiligen sich auch der Österreichische Handballbund (ÖHB) und der Schweizerische Handballverband (SHV) an der Klage.

Die Klage ficht die jüngsten Beschlüsse der IHF-Exekutive (IHF-Rat) Anfang August in Herzogenaurach an, wo es nach Angaben von Insidern bereits „mächtig Alarm“ zwischen den Fraktionen gegeben haben soll. Nach Informationen des Handelsblattes aus Kreisen des Weltverbandes will die IHF jeweils im Juni WM-Qualifikationsturniere austragen. Nur in den jeweiligen Olympiajahren erst im Oktober, da der Juni schon den Olympia-Qualifikationsturnieren vorbehalten ist. Zudem will der IHF-Rat eine „World League“ für Klubmeisterschaften einführen; Details dazu stehen noch aus.

Beide Beschlüsse haben eine enorme Tragweite, da sie den engen Terminkalender des Handballs weiter aufblähen. Zuletzt ermittelte die EHF einen Großteil der europäischen WM-Teilnehmer in einem Play-Off-System mit Hin-und Rückspiel. Für die großen Handballnationen hieß das: Sie müssten nur zwei Spiele bestreiten, um sich für die WM zu qualifizieren. Nach den Vorstellungen der IHF kommen auf diese Länder nun deutlich mehr Qualifikationsspiele zu.

Dagegen will sich auch die deutsche Handball-Bundesliga (HBL) zur Wehr setzen. „Wir sind gegen jede weitere Aufstockung des Terminkalenders“, sagte der HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann, „wir stehen doch jetzt schon bei Oberkante Unterlippe“.

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