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Klöden feiert in Frankreich Wiederauferstehung

Nach einer bisher schlechten Saison feiert Andreas Klöden bei der diesjährigen Tour de France seine sportliche Auferstehung. So verpasste der 30-Jährige im Gerardmer seinen ersten Etappensieg nur um 9,6 Millimeter.

Ausgerechnet bei der Tour de France feiert Andreas Klöden nach einer Saison voller Pleiten, Pech und Pannen so etwas wie eine sportliche Wiederauferstehung. Mit einer bravourösen Attacke brachte der 30-Jährige gleich am ersten schweren Berg der diesjährigen Frankreich-Rundfahrt Lance Armstrong in Verlegenheit und verpasste in Gerardmer seinen ersten Etappensieg im Fotofinish gegen den Niederländer Pieter Weening nur um 9,6 Millimeter.

"Ich hoffe, dass bei mir jetzt der Knoten geplatzt ist", sagte Klöden im Ziel erleichtert. Die Freude über seine Glanzvorstellung am 1139m hohen Col de la Schlucht ließ den Ärger über den vergebenen Tagessieg schnell vergessen: "Ich habe versucht, den Sprint zu verzögern und das Ding von vorne zu gewinnen. Ich dachte im ersten Momment, dass ich gewonnen hätte. Schade, dass es nicht geklappt hat."

Seine Rolle im Team scheint Klöden sichtlich zu gefallen. Gemeinsam mit Alexander Winokurow soll er durch Ausreißversuche den sechsmaligen Toursieger Armstrong ständig ärgern und im Hochgebirge Jan Ullrich zur Seite stehen. "Es war interessant, zu sehen, dass Lance durch unsere Attacken plötzlich allein war. Vielleicht ist das der Schlüssel zum Erfolg. Wir werden es in den nächsten Tagen immer wieder versuchen."

Klöden bereits auf Rang neun

Da Armstrong die weitaus größere Gefahr in Ullrich und Winokurow sieht, könnte Klöden die neue Rolle auch in die eigenen Karten spielen. Zumindest hat der Wahl-Schweizer bei seinem Coup am Samstag 39 Sekunden im Gesamtklassement gutgemacht und einen Teil des Zwei-Minuten-Verlustes beim Auftaktzeitfahren wieder eingeholt. So liegt Klöden 1:50 Minuten hinter Armstrong bereits auf dem neunten Platz.

Daran war vor einigen Wochen noch gar nicht zu denken. Alles ging schief beim Vorjahreszweiten der Tour. Bei der Valencia- und Baskenland-Rundfahrt sowie beim GP Miguel Indurain und dem Fleche Wallonne präsentierte sich Klöden völlig außer Form und stieg vorzeitig vom Rad. Noch vor dem Frühjahrsklassiker Lüttich-Bastogne-Lüttich zog das T-Mobile-Team die Notbremse und verordnete dem deutschen Meister von 2004 eine vierwöchige Rennpause, in der er seine Form neu aufbauen sollte.

Klöden: "Ich habe meine Form zerstört"

Ein Höhentrainingslager soll die Ursache für Klödens Leistungseinbruch gewesen sein. "Es ist schrecklich. Ich habe meine Form zerstört. Ich komme einfach nicht auf einen grünen Zweig. Nach drei Stunden bin ich kaputt", klagte der Brandenburger damals. Als er sich mit einem Etappensieg im Mai bei der Bayern-Rundfahrt zurückmeldete, schien Klöden auf dem besten Weg. Doch nur drei Wochen vor dem Tour-Start war nach einer katastrophalen Vorstellung bei der Dauphine Libere sogar sein Tour-Start in Frage gestellt.

Nicht nur sportlich manövrierte sich Klöden, der im vergangenen Jahr nach einem langen Transferpoker seinen Vertrag bis 2006 verlängerte, selbst in die Sackgasse. Vor allem mit seiner Forderung nach einem Tour-Team ohne Sprinter Erik Zabel machte sich der Olympia-Dritte von 2000 keine Freunde und handelte sich einen Rüffel von Walter Godefroot ein: "Andreas ist Andreas. Er trägt sein Herz auf der Zunge. Manchmal ist es aber besser, vorher nachzudenken."

© SID

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