Knapper Vorsprung für Sasha Cohen: Am späten Abend noch hellwach

Knapper Vorsprung für Sasha Cohen
Am späten Abend noch hellwach

Der Abstand von nur drei hundertstel Punkten macht die Olympische Kürentscheidung zwischen der Amerikanerin Sasha Cohen und Weltmeisterin Irina Slutskaja aus Moskau zum prickelnden Kopf-an- Kopf-Rennen zweier Künstlerinnen auf dem Eis.

HB TURIN. Am Dienstag kurz vor Mitternacht trat die 21 Jahre alte frühere Turnerin Cohen erstmals aus dem langen Schatten der großen Michelle Kwan heraus und riss die 6000 Zuschauer in der Palavela-Arena von den Sitzen. "Das war ein wundervoller Augenblick, den ich nach der harten Arbeit genossen habe", sagte Cohen nach ihrem anmutigen Kurzprogramm. "Jetzt muss ich ausblenden, dass ich Erste bin", beschwor sich die selbstbewusste Kalifornierin fast selbst.

Und ihr 76 Jahre alter Coach John Nicks mahnte: "Das war ein sehr guter Start, aber es war nur der Start." Die Taktik des Teams hatte sich ausgezahlt: Cohen schwänzte das frühe Morgentraining, um zur späten Startzeit um 23.15 Uhr hellwach zu sein. Die große amerikanische Hoffnung hielt als letzte Läuferin dem Nervendruck stand und zauberte ihre Sprünge zu russischer Folklore aufs Eis. Das Thema ist kein Zufall, Cohen spricht sogar die Sprache ihrer härtesten Konkurrentin, weil ihre Mutter Ukrainerin ist.

Die Familie steht voll hinter der eigenwilligen Vize- Weltmeisterin, die nach ihrem enttäuschenden vierten Platz in Salt Lake City 2002 drei Mal den Coach wechselte und ihren Liebsten den Umzug von der West- an die Ostküste der USA und zurück zumutete. "Ich bin ein anderer Mensch geworden, damals wollte ich Gold gewinnen und war sehr enttäuscht hinterher. Ich bin gereift und genieße jetzt den Moment", betonte Cohen, deren Ehrgeiz aber schon im Training kaum zu stoppen ist. So überraschte ihre Antwort nach ihrem beeindruckendsten Olympia-Erlebnis auch niemanden wirklich: "Ich habe eigentlich noch gar nichts gesehen außer Eiskunstlauf. Und da hat mir die chinesische Paarläuferin imponiert, wie sie nach ihrem Sturz weitergelaufen ist."

Unter genau umgekehrten Vorzeichen wie in der Kurzkür wird Teil zwei der Damen-Konkurrenz ablaufen. Cohen muss vor Doppel- Weltmeisterin Slutskaja ihr Können zeigen, die Russin kann als Letzte möglicherweise sogar taktieren. "Ich war großartig und habe meine beste Saisonleistung gezeigt", kommentierte die sonst so redselige siebenmalige Europameisterin kurz und knapp den Ausgang, mit dem sie nicht ganz zufrieden war. In der künstlerischen Note fühlte sich die Olympia-Zweite von 2002 unterbewertet. Am Donnerstag wird sie in ihre Flamenco-Kür alles hineinlegen, um als erste Russin Olympiasiegerin zu werden. Um sich den immensen Druck zu nehmen, behauptet sie: "Alle reden von Gold, nur ich nicht. Ich will einfach meine beste Leistung zeigen."

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